netzeitung.deHandballer erreichen Finale

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Daniel Stephan, Klaus-Dieter Petersen and Stefan Kretzschmar (v.l.n.r.) bejubeln ihren Sieg. (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Daniel Stephan, Klaus-Dieter Petersen and Stefan Kretzschmar (v.l.n.r.) bejubeln ihren Sieg.
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat Russland besiegt und ist ins olympische Finale eingezogen. Am Sonntag trifft das Team auf Kroatien.

Deutschlands Handballer stehen im Finale der Olympischen Spiele in Athen und spielen erstmals seit dem Silbergewinn 1984 in Los Angeles wieder um Gold. Die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand setzte sich am Freitag im Halbfinale mit 21:15 (9:10) gegen die russische Auswahl durch, die ihre Stärken vor allem in der Abwehr hatte.
Fleiß belohnt
«Wir haben uns schwer getan, aber am Ende sensationell gespielt. Die Russen sind ja auch nicht irgendwer, die kann man nicht einfach wegpusten», sagt Brand nach der Partie. Auf die Frage, wann sich das Spiel zugunsten seiner Männer wendete, sagte er: «Irgendwann musste belohnt werden, dass wir uns in der Abwehr immer wieder Bälle erkämpft haben.»

Kurz zuvor hatte Kroatien das Endspiel mit einem 33:31-Sieg über Ungarn erreicht. Um die Goldmedaille geht es in der Neuauflage des WM-Endspiels von 2003 am Sonntag (16.45 Uhr/15.45 MESZ). Den letzten Olympiasieg einer deutschen Auswahl hatte die DDR-Mannschaft 1980 in Moskau geholt.

Im Hinblick auf das Finale sagte der Bundestrainer: «Die Kroaten interessieren uns weniger. Wir müssen unser Spiel spielen. Wir wollen Gold.» Stefan Kretzschmar fand allerdings: «Bei den Kroaten würden wir uns schon gern für das verlorene WM-Finale revanchieren. Jetzt darf ich mir bloß bis Sonntag nicht die Finger brechen.»

Vor 10.032 Zuschauern in der Helleniko Arena besiegelten Kretzschmar (5/Magdeburg) und Florian Kehrmann (4/Lemgo) als beste Werfer den Coup im Duell zweier verkrampfter Mannschaften. Noch nie zuvor hatte es in einem olympischen Halbfinale weniger Treffer gegeben.

Drei Tage nach dem Siebenmeterkrimi im Viertelfinale gegen Spanien (32:30) ließ die Chancenverwertung der DHB-Auswahl erneut zu wünschen übrig. Immer wieder scheiterten die deutsche Spieler an dem ehemaligen Östringer Bundesligalegionär Andrej Lawrow im Tor der Russen. Der 42-Jährige, der derzeit per Zeitungsinserat einem neuen Verein sucht, entnervte besonders den bis dato besten deutschen Turnierwerfer Florian Kehrmann und Jubilar Christian Schwarzer (beide Lemgo) in seinem 300. Länderspiel.

Torwart Fritz ist gewohnter Rückhalt
Zudem kassierte der Lemgoer Volker Zerbe nach 12 Minuten schon seine zweite Zeitstrafe, so dass der 2,11-Meter-Riese nur sporadisch eingesetzt werden konnte. Nach der dritten Zeitstrafe sah er die Rote Karte (51.). Einzig Keeper Henning Fritz (Kiel) sorgte mit einer ansprechenden Leistung dafür, dass der zwischenzeitliche Rückstand (5:8/18.) nicht weiter wuchs.

Erst nach dem Wechsel besann sich der Goldfavorit auf seine Stärken und ging trotz insgesamt vier vergebener Siebenmeter nach einem Doppelschlag von Kretzschmar erstmals in der 42. Minute (13:12) in Führung. Letztlich sicherte Torhüter Fritz den Sieg.

Besonders für die vier rücktrittswilligen Routiniers um Schwarzer wird das Finale am Sonntag zu einem Highlight ihrer Nationalmannschafts-Karriere. «Mein großer Traum ist es, mich mit einer Goldmedaille vom Handballsport zu verabschieden«, sagte der 34 Jahre alte Schwarzer, der wie Zerbe (35), Klaus-Dieter Petersen (35) und Kretzschmar (31) nach Olympia das DHB-Trikot an den Nagel hängen will. Allerdings rechnet Kretzschmar damit, dass Brand die Routiniers im Hinblick auf die WM 2007 im eigenen Land vom Rücktritt abhalten wird. «Heiner wird das Gespräch vielleicht noch suchen», sagte der Linksaußen.

Keine Rasur für den Trainer
Für den Fall des Gold-Triumphes haben sich die Deutschen indes einen ganz besonderen Gag ausgedacht. »Dann gehen wir in unseren Trikots direkt aus der Halle zur Schlussfeier«, kündigte Kehrmann an. Brand indes wird wohl nicht wie beim EM-Triumph Anfang Februar seinen Schnäuzer verlieren. »Das ist kein Reiz mehr für die Jungs«, sagte der Gummersbacher, schließt aber nichts aus: »Irgendwas wird schon passieren.« (nz)