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Schwarzer will kein Heilsbringer sein
23. Jan 2007 12:39, ergänzt 13:20

Christian Schwarzer
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Foto: dpa
Als Christian Schwarzer seine Länderspiel- Karriere begann, gab es die DDR noch. Jetzt ist der Kreisläufer aus Lemgo noch einmal zurückgekehrt - um der Mannschaft von Heiner Brand aus der Bredouille zu helfen.
 
Von Marc Ellerich, Halle

Einer der Vorzüge einer langen Sportkarriere ist es, dass man vieles schon einmal erlebt hat. Der Handball-Spieler Christian Schwarzer hat mehr als 300 Handball-Länderspiele absolviert, sein erstes am 21. November 1989 gegen die DDR. Man muss sich das vorstellen: Als Schwarzer anfing für Deutschland Handball zu spielen gab es den zweiten deutschen Staat noch. So lange ist das her. Wer, wenn nicht Schwarzer, weiß, wie sich Siege anfühlen oder wie ist zu verlieren. Beides könnte noch wichtig werden bei dieser Handball-Weltmeisterschaft.

Kreisläufer seit Menschengedenken

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  • Nach dem Finale der Olympischen Spiele in Athen 2004 hatte Schwarzer seine Karriere in der deutschen Handball-Auswahl eigentlich beendet. Er fühlte sich am Ende eines langen Weges angekommen, der ihn zu vielen Titeln geführt hatte: Europameister war er, er gewann in Athen die Silbermedaille, und mit Barcelona, das ist schon etwas her, die Champions League. In diesem Jahr wird Schwarzer, 1,96 Meter groß und 100 Kilo schwer, 38 Jahre alt. Beim Bundesligisten TBV Lemgo spielt er noch auf seiner Position, Schwarzer ist und war seit Menschengedenken Kreisläufer. Aber international, das war, wie gesagt, eigentlich vorbei.

    Doch jetzt ist Christian Schwarzer zurückgekehrt. Ins Team, nicht zur WM, die dieser Tage in Deutschland stattfindet. Dort arbeitete er bereits als Kommentator für einen Fernsehsender. Aber weil sich Andrej Klimowets an der Wade verletzt hat, rief ihn Bundestrainer Heiner Brand an. Weil sonst niemanden hätte anrufen können und weil er Schwarzer vertraut. Seine Rückkehr ins Dress des Deutschen Handball-Bunds nahm keinen guten Anfang. Die Deutschen verloren am gestrigen Montag ihr letztes Vorrundenspiel mit 25:27 gegen Polen.

    «Halbwegs geglückt»

    Schwarzer, der sich nach eigenem Bekunden im Urlaub fit gehalten hatte für einen möglichen Einsatz, fiel nicht weiter auf bei seinem Comeback. Er wurde zweimal gefoult in dem hitzigen Spiel gegen den östlichen Nachbarn, es gab Siebenmeter, aber das war es dann auch, mehr ist im Spielbericht nicht über ihn verzeichnet. Einem Journalisten fiel die Rückennummer 41 auf und Schwarzer berichtete von einem Besuch bei Dirk Nowitzki. Er schätzt den Basketballprofi von den Dallas Mavericks sehr. «Deshalb habe ich gedacht, zum Gedenken an ihn trag ich mal die 41. Weil er die auch trägt.»

    Seinen Kollegen schätzen Schwarzer, sie begrüßten ihn mit warmen Worten. «Die Ruhe, die Erfahrung, die er ausstrahlt, das ist es alleine wert, dass er da ist», sagte Linksaußen Torsten Jansen und glaubt: «Er kann uns helfen, auf dem Spielfeld wie auf der Bank.» «Ein Sportsmann durch und durch», nennt ihn Rechtsaußen Florian Kehrmann. Und Kapitän Markus Baur, wie Schwarzer einer aus der «Goldenen Generation» der deutschen Handballspieler, traut dem Vereinskollegen aus Lemgo ohnehin viel zu: «Wir sind froh, dass er gekommen ist.»

    Schwarzer selbst wollte die ersten Minuten seines Comebacks nicht überbewerten. «Halbwegs geglückt» nannte er seinen ersten Einsatz fürs DHB-Team. «Aber ich kann natürlich nicht sagen, dass ich mich gleich in die Mannschaft eingefunden haben ohne Training.» Überhaupt: «Es ist nicht so, dass ich der Heilsbringer bin.»

    Mahnung zu Geduld

    Aber vielleicht tun ja seine beruhigenden Worte ihre Wirkung, in einem jungen Team, das in hektischen Phasen manchmal den Kopf verliert. Es müsse mehr Ruhe im deutschen Spiel einkehren, bemerkte Schwarzer, nachdem er das Spiel seiner Kollegen zunächst als TV-Kommentator und dann auf dem Feld erlebt hatte. «Wir müssen lernen, nicht gleich die erste Chance zu nutzen», befand Schwarzer also, «sondern den Ball auch mal weiterzuspielen». Dieses juvenile «Ich möchte jetzt alles auf einmal und zwar ganz schnell» müsse aus dem deutschen Spiel verschwinden, sagte der Rückkehrer und mahnt nochmals zur Geduld: «Die Mannschaft kann eigentlich alles. Sie muss es nur umsetzen.»

    Für das Fortkommen bei der WM sei der angemahnte Lerneffekt entscheidend, abschreiben will Schwarzer das Turnier nach der ersten Niederlage aber noch lange nicht. «Der Modus lässt zu, dass wir auch mal verlieren», glaubt der Kreisläufer: «Es ist doch noch gar nichts passiert» Vier Siege und die Kollegen hätten das angestrebte Viertelfinale vor Augen. Er weiß, wie so etwas gehen kann in einem Turnier. Er hat es schließlich selbst erlebt. Im Jahr 2004 war das. Als er Europameister wurde.





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