WM 2010 - Südafrika feiert, Löw plant: 

netzeitung.de«Das ist der Tod des Zweifels»

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Gute Laune bei der Gruppenauslosung (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Gute Laune bei der Gruppenauslosung
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

WM-Gastgeber Südafrika strotzt nach der reibungslosen Gruppen-Auslosung vor Selbstbewusstsein - auch wenn der «Bafana Bafana» das Losglück nicht hold war. Beim DFB ist man froh, dass die Planungen nun «konkret anfangen können».

Erleichterung am Kap - heikle Mission für Joachim Löw. Mit einer rauschenden Party ohne Störung hat Gastgeber Südafrika der Fußball-Welt seine WM-Tauglichkeit bewiesen. 50.000 Fans feierten bis tief in die Nacht den «Triumph über den Zweifel» («Weekend Argus»). Für den Bundestrainer geht der WM-Titelauftrag jetzt in die entscheidende Planungsphase. Löw diskutierte gleich am Tag nach dem bunten Auslosungs-Spektakel im Convention Center von Kapstadt mit Assistent Hansi Flick und Team-Manager Oliver Bierhoff den WM- Feinschliff. «Ich freue mich auf Südafrika», sagte Löw.

Die sportliche Leitung will noch bis zum Jahresende die wichtigsten Fragen klären: Wann und wo können die Gruppen-Gegner Australien (13. Juni in Durban/20.30 Uhr), Serbien (18. Juni in Port Elizabeth/13.30 Uhr) und Ghana (23. Juni in Johannesburg/20.30 Uhr) beobachtet werden? Welche Länder kommen neben Malta in den drei Vorbereitungsspielen als Test-Partner infrage? Wie läuft das Trainingslager in Österreich vor der voraussichtlichen WM-Abreise am 6. Juni ab? Und was passiert im Regenerationscamp nach der Bundesliga-Saison in Sardinien?

«Es gibt noch wahnsinnig viel zu tun»
«Es gibt noch wahnsinnig viel zu tun», betonte Bierhoff. Nach der pragmatischen Analyse der Auslosung war bei den Verantwortlichen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ein Aufatmen zu spüren, aber Löw trat sofort als Mahner auf. «Das ist ein hartes Auftaktprogramm. Wir werden uns auf die Gangart unserer Gegner entsprechend anpassen», sagte Löw und ergänzte: «Wir wissen, was auf uns zukommt. Deshalb bin ich froh, dass wir konkret anfangen können.» Auch Münchens Stürmerstar Mario Gomez warnte vor Übermut: «Ich habe da gemischte Gefühle. Es ist keine einfache Gruppe, definitiv nicht.»

Vor allem die völlig verschiedenen Spielkulturen der drei deutschen Gegner in der Gruppe D machen das Afrika-Abenteuer «so interessant» (Löw) - und so unberechenbar. Die rustikalen «Socceroos» aus Australien um England-Legionär Harry Kewell setzen auf knallharte Defensive. Die raffinierten Serben mit dem Ex-Berliner Torjäger Marko Pantelic leben von ihrer spielerischen Fantasie, und die dynamischen «Black Stars» aus Ghana mit Michael Ballacks Teamkollege Michael Essien als Antreiber vertrauen längst nicht mehr nur ihrer Athletik.

«Wir wollen Weltmeister werden»
Gleich im ersten Gruppenspiel gegen Australien ist ein Sieg Pflicht. Beim 4:3-Erfolg über die «Aussies» im Confed-Cup 2005 hatten sich die Deutschen sehr schwergetan. «Es wird ein wichtiges Spiel für uns, und es ist wichtig zu gewinnen», kündigte Löw an, «wir werden unsere Vorbereitung darauf einstellen, viele Informationen sammeln.»

Mit einem Marketingtermin (11./12. Januar in Frankfurt) und einem zweitägigen Leistungstest (26./27. Januar in Sindelfingen) startet die DFB-Auswahl ins WM-Jahr. Am 3. März ist in München der Kracher gegen den zweimaligen Weltmeister Argentinien als einzige Standortbestimmung vor der Nominierung angesetzt. «Wir wollen Weltmeister werden», sagte Bierhoff, «das ist ein großes Ziel, aber darauf arbeiten wir hin.»

Streng abgesicherte Feier in Kapstadt
Südafrikas Präsident Jacob Zuma war sich dagegen schon in der farbenfrohen Eröffnungsshow sicher, dass die WM-Trophäe bei dieser WM in Afrika bleibt. 188 Tage vor dem Eröffnungsspiel Südafrika - Mexiko in Johannesburg werteten die afrikanischen WM-Macher die gelungene Präsentation vor mehr als 200 Millionen TV-Zuschauern in 200 Ländern als «Weltklasse-Ereignis» und «große Feier Afrikas».

Nach der lange herrschenden Skepsis an Südafrikas Organisationstalent tönte OK-Chef Danny Jordaan sogar: «Das ist der Tod des Zweifels.» Die streng abgesicherte Sause in Kapstadts Long Street diente als Gefühlsverstärker. Musiker heizten den Fans ein, Gaukler, Stelzenläufer und Maskierte sorgten für Ausgelassenheit. Größere Zwischenfälle gab es keine. Übergriffe gegen ein deutsches und ein britisches Fernsehteam hatten sich abseits der Feier ereignet.

Dritte Ticket-Verkaufsphase startet
Nur die «Monster-Auslosung» («Weekend Argus») für die «Bafana Bafana» trübte ein bisschen die Stimmung. Hollywood-Star Charlize Theron hatte als Losfee Südafrika in der Gruppe A die schweren Gegner Mexiko, Frankreich und Uruguay beschert. Die einheimischen Medien prophezeiten ihren Helden prompt als erstem WM-Ausrichter der Geschichte bereits das Vorrunden-Aus. Einen negativen Einfluss auf den Verkauf der Eintrittskarten befürchtet Jordaan allerdings nicht. Am Samstag begann die dritte Verkaufsphase für eine Million WM- Tickets. (Sven Busch und Ralf E. Krüger, dpa)