19.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Erst Handspiel, dann Torvorlage: Thierry Henry (2.v.l.)
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Während der Sieger des Spiels zwischen Franzosen und Iren erneut ermittelt werden könnte, steht der Sünder zweifelsfrei fest. Ein Ministerpräsident putzte Spieler-Schuhe und Freude schlug leider auch in Gewalt um. Mit Video.
Den sportlichen Reiz von Relegationsspielen haben die Partien um die letzten Tickets zur
Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika unter Beweis gestellt. Zumindest in einem Fall, scheint das letzte Wort jedoch noch nicht gesprochen: Die Iren wollen noch mal spielen. Der Sieger im afrikanischen Entscheidungsspiel steht fest, doch Ägypter und Algerier lieferten sich leider nicht nur auf dem Fußball-Platz einen harten Kampf. Wie der Fußball die Menschen näher bringen kann, zeigt der überraschende Erfolg Sloweniens.
Frankreich Irland 1:1 (Hinspiel 1:0)Nach dem schmeichelhaften Remis der Franzosen gegen Irland in der WM-Relegation wurde die
Facebook-Seite von Thierry Henry von tausenden irischen und französischen Fans mit wütenden Kommentaren attackiert. Was war passiert? Im Pariser Stade de France lief die Verlängerung, nachdem die Iren durch Robbie Keane in der 32. Minute das Hinspielergebnis egalisiert hatten. In der 103. Minute erreichte Stürmer Henry ein Pass im irischen Strafraum, den er nicht kontrollieren konnte. Mit Hilfe seiner Hand landete der Ball dann aber doch butterweich auf seinem Fuß, und von dort auf dem Kopf des freistehenden William Gallas.
Der Verteidiger von Arsenal London hatte keine Mühe, aus einem Meter das leere Tor zu treffen. Der zuerst vielumjubelte Treffer beschämt nun die Franzosen, lässt die Iren an der Glaubwürdigkeit des Fußballs zweifeln und könnte im besten Wortsinn ein Nachspiel haben. Genau das fordert nämlich der irische
Fußball-Verband FAI von der
Fifa. «Der irische Fußball-Verband hofft, dass die Fifa und ihr Disziplinar-Ausschuss im Sinne der Fußball-Fans in aller Welt genauso reagieren werden, so dass die Standards des Fairplays und die Integrität beschützt werden», nimmt die FAI Bezug auf ein früheres Urteil des Weltverbandes.
Das WM-Qualifikationsspiel zwischen Usbekistan und Bahrain war wegen einer schwerwiegenden Fehlentscheidung des Schiedsrichters annulliert und neu angesetzt worden. In der Partie war beim verwandelten Elfmeter eines Usbeken ein Mitspieler zu früh in den Strafraum gelaufen. Statt den Strafstoß wiederholen zu lassen, gab der Referee Freistoß für Bahrain. Dennoch werden der offiziellen FAI-Beschwerde, die am Donnerstag bei der Fifa einging, nicht allzu viele Erfolgschancen zugerechnet.
Unstrittig hingegen ist das Handspiel von Thierry Henry. «Um ehrlich zu sein, es war eins», gab der Spieler vom FC Barcelona zu. «Darauf kann man nicht stolz sein», war am Donnerstag dann auch im
Le Figaro zu lesen. Und in einer Umfrage von
Le Monde waren 89 Prozent von 38.000 Lesern der Meinung, dass Frankreich die WM-Qualifikation nicht verdient hätte. Um die Gefühlswelt der Iren ist es noch ein wenig schlechter bestellt. «Wir sind angewidert! Sie wollten uns nicht bei der WM», meinte Stürmer Robbie Keane. Nationaltrainer Giovanni Trapattoni malte schwarz: «Der Fußball verliert seine Glaubwürdigkeit. Man kann Kindern in der Schule nichts mehr von Fairplay erzählen.»
Algerien Ägypten 1:0Das Entscheidungsspiel zwischen den beiden tor- punktgleichen Gruppengegnern aus der afrikanischen WM-Qualifikation fand auf neutralem Boden im Sudan statt. Die Bilder des letzten Aufeinandertreffens vor wenigen Tagen in Kairo ließen auch keine andere Entscheidung zu. Fußballfans und Medien beider arabischer Staaten hatten sich an den Vortagen gegenseitig mit Beleidigungen hochgeschaukelt, bis Hooligans Ägypter in Algerien attackierten und ägyptische Fans den Bus der Algerier auf dem Weg zum Stadion in der Vorwoche mit Steinen bewarfen. Einige algerische Spieler kamen blutüberströmt dort an.
Nach dem Sieg Algeriens kannte der Jubel im Land des Siegers keine Grenzen mehr. «Das erinnert mich an die Unabhängigkeit Algeriens, als genauso viele Menschen und Fahnen zu sehen waren», war eine Frau in Ben Aknoun bei Algier überwältigt. Doch auch die Freude über die dritte WM-Endrunde nach 1982 und 1986 schlug wieder in Gewalt um. Vor allem in sozialen Brennpunkten in Frankreich kam es zu Ausschreitungen. Während in den Algerier-Gaststätten bis tief in die Nacht gefeiert wurde, gingen dort mehr als 330 Autos in Flammen auf. 140 Randalierer wurden nach Informationen des Senders
Europe-1 bei Zusammenstößen mit der Polizei festgenommen. Auch auf den Champs-Élysées, wo 12.000 Menschen feierten, kam es zu einem Polizeieinsatz, nachdem mehrere Jugendliche Steine auf die Beamten geworfen hatten. Dabei gingen mehrere Schaufenster zu Bruch, ein Geschäft wurde geplündert.
Slowenien Russland 1:0 (1:2)Eine schönere Geschichte schreibt dagegen die zweite Qualifikation Sloweniens zu einer WM-Endrunde. Während niemand weiß, wie es bei der Sbornaja und deren Trainer Guus Hiddink weitergeht, feierten die Slowenen «ein Happy-End mit Hollywood-Charakter». Und so sah es nicht nur Nationatrainer Matjaz Kek. Staats-Präsident Danilo Türk ließ nach dem Abpfiff Champagner-Korken knallen, der Ministerpräsident Borut Pahor löste ein besonderes Versprechen ein. Der 46-jährige Politiker putzte den Nationalspielern persönlich die Fußball-Schuhe.
(nz/dpa)