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DHB-Auswahl kämpft Spanien nieder
30. Jan 2007 18:59, ergänzt 22:11

Oliver Roggisch (l.) und Christian Schwarzer in der Abwehr.
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Foto: dpa
Die deutschen Handballer haben bei der WM mit einem Sieg über Weltmeister Spanien das Halbfinale erreicht. Die Spieler von Bundestrainer Brand wussten nach dem Spiel genau, bei wem sie sich zu bedanken hatten.
 
Wie im Rausch haben die deutschen Handballer Weltmeister Spanien entzaubert und sind nur noch zwei Siege vom erträumten Gold entfernt. Im Viertelfinale seiner Heim-WM erkämpfte sich der EM-Fünfte am Dienstag in Köln einen überraschenden 27:25 (15:12)-Erfolg gegen den Titelverteidiger. In dem an Spannung kaum zu überbietendem Krimi verzückte der Gastgeber die 19.025 Zuschauer in der ausverkauften Kölnarena mit großer Moral und emotionaler Stärke. Nächster Gegner ist am Donnerstag an gleicher Stelle das Team aus Frankreich, das Kroatien 21:18 besiegte.

Kulisse hilft

Mehr in der Netzeitung:
«Da konnte man vor zwei Wochen noch nicht von ausgehen. Ich habe Grund zur Freude», sagte Bundestrainer Heiner Brand. Die Mannschaft wolle sehr viel erreichen, «und diese Kulisse hilft natürlich in Phasen der Müdigkeit», lobte er die mehr als 19.000 tobenden Zuschauer. Auch Oliver Roggisch genoss die Stimmung in Köln: «Ich habe so eine Handball-Kulisse noch nie erlebt. Das ist einfach phänomenal». Christian Schwarzer hatte «nie das Gefühl», noch verlieren zu können, verriet er später. «Ich freue mich über jede Minute, die ich hier dabei sein darf.»

Im Hexenkessel am Rhein avancierte einmal mehr Torhüter Henning Fritz mit Glanzparaden zum Spanien-Schreck. Bester Werfer im deutschen Team waren der Hamburger Torsten Jansen (6/4) und der Nordhorner Holger Glandorf (5).

Die Hoffnung von Kapitän Markus Baur auf ein Mitwirken im ersten K.o.-Spiel zerstob bei einem Belastungstest noch vor dem Aufwärmtraining. Wegen einer Wadenzerrung, die er beim Hauptrundensieg gegen Europameister Frankreich erlitten hatte, musste der Lemgoer erstmals in einem Viertelfinale gegen die Iberer passen und drückte seinen Teamkollegen auf der Bank die Daumen. Für Baur kam Michael Haaß (Kronau/Östringen) als zweiter Mittelmann neben dem Göppinger Shooting-Star Michael Kraus zum Einsatz.

Rogge und Köhler in der Halle

Zum Viertelfinal-Klassiker hatten sich zahlreiche Prominente in Köln eingefunden. Neben Schirmherr Bundespräsident Horst Köhler verfolgten IOC-Präsident Jacques Rogge und sein deutscher Vize- Präsident Thomas Bach das Spiel auf der Ehrentribüne.

Gemeinsam mit den weiteren tausenden Fans sahen sie einen furiosen Start der deutschen Mannschaft. Nach der schnellen 3:1-Führung (4.) ließ sich der Gastgeber auch nicht vom 3:3-Ausgleich stoppen. Vielmehr erkämpfte sich das Team um Ersatz-Kapitän Florian Kehrmann beim 6:3 (12.) wieder einen Drei-Tore-Vorsprung.

Zu großer Form lief wieder Henning Fritz auf. Der Spanien-Schreck, der zuletzt im Athener Olympia-Viertelfinale mit vier vereitelten Strafwürfen im Siebenmeterwerfen fast im Alleingang den Halbfinaleinzug perfekt gemacht hatte, hielt in brenzligen Situationen zwei Siebenmeter. Zudem entschärfte der Kieler in Weltklasse-Manier zahlreich Würfe und erntete dafür immer wieder Szenenapplaus.

Auch ohne den Lemgoer Kreisläufer Sebastian Preiß, der nach 13 Minuten zwischenzeitlich wegen einer Oberschenkelblessur vom Feld ging, stand die vom Magdeburger Oliver Roggisch organisierte Abwehr wie in den Spielen zuvor wie eine Wand. Damit kompensierte die deutsche Mannschaft die im Vergleich zu den Partien gegen Frankreich und Island schwächere Angriffseffektivität. Der Gastgeber demonstrierte in jeder Minute der ersten Halbzeit seinen Siegeswillen und hatte selbst nach dem 10:9 (21.) immer die passenden Antworten parat.

Hohe Pausenführung

Neben Moral ließ die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) auch Spielwitz aufblitzen. Kraus als kreativer Kopf der Mannschaft setzte seine Nebenleute immer wieder intelligent in Szene und strahlte Torgefahr aus. Dadurch erspielte sich der Hausherr eine 15:12-Pausenführung.

Mit Preiß kam der Gastgeber aufs Parkett zurück und erhöhte durch einen verwandelten Siebenmeter zum 16:12-Vorteil (32.). Immer wieder animierten die deutschen Ersatzspieler mit Gesten die Anhänger in der proppenvollen Arena zu mehr Unterstützung. Beflügelt von der Anfeuerung ließen sie den Weltmeister nicht zur Entfaltung kommen. Lediglich Kraftpaket Rolando Urios bereitete der Abwehr unentwegt Sorgen und war am Kreis nicht in den Griff zu bekommen. Doch mit Riesenmoral hielt der Gastgeber dagegen. (nz)





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