Schwalbe zum Abschied
Jürgen Klinsmann steckt auf, schmeißt hin. Er kapituliert vor den Erwartungen einer ganzen Nation. Das ist sein gutes Recht. Sein Rücktritt taugt allerdings dazu, Klinsmanns vergessen geglaubten Ruf, ein Cleverle zu sein, wiederzubeleben. Egal, was er gerade eben bei der eigens einberufenen DFB-Pressekonferenz rührselig als private Gründe für seinen Rücktritt angab.
Was ist Klinsmann konkret vorzuwerfen? Dass er sich aus dem Staub macht, jetzt, da er sich erstmals hätte beweisen müssen mit dem Aufbau einer DFB-Mannschaft, die diese Bezeichnung verdient. Er fängt etwas an und tritt unverrichteter Dinge ab. Zurück lässt er einen Kader aus vorwiegend jungen Spielern, zusammengestellt für die Heimspiele während der WM. Zu verlieren hatte er wenig bis nichts, damals, als er Bundestrainer wurde, das Nationalteam lag nach dem Fiasko bei der Euro 04 in Portugal buchstäblich am Boden. Niemand schürte die Erwartung, der Weltmeisterpokal sei für das Team in Kürze zu greifen.
Dass es keine Großen mehr gibt, trifft bedingt auch auf die Spieler zu, unbedingt aber auf die Trainer. Jürgen Klinsmann und sein cleveres Kompetenzteam bilden hier keine Ausnahme. Zeit, dass jemand die Vision von einer spielstarken DFB-Mannschaft formuliert und dauerhaft umzusetzen versucht.
Joachim Löw soll's also richten. Warum nicht, dem weit gereisten Trainer lässt sich bisher nicht nachsagen, er fiele wie der «Diver» (etwa: «Schwalbenkönig», d. Red.) leicht. Dass er aber bloß nicht so clever wird wie sein Vorgänger und künftiger Einflüsterer Klinsmann, und dann den Kader mir nichts, dir nichts, verlässt.
Der Schriftsteller Perikles Monioudis wurde 1966 in der Schweiz geboren. Seine literarischen Werke wurden unter anderem mit dem Preis des Schweizerischen Schriftstellerverbandes und dem Conrad-Ferdinand-Meyer-Preis ausgezeichnet. Seine Sportaufsätze sind unter anderem in der «Neuen Zürcher Zeitung» und in «El País» erschienen.

