netzeitung.deNatascha Keller setzt Familientradition fort

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Lupe Natascha Keller setzt Familientradition fort

Hockey-Spielerin Natascha Keller kehrt mit einer Olympischen Goldmedaille aus Athen zurück. In ihrer Familie ist das aber nicht ungewöhnlich.

Sicher, die Freude über die Goldmedaille war groß. Überraschend hatten die deutschen Hockey-Damen mit Mittelstürmerin Natascha Keller den Sieg im olympischen Hockey-Turnier beim 2:1 (2:0) über den hohen Favoriten Holland davongetragen. Doch in der Berliner Familie Keller sind Medaillen fast an der Tagesordnung.

Die 27-Jährige, 1999 Welt-Hockeyspielerin des Jahres, setzte mit dem Olympiagold eine Tradition fort. Ihr Halbbruder Andreas gewann Gold in Barcelona 1992 sowie 1984 in Los Angeles und 1988 in Seoul jeweils Silber mit den Herren. Andreas Keller, mittlerweile im Lehrerberuf tätig, hatte aufgrund einer Freistellung die Chance, das Endspiel vor Ort mitzuerleben. „Es war grausam. Aber das kenne ich ja aus meiner Erfahrung als Trainer“, sagte Andreas, der die Damen vom Berliner Hockey-Club (BHC) trainiert.

Vater einer der «Helden von München»
Auch Vater Carsten war glücklich. Er hatte 1972 als Kapitän der deutschen Hockey-Nationalmannschaft fast ebenso sensationell Gold gewonnen gegen den Rekord-Olympiasieger Pakistan. „Ich bin erst einmal durch die Wohnung gehüpft. Danach musste ich fast einhundert Telefongespräche entgegennehmen.“ Der Familienvater hatte seine Tochter kurz vor dem Abflug noch mit den Bildern von 1972 auf Athen eingestimmt.

Aufgeregt war Carsten aber nicht. Eher sicher, dass die Mannschaft seiner Tochter die Goldmedaille gegen den hohen Favoriten aus den Niederlanden holt. Allerdings musste sich der Vater auch vor dem Bildschirm beruhigen. „Ich habe dann einen Grand Manier in der Nähe.“ Den nimmt er auch zu Hilfe, wenn der deutsche Fußball-Meister spielt. „Ich bin auch Fan von Werder Bremen.“

Schon Großvater gewann Medaille
Doch nicht nur Halbbruder und Vater können olympische Medaillen vorweisen, die Zeitreise in die Vergangenheit dauert länger. 1936 gewann Großvater Erwin Keller mit der Nationalmannschaft bei den Spielen in Berlin die Silbermedaille. Scherzhaft fügt Vater Carsten hinzu, dass Natascha nun beruhigt nach Berlin zurückkehren könnte. Ebenso wie Halbbruder und Vater gewann Natascha bei ihrer dritten Olympia-Teilnahme die Goldmedaille.

Dabei wollte die ausgelernte Betriebswirtin, die aufgrund einer langwierigen Fußverletzung erst zum Schluss der Saison mit vielen Toren in der Bundesliga ihre Nominierung sicher stellte, „eigentlich nur die Favoriten ärgern“ und mit Glück „das Halbfinale erreichen“.

Nun aber hat sie sogar die Medaillen-Tradition der Familie weitergeführt und hofft selbst auf eine Fortsetzung der Keller-Serie im Nationalteam. Die beiden Kinder von Andreas spielen Hockey, und auch die Kinder ihrer Schwester sind bereits mit dem Spiel vertraut. Sie selbst wird auch beruflich ihrem Vater nachfolgen. Ab Oktober hat wird sie als Kundenberaterin bei einem Versicherungskonzern tätig sein. Den Job hat ihr der Vater besorgt.

Angebote aus dem Ausland
Bei der Arbeit ist sie selbstständig tätig und kann auch ihre Auslandspläne weiter schmieden. Sechs Monate in einem fremden Land zu spielen, erscheint der Berlinerin reizvoll. „Ich hatte schon mehrere Angebote aus Holland. Aber auch Australien reizt mich. Da will ich mich noch nicht festlegen.“

Anschließend könnte Natascha erneut in die Fußstapfen des Vaters treten. Wenn sich Carsten Keller als selbstständiger Generalvertreter zurückzieht, wird sein Büro frei – und Natascha könnte wieder der Tradition folgen. (nz)