«Wir können etwas Großes erreichen»
16. Jan 2007 09:37
 |  Markus Baur | | Foto: dpa |
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Rechtzeitig zur Handball-WM ist Markus Baur wieder einsatzbereit. Netzeitung.de sprach mit dem deutschen Führungsspieler über Verletzungspech, Torwartprobleme - und einen möglichen Titelgewinn.
Er ist zweifelsohne der Kopf der Mannschaft. Markus Baur, Handballprofi des TBV Lemgo, soll mit seiner Erfahrung und seiner Übersicht das Spiel der Nationalmannschaft so gut lenken, dass die DHB-Auswahl als Gastgeber der am Freitag in Berlin beginnenden Weltmeisterschaft möglichst lange im Turnier bleibt.
Jubiläum im DHB-Trikot
Seitdem das Team von Heiner Brand am vergangenen Samstag in München gegen Ägypten spielte (29:30), weist die Statistik des 35-Jährigen exakt 200 Einsätze für den Deutschen Handballbund aus. Als Mittelmann ist der gebürtige Meersburger der Spielmacher des deutschen Angriffsspiels und gilt als Führungsspieler innerhalb der Mannschaft. Netzeitung.de stand Baur in einem ausführlichen Gespräch Rede und Antwort.Frage: Sieht ganz so aus, als ob Sie sich nach der Pause in den Ungarn-Spielen am Wochenende gegen Ägypten wieder gesund zurückgemeldet hätten. Baur: Die Pause gegen Ungarn war doch nur eine reine Vorsichtsmaßnahme, da ich eine Zerrung noch nicht ganz auskuriert hatte. Ich bin seit Donnerstag wieder voll im Mannschaftstraining. Und das ohne Probleme. Frage: Für Trainer Heiner Brand bedeutet das eine deutliche Entlastung nach all den Hiobsbotschaften aus dem Handball-Lazarett. Baur: Ich denke schon. Außerdem haben wir am Wochenende zuvor mit fünf Daheimgebliebenen und zwei Trainern trotzdem ein komplettes Trainingsprogramm absolviert.
Fortschritte beim «Sorgenkind» Frage: Wie sieht der aktuelle Krankenstand des Teams denn aus?
Baur: Es entspannt sich. Torsten Jansen und ich sind gesund zurück. Bei den Kreisläufern Sebastian Preiß und Andrej Klimovets gilt es, die nächsten Tage abzuwarten. Unser Sorgenkind Oleg Velyky hat Riesenfortschritte gemacht und wird spätestens zur Hauptrunde zur Mannschaft stoßen. Und bei Holger Glandorf war die Pause wie bei mir eine Vorsichtsmaßnahme. Er stand ohne Unterbrechung im Mannschaftstraining. Ich gehe davon aus, dass wir bei der WM alle Mann an Bord haben werden. Frage: Allerdings wurde der Mannschaft in den vergangenen Wochen aufgrund der Krise von Henning Fritz ein Torwartproblem attestiert. Baur: Das hat sich ganz schnell erledigt. Allen war klar, dass Henning, sobald er bei uns ist, den Fokus auf die WM richtet und ganz rasch zu alter Form zurückfindet. Außerdem haben wir mit Johannes Bitter und Carsten Lichtlein zwei weitere großartige Keeper im Kader. Nein, wir haben definitiv kein Torwartproblem. Frage: Ist das Team also in der Lage, um den Titel mitzuspielen? Baur: Ich will es so sagen: Wir sind in der Lage, gegen jeden Gegner zu gewinnen, also sind wir auch in der Lage, etwas Großes zu erreichen. Wir müssen gut ins Turnier kommen, eine Konstanz entwickeln und im Viertelfinale unter lauter gleichstarken Teams bestehen.
«Gleichauf mit drei, vier anderen Teams» Frage: Wer sind denn Ihre Favoriten?
Baur: Ganz klar: Kroatien und Frankreich. Dahinter sehe ich Titelverteidiger Spanien. Und wiederum dahinter sehe ich unsere Mannschaft, allerdings gleichauf mit drei, vier anderen Teams.Frage: Am 22. Januar, also am Tag des letzten Vorrundenspiels gegen Polen, feiern Sie Geburtstag. Was steht denn auf dem Wunschzettel? Baur: Das letzte Vorrundenspiel könnte ja bereits das erste Hauptrundenspiel sein, da sehr wahrscheinlich beide Teams in die Hauptrunde einziehen und die Punkte mitgenommen werden. Doch davon abgesehen, ist so ein WM-Turnier kein Wunschkonzert. Ich hoffe, dass alle Mann an Bord sind, wir einen schönen Tag in toller Atmosphäre erleben werden. Dann kommt der Erfolg fast von allein. Frage: Als Spieler mit Führungsanspruch gelten Sie als verlängerter Arm des Bundestrainers. Baur: Das hängt mit der Entwicklung der Mannschaft in den vergangenen Jahren zusammen. Ich bin einer von den Spielern, die seit Heiner Brands Amtsantritt 1997 dabei sind. Möglicherweise ist diese Rolle auch logische Folge meiner Spielposition in der Angriffsmitte. Ich habe überhaupt kein Problem damit, der Mittler zwischen Trainer und Spielern zu sein. Im Gegenteil: Ich mache das richtig gern. Frage: Gilt das auch außerhalb des Spielfelds? Baur: Das müssen andere beurteilen. Ich versuche in erster Linie das umzusetzen, was wir zu unserer gemeinsamen Zielsetzung erklärt haben.
Persönliche Pläne zurückgestellt Frage: Eine WM in Deutschland könnte ein idealer Schlusspunkt unter Ihre internationale Karriere sein. Wie lange wollen Sie sich das Thema Nationalmannschaft noch antun?
Baur: Wieso antun? Mir macht die Nationalmannschaft riesig Spaß, deshalb mache ich mir keinerlei Gedanken über einen möglichen Rücktritt. Außerdem verfolgen wir hier mit der gesamten Mannschaft ein großes Ziel. Da müssen solche persönlichen Überlegungen ganz einfach hinten an stehen. Frage: Und im Verein? Ihr Vertrag beim TBV Lemgo läuft zum Saisonende aus. Baur: Das ist ebenfalls gegenwärtig kein Thema. Frage: Und was, wenn die deutsche Mannschaft tatsächlich Weltmeister werden sollte und damit für Peking qualifiziert wäre? Baur: Dann gehe ich davon aus, dass Heiner mich spätestens im Juni 2008 wieder zur Nationalmannschaft einlädt. Frage: Schon Gedanken über eine mögliche WM-Party gemacht? Baur: Daran haben wir noch keinen Gedanken verschwendet. Aber wenn wir gewinnen, wird Köln brennen. Das Gespräch führte Arnulf Beckmann
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