Eisschnelllauf-Weltcup in Berlin: 

netzeitung.deFriesinger läuft hinterher, Wolf trumpft auf

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Eisschnelllauf-Weltcup in Berlin 

Lupe Friesinger läuft hinterher, Wolf trumpft auf

Vor den Augen von Claudia Pechstein, die schon den nächsten Schritt in ihrem Kampf gegen die Doping-Sperre plant, fand der Weltcup-Auftakt in Berlin statt. Die Ergebnisse der deutschen Damen lagen weit auseinander.

Jenny Wolf riss die Fäuste in die Luft, Anni Friesinger-Postma schüttelte nur ungläubig den Kopf: Die Reaktionen der deutschen Eisschnelllauf-Stars hätten beim Berliner Weltcup unterschiedlicher kaum sein können. Beim ersten Saisonauftakt ohne die gesperrte Claudia Pechstein seit 16 Jahren trumpfte Weltmeisterin Jenny Wolf am Sonntag mit ihrem 41. Weltcupsieg wieder groß auf. Im zweiten 500-Meter-Rennen drehte die Weltrekordlerin beim Weltcup auf ihrem Heimeis den Spieß um und verwies Vortagssiegerin Wang Beixing in die Schranken. In 37,52 Sekunden verbesserte sie ihren Bahnrekord um 0,23 Sekunden, verpasste ihren inoffiziellen Flachland-Weltrekord nur um 1/100 Sekunde und verhinderte den ersten Weltcup ohne deutschen Sieg seit 18 Monaten.

Pechstein plant Gang vor ein Zivilgericht
Bei Pechstein, die am Sonntag auf der Tribüne Platz nahm, hat unterdessen die Warterei auf das Urteil vom Internationalen Sportgerichtshof CAS eine Trotzreaktion ausgelöst. «Wenn die Sperre nicht aufgehoben wird, ziehe ich vor ein Zivilgericht», erklärte sie auf ihrer Homepage. Zudem behauptete sie unter Berufung auf ein Gutachten des Weltverbandes ISU, es gebe in der ISU-Datenbank 527 Werte, die außerhalb des Normbereiches bei Retikulozyten (0,65 bis 2,4 Prozent) lägen. «Davon gehören gerade mal 14 mir. Doch ich bin plötzlich der, auf den alle mit dem Finger zeigen. Wer sagt denn, dass die Athleten, die jetzt am lautesten schreien, nicht selbst dazu gehören?», klagte Pechstein.

Wolf ließ sich dagegen von den über 1000 Zuschauern feiern. «Das war sensationell. Heute lief es perfekt vom Start bis ins Ziel. Zuvor hätte ich das gar nicht gedacht, denn ich war sehr nervös», gestand die 30-Jährige, die bereits nach einem Blick auf die Anzeigetafel wieder strahlen konnte. Am Tag zuvor hatte die Seriensiegerin der Vorsaison (10 Siege in 13 Rennen) noch der Dauer-Rivalin den Vortritt lassen müssen. «Jetzt weiß ich: Wenn mir so ein Rennen gelingt wird es schwer für die anderen zu gewinnen», meinte sie selbstbewusst mit Blick auf die Olympia-Entscheidung.

Friesinger hat «gleich zwei Bremsen»
Noch nicht richtig fit ist Anni Friesinger, die nach dem bösen Dämpfer auf Platz 15 über 1000 Meter am Sonntag über 1500 Meter als Siebte eine erfreuliche Steigerung verzeichnete. «Ich habe in Knie und Knöchel gleich zwei Bremsen: Vielleicht war der Einstieg etwas zu früh», spekulierte sie und räumte nach dem schlechtesten Saisonstart ihrer Karriere zugleich ein: «Dass ich so weit hinten bin, hätte ich nicht gedacht.» Nach ihrem siebten Platz sah das schon etwas besser aus: «Mit der Zeit bin ich nicht zufrieden, mit der Platzierung in den Top acht schon.» Ihr aus den Niederlanden angereiste Ehemann Ids Postma meinte: «Von nun an kann es nur bergauf gehen.»

Ihr Bilanz sieht somit durchwachsen aus. «Die Leiter nach Vancouver ist noch sehr lang, die Stufen sind sehr weit auseinander. Aber die erste habe ich jetzt genommen», sagte sie. Der Sieg über 1500 Meter ging wie schon über 1000 Meter an die Kanadierin Christine Nesbitt, die Friesingers Bahnrekord von 1:55,54 einstellte.

Fünf Olympia-Tickets vergeben
Weitere Olympia-Tickets buchten neben Wolf und Friesinger die Berlinerin Monique Angermüller (7./1000 m) und die Erfurterinnen Stephanie Beckert (3./3000 m) und Daniela Anschütz-Thoms (4. 3000/8. 1500 m). «Das ist für mich heute so wie ein Sieg. Ich habe mein erstes Ziel erreicht und musste die ersten Freudentränen verdrücken», meinte Angermüller. Beckerts Bruder Patrick sorgte beim Sieg von Rekord-Weltmeister Sven Kramer (Niederlande/6:14,69) über 5000 Meter für eine Überraschung. Der 19-Jährige steigerte in 6:32,50 seine Bestzeit um mehr als fünf Sekunden und schaffte die «halbe» Olympia- Norm. Dies gelang auch dem WM-Achten Marco Weber (München) als bestem Deutschen mit Platz 13. (Frank Thomas, dpa)