Riedel steht vor schwerer WM05. Aug 2005 14:18, ergänzt 14:57
Lars Riedel
Erst in letzter Minute hat es Diskus-Veteran Lars Riedel noch auf den WM-Zug geschafft. Für den 38-Jährigen sind unlängst schwere Zeiten angebrochen.
Von Ralf Jarkowski, dpa
15 Jahre lang war er der Chef im Ring, für seine achte Weltmeisterschaft qualifizierte sich Diskus-Recke Lars Riedel aber erst in letzter Minute. Vielleicht ein gutes Omen, denn manchmal sind die Letzten ja die Ersten. Für den fünffachen Weltmeister wird es bei der WM-Entscheidung auf jeden Fall ganz schwer, an alte Triumphe anzuknüpfen. Das weiß der Sonnyboy aus Sachsen selbst am besten, doch auch ein Realist wie Riedel lässt sich die Hoffnung nicht nehmen. «Mal sehen, ob ich gleich einen Richtigen raushauen kann. Für 66 Meter gibt es vielleicht schon eine Medaille. Warum nicht?», meinte der Oldie im DLV-Team am Freitag.
Schwere Zeiten
NULL=YESIOC: Erhöhte Doping-Sperre widerspricht Codehttp://www.netzeitung.de/sport/leichtathletik2005/351721.htmlNULL=YESSiebenkampf-Star Klüft: Besser als in Athenhttp://www.netzeitung.de/sport/leichtathletik2005/351689.htmlNULL=YESDas deutsche WM-Aufgebothttp://www.netzeitung.de/sport/leichtathletik2005/351262.htmlNULL=YESArron sieht sich als wahre Rekordhalterinhttp://www.netzeitung.de/sport/leichtathletik2005/351690.htmlNULL=YESBartels prangert Doping-Mentalität anhttp://www.netzeitung.de/sport/351676.htmlNULL=YESSprintstars spucken große Tönehttp://www.netzeitung.de/sport/leichtathletik2005/351678.htmlNULL=YESDLV-Team will Olympia hinter sich lassenhttp://www.netzeitung.de/sport/351552.html
Seinen 38. Geburtstag hatte der «Mann mit dem goldenen Arm» Ende Juni, und ob es bei der WM in Helsinki für den Sachsen wieder etwas zu feiern gibt, scheint eher unwahrscheinlich. Der alte Mann hat es schwer in diesen Tagen, er will sich noch einmal motivieren, es läuft aber nicht optimal, wenngleich «schon besser als noch vor einigen Wochen». Probleme hat Riedel schon die ganze Saison über, der WM- Start stand lange in den Sternen. «Mir fehlen einfach noch die Lockerheit und die Beweglichkeit», sagte der Olympiasieger von 1996, «im Moment bewege ich nicht den Diskus, sondern der Diskus bewegt mich.»
Beim Meeting in Schönebeck hatte Riedel vor einer Woche gleich für mehrere Zittereinlagen gesorgt und war erst mit einem Kraftakt im vierten Versuch (65,86 Meter) auf den WM-Zug gesprungen. Die drei ersten Würfe waren ungültig. Sein Manager Helmut Ebert hat den Modellathleten noch nie so erleichtert gesehen. Riedels achtes WM- Ticket war zugleich das schönste Geschenk für seinen Trainer Karl- Heinz Steinmetz, der tags darauf 63 wurde.
Respekt vom BundestrainerDas Erfolgs-Duo Riedel/Steinmetz arbeitet seit der Wende zusammen, Riedels langjähriger Konkurrent und Weggefährte Jürgen Schult steht inzwischen als Bundestrainer in der Verantwortung. Schult zollte Riedel nach dem Coup von Schönebeck Respekt. «Man hat gesehen, dass Lars wieder was drauf hat.» Von seinem sechsten WM-Gold darf der Routinier allerdings nur träumen: In der Weltjahresbestenliste liegt er mit seinen 65,86 Metern auf Platz elf.
Falls Riedel wider Erwarten sogar ganz oben auf dem Siegerpodest stehen sollte, wäre der Gold-Junge der älteste Weltmeister der Leichtathletik-Geschichte. Sonntag in Suomi - ein guter Tag zum Aufhören? Daran denkt der einstige Seriensieger (noch) nicht. Riedel: «Da will ich mich jetzt noch nicht festlegen.»