Krise und Machtkampf bei Real Madrid:
«Atmosphäre wie bei einer Party in Alaska»
19.11.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Ganz anders Calderón: Er hatte den Fans den Brasilianer Kaká versprochen und wollte den Portugiesen Cristiano Ronaldo an Land ziehen, erlebte auf dem Transfermarkt aber fast nur Reinfälle. Heute spielt für Real kein einziger Weltstar mehr. Der Real-Boss fürchtet den Vorgänger wie den Leibhaftigen. Für ihn steht fest, dass Pérez das Foto mit Absicht lanciert hat, weil der steinreiche Bauunternehmer an die Vereinsspitze zurückkehren und ihm den Posten streitig machen will.
Neben der sportlichen Krise und den Spekulationen um einen Hinauswurf von Trainer Bernd Schuster ist bei den «Königlichen» nun auch ein Machtkampf ausgebrochen. «Es herrscht Krieg», titelte das Sportblatt «Marca» am Mittwoch. Calderón geriet über das Foto so in Wallung, dass er sich förmlich in Rage redete. Unter Anspielung auf den - vom Vorgänger verpflichteten - Italiener Antonio Cassano sagte er: «Pérez sollte sich mal neben einem Spieler ablichten lassen, der aus Madrid vier Milliarden Pesetas (24 Millionen Euro) mitnahm und der hier die Geburtenrate gesteigert und die Prostitution belebt hat.» Damit spielte Calderón auf eine kürzlich erschienene Biografie des Stürmers an, in der der heutige Profi von Sampdoria Genua damit prahlte, mit 600 oder 700 Frauen geschlafen zu haben.
«Bei Real herrscht eine so eisige Atmosphäre wie bei einer Open-Air-Party in Alaska», schrieb die Zeitung «El Mundo». «Schuster weiß, dass ein Teil des Kaders ihm den Rücken zugekehrt hat. Sein Schicksal ist besiegelt.» Sportdirektor Pedja Mijatovic hatte dem Trainer am Montag das Vertrauen ausgesprochen, allerdings nur bis zum nächsten Spiel am Samstag gegen Recreativo de Huelva. (Hubert Kahl, dpa)

