DFB-Länderspiel gegen die Elfenbeinküste:
Ein Versuch, Fußball zu spielen
18.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Ein Versuch, Fußball zu spielen
Die Trauer um Robert Enke wird auch das heutige Spiel des deutschen Nationalteams gegen die Elfenbeinküste bestimmen. In der sportlich wertlosen Partie kann die DFB-Elf als Mannschaft gewinnen, hofft Alexander Ludewig .
Auch der Gegner versucht, der Situation gerecht zu werden. Die Spieler der Elfenbeinküste, heutiger Konkurrent des
DFB-Teams (20.45 Uhr/ARD), werden zur Erwärmung in Trikots mit dem Namenszug von
Robert Enke auflaufen. Und der ivorische Nationaltrainer Vahid Halilhodzic ist sich der «besonderen Atmosphäre auf dem Platz und den Tribünen bewusst». Doch während die Partie gegen Deutschland für die Gäste laut Arthur Boka «wie ein WM-Finale» ist, kann sie für die deutschen Nationalspieler nur ein Versuch sein, wieder Fußball zu spielen.
Vor dem 825. Länderspiel der DFB-Geschichte erinnert alles an die Tragödie des Robert Enke. Auf dem Stadionheft ist ein Schwarz-Weiß-Foto des verstorbenen Torhüters zu sehen, auf der Videowand in der
Arena AufSchalke wird vor dem Anpfiff ein Film mit Szenen aus Enkes Fußballer-Leben laufen, sein Trikot liegt auf der Ersatzbank liegt inmitten der Spieler und die neuen WM-Trikots der DFB-Elf sind mit einem Trauerflor versehen. Der Anstoß nach der Schweigeminute soll dann aber «auch wieder ein Anstoß in den Fußball-Alltag» bedeuten, formuliert Teammanager Oliver Bierhoff seine Hoffnung vorsichtig.
Tief getroffenPhilipp Lahm, der für den verletzten Michael Ballack die Kapitänsbinde tragen wird, weiß jedoch nicht, ob und wie gut es gelingen wird: «Es wird schwer, nach der Schweigeminute sofort umzuschalten.» Wer noch die Bilder der bewegenden Trauerfeier für Robert Enke vor Augen hat, ahnt, wie tief die Spieler der Selbstmord ihres Kollegen getroffen hat. Im heute veröffentlichten
Abschiedsbrief der Nationalmannschaft stellen sie sich die «quälende Frage nach dem Warum» und sprechen von Fassungs- und Hilflosigkeit.
In solch einem Zustand ist die Rückkehr zum Vertrauten, zu dem was man am besten kann, ein möglicher Weg, das Geschehene persönlich besser zu verarbeiten. Dem Deutschen Fußball-Bund und den Verantwortlichen der Nationalmannschaft ist dabei ein großes Lob auszusprechen. Mit der Ankündigung, dass «unsere WM-Vorbereitung im März gegen Argentinien beginnt», nahm Bundestrainer Joachim Löw jeglichen Druck von den Spielern. Und damit, dass in der Partie gegen die Elfenbeinküste «jeder Spieler für sich eine eigene Motivation finden» kann, setzte Oliver Bierhoff alle sonst üblichen Maßstäbe außer Kraft.
Auch wenn der Vergleich mit den Ivorern kaum einen sportlichen Wert haben dürfte, ist die Partie dennoch eine besondere und wichtige in der Länderspielgeschichte des DFB. Sie bietet sogar die Chance, dass die DFB-Elf auch ohne überragende Leistung gewinnt – als Mannschaft. «Es ist für uns alle ein schmerzhafter Gedanke, dass Du Dich einsam und allein gefühlt haben musst, auch wenn Du mit uns zusammen warst», heißt es im Abschiedsbrief für Robert Enke. Die kollektive Trauerarbeit nach der tragischen Erfahrung und das erste gemeinsame Auflaufen auf den Fußballplatz kann sie enger zusammenrücken lassen und einen Teamgeist neuer Qualität bringen.
Die voraussichtlichen AufstellungenDeutschland: Wiese (Werder Bremen/28 Jahre/1 Länderspiel) - Boateng (Hamburger SV/21/1), Mertesacker (Hannover 96/25/58), Westermann (FC Schalke 04/26/16), Lahm (Bayern München/26/62) - Hitzlsperger (VfB Stuttgart/27/50), Gentner (VfL Wolfsburg/24/4) - Schweinsteiger (Bayern München/Bayern München/25/71), Özil (Werder Bremen/21/6), Podolski (1. FC Köln/24/68) - Kießling (Bayer Leverkusen/25/2).
Elfenbeinküste: Zogbo (Maccabi Netanja/27/4) - Eboué (FC Arsenal London/26/36), Demel (Hamburger SV/28/20), Kolo Touré (Manchester City/28/74), Boka (VfB Stuttgart/26/54) - Yaya Touré (FC Barcelona/26/44), Zokora (FC Sevilla/28/79), Kouassi (OSC Lille/22/8) - Keita (Galatasaray Istanbul/28/47), Kalou (FC Chelsea London/24/22), Dindane (FC Portsmouth/28/48).