Lobinger und Ecker gehen im Regen unter
11.08.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Lobinger und Ecker gehen im Regen unter
Für die deutschen Stabhochspringer hat es bei der Leichtathletik-WM nicht für einen vorderen Platz gereicht. Weltmeister wurde der Niederländer Rens Blom.
Bei der Wind- und Regenlotterie von Helsinki haben die deutschen Stabhochspringer Tim Lobinger und Danny Ecker Nieten gezogen. Der frühere Hallen-Weltmeister und der Olympia-Fünfte kamen mit den widrigen Bedingungen bei der Leichtathletik-WM nicht zurecht und belegten die Plätze fünf und zehn. Trotz Regens, starker Winde und eines technischen Defekts an der Anlage schwang sich Rens Blom auf 5,80 Meter hinaus und holte das erste WM-Gold für die Niederlande in der Leichtathletik-Geschichte. «Jede Kreismeisterschaft in Deutschland ist besser organisiert, was die Apparatur betrifft», schimpfte der erboste Lobinger. «Es kann nicht sein, dass nach jedem Sprung etwas repariert werden muss.»
Ärger über die TechnikDer Kölner beklagte sich, dass die Athleten nicht über eine Verlegung nachgedacht haben: «Es gab nicht einmal ein Teammeeting.» Ecker wählte moderatere Worte. «Alles heute war nur eine Frage der Sicherheit und des Selbstbewusstseins», erklärte der Leverkusener den Wettkampf voller Risiken.
Zur Begrüßung im Olympiastadion wurden die leidgeprüften «Stabis» von einem Regenschauer empfangen. Nach dem Chaos in der Qualifikation, wo der Lattenaufleger am Ständer abbrach, ging es kaum besser weiter: Zwar blies der Wind nicht mehr wie ein Orkan, doch aus ständig wechselnden Richtungen. Der Anlauf musste immer wieder mit einer Walze von Regenwasser befreit werden. Und der Wettkampfbeginn verzögerte sich, weil der Lattenaufleger defekt war und die Kampfrichter ihn mit der Hand herauf- und herunterkurbeln mussten.
Vom Regen genervtZu den ersten Ausgeschiedenen gehörte Ecker: Der Sohn von Heide Rosendahl fabrizierte bei seiner Anfangshöhe von 5,50 Meter einen «Salto nullo» und verließ sichtlich genervt die Anlage: «Die Bedingungen waren einfach beschissen», klagte der deutsche Vize- Meister, der durch eine Leistenoperation in der Vorbereitung gehandicapt war. «Ich wäre lieber gleich in der Qualifikation rausgeflogen als heute ohne gültigen Versuch dazustehen. Aber das war heute noch mehr eine Sache der Überwindung als sonst.» Nach der halbstündigen Verzögerung zu Beginn sei die Stimmung unter den Athleten schon in den Keller gegangen.
«Dass ich drei Mal gerissen habe, lag am Wettergott», meinte Lobinger. Er war dieses Mal nicht als Mitfavorit gehandelt worden. Zu oft hatte der Hallen-Weltmeister von 2003 bei internationalen Freiluft-Meisterschaften enttäuscht: Olympia-13. in Sydney 2000, WM- Fünfter 2003, Olympia-11. 2004. «Noch heute werde ich traurig, wenn ich die Bilder von Athen sehe», sagte er vor seinem WM-Auftritt. In diesem Jahr wollte Lobinger einiges ändern: «Ich habe mir keinen so großen Stress im Vorfeld gemacht.» Symbolisch für die Wandlung stand seine Haarpracht: Der Zopf ist ab. Doch die Riesenchance, bei Wind und Wetter die Konkurrenten zu übertrumpfen, packte er nicht beim Schopfe. So ging Lobinger auch bei seiner sechsten WM-Teilnahme leer aus.