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Franzosen fordern isländische Mentalität
23. Jan 2007 11:29

Kein Durchkommen: Frankreichs Nikola Karabatic (l.) im Spiel gegen Island
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Foto: dpa
Im Schockzustand haben die französischen Handballer die Platte nach der Niederlage gegen Island verlassen. Doch der Europameister scheint gestärkt: «Ihren nächsten Gegner beneide ich nicht», sagte der isländische Coach.
 
Von Frank Kastner

Von Island gedemütigt hat Handball-Europameister Frankreich seinen Weltmeisterschafts-Alptraum erlebt. «Wir sind vom Gegner in den ersten zehn Minuten K.o. gehauen worden, und sie haben uns nicht wieder aufstehen lassen», sagte «Les Bleus»-Coach Claude Onesta nach der 24:32-Schmach, die zugleich den sicher geglaubten Gruppensieg bei der Handball-Weltmeisterschaft kostete.

Frankreichs Spieler sprachlos

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  • Kein Spieler des Topfavoriten verlor nach der peinlichen Darbietung auch nur ein Wort über das Debakel. Und so blieb es bei Onestas bitterer Analyse: «Island hat vom ersten Moment an eine Schlacht geschlagen. Großes Kompliment an Island und Coach Alfred Gislason».

    Der Gummersbacher Trainer hatte an früherer Wirkungsstätte in Magdeburg an die Ehre seiner Spieler appelliert. Ein Sieg musste her, sonst wäre den Nordländern der WM-Zug schon nach der Vorrunde davon gefahren. «Ein Satz reichte, dann war unsere isländische Mentalität wieder da», betonte der für Ademar Leon spielende frühere Magdeburger Sigfus Sigurdsson. Der Mindener Snorri Gundjonsson meinte: «Wichtig war, dass wir an uns geglaubt haben und wieder aufgestanden sind.»

    Frankreich fordert isländische Tugenden

    Trotz der «kalten Dusche» (L'Equipe) haben die Franzosen ihr Ziel, im Sechs-Jahres-Rhythmus nach 1995 und 2001 wieder den WM-Titel zu holen, nicht aus den Augen verloren. Und deshalb fordert Onesta vor dem ersten Hauptrundenspiel am Mittwoch in Dortmund gegen Deutschland-Bezwinger Polen die gleichen Tugenden, mit denen die Isländer den drohenden WM-Schiffbruch eindrucksvoll verhindert haben. «Unseren nächsten Gegner müssen wir genauso überrennen.»

    Doch erst einmal hat der Coach andere Sorgen, denn sicher ist er sich über die Qualitäten seiner Mannschaft nicht mehr: «Wir wollen nicht über andere Mannschaften nachdenken, unser Problem ist das eigene Team, das müssen wir erst mal ordnen.» Kollege Gislason macht dem ins Trudeln geratenen Europameister Mut und glaubt weiter an die Favoritenstellung der Franzosen. «Sie haben zum richtigen Zeitpunkt eine auf dem Kopf bekommen, ich beneide ihren nächsten Gegner nicht.»

    «Grausame 24 Stunden»

    Das Aus vor Augen sind die Isländer sogar ohne Minuspunkte in die Hauptrunde eingezogen und haben daheim eine Welle der Euphorie ausgelöst. «Wir haben nach dem verlorenen Ukraine-Spiel grausame 24 Stunden erlebt und hätten schwierige Zeiten durchmachen müssen, wenn wir ausgeschieden wären. Denn bekanntlich ist Handball bei uns Nationalsport. Doch nun ist alles wie im Traum», sagte Gislason. «Ich habe gemerkt, dass es knistert und gesagt: Schaut nicht auf die Anzeigetafel, holt einfach nur alles heraus.»

    Die glänzende Ausgangsposition des Geheimfavoriten hat laut Olafur Stefansson aber nicht viel zu sagen: «Wir spielen wie das isländische Wetter: mal wie Sonnenschein - mal wie Regen.» Der überragende Torhüter Birkir Gudmundsson vom TuS Lübbecke ist in der Prognose mutiger: «Wenn wir so weiter spielen, kann uns keine Mannschaft schlagen.» Und Torjäger Gudjon Valur Sigurdsson vom Rekordmeister VfL Gummersbach meint: «Alles nur Kopfsache». (dpa)





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