DHB-Team nach Nervenspiel im Finale
Mit einer neuerlichen Energieleistung kämpfte der WM-Gastgeber die Franzosen nieder, die schon in der Hauptrunde mit 26:29 das Nachsehen gehabt hatten. In der Revanche für das Halbfinale bei der EM 2002 fehlte der deutschen Mannschaft vor allem in der zweiten Halbzeit lange die nötige Treffsicherheit. Doch der Gegner konnte diese Schwäche nicht nutzen. Fünf Sekunden vor dem Ende gaben sie den Sieg aus der Hand, als der nervenstarke Lemgoer Kapitän Markus Baur den glücklichen Ausgleich markierte und die Verlängerung buchte. «Die Schiedsrichter haben uns den Sieg versagt», schimpfte der Magdeburger Bundesliga-Legionär Joel Abati.
Vor den Augen von Bundespräsident Horst Köhler in der abermals mit 19 000 enthusiastischen Zuschauern ausverkauften Kölnarena stand die Partie auch in der Nachspielzeit auf des Messers Schneide. «Wir gewinnen mit einem Tor Unterschied», hatte Köhler zwar schon in der Halbzeit «gewusst». Doch erst dank Baur und des überragend haltenden Fritz hatte der Handball-Krimi sein Happy End.
Mit La-Ola-Wellen und minutenlangen Ovationen feierten die Zuschauer ihre WM-Helden, die sich erschöpft in den Armen lagen. «Finale - Finale» hallte es im Kölner Karneval durch die Arena. Beste Werfer der deutschen Mannschaft waren Baur (5/4) und der Nordhorner Holger Glandorf (5) sowie der Hamburger Pascal Hens und der Lemgoer Florian Kehrmann (beide 4). Der Gummersbacher Bundesliga-Legionär Daniel Narcisse (8) sowie der Kieler Nikola Karabatic und Abati (beide 6) trafen für Frankreich am besten.
Nach seinen zuletzt überzeugenden Auftritten erhielt erneut der Göppinger Shooting-Star Michael Kraus den Vorzug auf der Spielmacher- Position. Verzichten musste Brand auf Sebastian Preiß. Der Kreisläufer aus Lemgo fiel wegen einer Oberschenkelblessur aus. Für ihn rückte der bullige Andrej Klimowets aus Kronau/Östringen in die Mannschaft des Deutschen Handballbundes (DHB).
Schon in den Anfangsminuten peitschten die Fans ihr Team mit Sprechchören und Gesängen nach vorn. Allerdings ließ im Vergleich zum Hauptrunden-Sieg die Wurfeffektivität zu wünschen übrig. So schwand der frühe Vorsprung schnell. Vor allem Karabatic traf ein ums andere Mal. Doch als Baur am Ende der ersten Halbzeit Kraus ersetzte, kam Ordnung ins mitunter hektische deutsche Spiel.
Das Hin und Her setzte sich im Tollhaus am Rhein auch in der Verlängerung fort. In den ersten fünf Minuten gelang es keiner der beiden Mannschaften einen Vorteil heraus zu holen. 27:27 stand es nach der ersten Sonderschicht - und das Zittern ging weiter. Im zweiten Durchgang änderte sich nichts. Nur das glücklichere Ende hatte dank Kapitän Baur und Teufelskerl Fritz das deutsche Team. (nz)
