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Brand: «Spieler sind zu brav»
24. Jan 2007 09:45, ergänzt 12:52

Heiner Brand steht Rede und Antwort
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Foto: dpa
Vor Beginn der Hauptrunde bei der Handball-WM spricht Heiner Brand im Interview über die Fehler der ersten Spiele, das Potenzial seines Teams und die bisherigen Überraschungen des Turniers. Und der Bundestrainer verrät, weshalb die Deutschen noch zu brav spielen.
 
Die Handball-Weltmeisterschaft wird noch spannender. Heute startet das Team des Deutschen Handball-Bundes mit dem Spiel gegen Slowenien in Halle/Westfalen in die Hauptrunde (17.30 Uhr). Mit dem Auftritt seines jungen Ensembles in der Vorrunde des Turniers ist Bundestrainer Heiner Brand nicht zufrieden gewesen.

Letztlich ungefährdete Siege gegen Brasilien und Argentinien trugen die Mannschaft des DHB dennoch sicher in die nächste Runde, wo sich Brands Männer neben den Slowenen mit den Mannschaften aus Tunesien, Island und Frankreich messen müssen. Die Niederlage gegen starke Polen, die als Erster der Gruppe C ebenfalls mit den Deutschen in der Hauptrunde stehen, tat dem Bundestrainer dennoch weh.

Im Interview spricht Brand über die Fehler der Vorrunde, seinen Optimismus und einen berühmten Rückkehrer.

«Kein Grund, den Kopf hängen zu lassen»

Mehr in der Netzeitung:
Frage: Herr Brand, wie haben Sie nach der Niederlage gegen die polnische Mannschaft am Montag geschlafen?

Heiner Brand: Ganz schlecht. Am Montag war sicher keine Hochstimmung. Aber das ist auch normal. Mittlerweile ist die Stimmung wieder eine ganz andere. Nach dem Videostudium blickt die Mannschaft etwas optimistischer nach vorne. Und es besteht trotz der Enttäuschung auch kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Wir haben noch vier Spiele und können selbst bestimmen, was wir aus der Situation machen.

Frage: Was waren die Gründe für die Niederlage gegen das polnische Team?

Brand: Das Spiel ist im Angriff verloren worden, weil wir einfach keine Geduld hatten im Aufbauspiel. Wir haben nicht genug gearbeitet für ein Tor. Die Mannschaft hat sich davon per Video selbst überzeugt und war etwas erstaunt darüber, wie sie gespielt hat. Auch in der Abwehr waren wir zu zurückhaltend. Ich denke, das waren die zentralen Punkte: Mangelnde Chancenverwertung, Ungeduld im Angriff, und in der Abwehr – gerade bei Kreuzbewegungen – eine gewisse Schwäche.

Von der kämpferischen Einstellung kann ich der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Die Polen sind sicher etwas rücksichtsloser aufgetreten. Sie waren insgesamt sicherlich frecher. Unsere Spieler waren etwas zu brav. Aber das ist nun mal ein Merkmal dieser Mannschaft. Es ist sicherlich eine sehr anständige Mannschaft. (lacht)

Chancenverwertung mangelhaft

Frage: Heute beginnt gegen das Team aus Slowenien die Hauptrunde. Wo muss Ihre Mannschaft sich verbessern?

Brand: Die größten Steigerungsmöglichkeiten haben wir sicherlich im Angriff, wo wir bisher nicht zufrieden stellend gespielt haben. Wir haben den Abschluss zu früh gesucht, uns zu wenig bewegt und auch nicht die Zweikämpfe gesucht im entscheidenden Augenblick. Außerdem war die Chanceverwertung mangelhaft. Aber auch in allen anderen Bereichen müssen wir uns steigern, angefangen vom Tempogegenstoß über die Abwehr und die Torwartleistung. Auch da müssen wir erheblich zulegen.

Frage: Sind Sie zuversichtlich dass das gelingen wird?

Brand: Ich habe schon darauf hingewiesen, dass einige eine sehr lange Pause hinter sich haben: Pascal Hens, Preiß, Klimovets haben neun Tage vor der WM nicht trainiert. Wie lange hat Florian Kehrmann nicht gespielt? Sieben, acht Wochen. Klar, dass bei diesen Spielern noch Steigerungsmöglichkeiten da sind, aber auch bei den anderen. Die Steigerung wird sich dann ergeben, wenn wir so spielen, wie wir uns das vorstellen. Wenn wir besser spielen, wird auch jeder einzelne besser.

«Keine besonderen Dinge»

Frage: Wie sehr schmerzt es Sie, dass Oleg Velyky, anders als geplant, in der Hauptrunde nicht dabei sein kann?

Brand: Wir haben heute Morgen ein Gespräch gehabt. Für die Hauptrunde macht es mit Oleg keinen Sinn. Falls wir weiterkommen, müssen wir sehen, ob er dann soweit ist. Natürlich schmerzt das sehr. Wir haben vor der Weltmeisterschaft gesagt, dass wir jeden Spieler brauchen, und Oleg Velyky ist ein Ausnahmekönner. Aber man muss es eben akzeptieren. So wie wir die Verletzung von Andrej Klimovets akzeptieren müssen.

Frage: Für Kreisläufer Klimovets haben Sie Christian Schwarzer ins Nationalteam zurückgeholt. Was kann Schwarzer bewirken, er hat 2004 nach Olympia seine internationale Karriere beendet?

Brand: Man sollte keine besonderen Dinge von ihm erwarten. Christian Schwarzer ist ein Teil der Mannschaft, der uns helfen soll in einer Situation, in der Andrej Klimovets fehlt. Ich kann nicht von einem Spieler, der zweieinhalb Jahre nicht mit der Nationalmannschaft trainiert hat, verlangen, dass er kommt und Deutschland rettet. Er soll seinen Beitrag zum Mannschaftsspiel leisten, und wer ihn kennt, weiß, dass er das hundertprozentig macht, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln. Er hat schon wieder seine Stimme erhoben, was mich sehr gefreut hat. Zu ihm werden sicherlich einige junge Spieler aufschauen und das als bare Münze nehmen.

Jugoslawische Schule

Frage: Was wissen Sie über den ersten Hauptrundengegner Slowenien?

Brand: Die Slowenen sind immer sehr gut ausgebildete Handballer, wie alle Handballer aus der ehemaligen jugoslawischen Schule. Sie haben einige überragende Spieler in ihren Reihen. Rutenka ist wieder dabei, der sicherlich einer der besten Handballer der Welt ist. Man muss schon Respekt vor Ihnen haben. Aber wir sind sicherlich in der Lage, wenn wir uns steigern, diese Mannschaften zu schlagen.

Frage: Die Slowenen haben in ihrer Gruppe Tunesien geschlagen, immerhin Vierter der WM 2005. Eine Überraschung?

Brand: Die Tunesier waren oder sind einer meiner Geheimfavoriten im Turnier, und deswegen habe ich eigentlich gedacht, dass sie auch dieses Spiel gewinnen. Aber es gab ja bereits einige Überraschungen bei dieser WM. Aber wir sollten uns aber nicht an den Ergebnissen der anderen orientieren. Wir haben selbst noch viele Möglichkeiten in der Hand. Es muss unser Bestreben sein, dass wir besser werden und selbst unsere Lage bestimmen.

Schritt nach oben

Frage: Weckt Slowenien die Erinnerung an die Europameisterschaft 2004, bei der man sie im Endspiel bezwungen hat.

Brand: Sicherlich ist irgendwo schon die Erinnerung an 2004 gekommen, als wir das erste Spiel verloren haben und im dritten Spiel unentschieden gespielt haben und doch noch relativ souverän Europameister geworden sind. Diese Erinnerungen sind schon da, und die Spieler, die das erlebt haben, werden das auch den anderen mitgeteilt haben.

Frage: Kann sich daran auch Pascal Hens aufrichten, der bisher etwas unglücklich agiert hat. Er war 2004 ja mit dabei.

Brand: Ich denke, wir müssen uns als Mannschaft daran aufrichten. Wir haben noch erhebliche Steigerungsmöglichkeiten. Jeder weiß, dass er besser werden kann, wenn wir als Mannschaft gerade im Angriff besser funktionieren. Dann werden alle einen Schritt nach oben machen.

Die Fragen an Heiner Brand wurden aufgezeichnet von Marc Ellerich





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