Alonso explodiert
Es passierte am Samstag nach der traditionellen McLaren-Fragerunde «Meet the Team». Alonso ließ seinen ganzen Frust bei spanischen Journalisten raus. Die Team-Verantwortlichen würden der deutschen und britischen Presse Informationen zu seinen Ungunsten liefern, behauptete Alonso. «Im Vorjahr hatten sie Probleme, ins dritte Qualifying zu kommen, und jetzt kämpfen sie um die Weltmeisterschaft», sagte er und glaubt, dass er den entscheidenden Anteil am Aufschwung hat. Die Wahrheit sei, «dass die Behandlung nicht sehr gut war», klagte Alonso.
Immer wieder deutet der 26-Jährige, der in der dubiosen Spionage- Affäre als Kronzeuge gegen das eigene Team aufgetreten war, an, dass er gegenüber seinem vier Jahre jüngeren Teamkollegen Lewis Hamilton benachteiligt werde. Die Ergebnisse sprechen eine andere Sprache. Vier Mal stand er ebenso wie WM-Spitzenreiter Hamilton auf dem obersten Podestplatz. In neun Rennen, darunter auch in Shanghai, wo Hamilton in der 31. Runde seinen Wagen im Kiesbett der Boxeneinfahrt abstellen musste, landete er vor seinem britischen Kollegen.
Und doch: Er werde nicht wie ein zweimaliger Champion behandelt - sondern «wie eine normale Person», reklamiert Alonso, dessen Wechsel von Renault zu McLaren-Mercedes bereits Ende 2005 verkündet und eine Jahr später vollzogen worden war, noch immer einen Sonderstatus. Heftig auch seine Vorwürfe gegen Teamchef Ron Dennis. Ihm riet Alonso manchmal lieber nichts zu sagen. «Es ist besser zu schweigen, als zu lügen. Das hätte er sich auch öfter zu Herzen nehmen sollen, dann würde es dem Team besser gehen.» Und damit noch nicht genug: «Viele Skandale, in die McLaren in diesem Jahr involviert war, hat er mit solchen Dingen ausgelöst.»
Er hoffe, dass er in Brasilien über das gesamte Wochenende eine gute Leistung zeigen könne, sagte Alonso auf der Pressekonferenz nach dem Rennen und spielte damit auf den aus seiner Sicht unerklärlichen Rückstand zu Hamilton im letzten Abschnitt der Qualifikation am Samstag an. Zuvor hatte er auch die Freispruch-Entscheidung für seinen Teamkollegen in der Brems-Affäre von Japan kritisiert. Er, so glaubt Alonso, wäre dafür bestraft worden. Sein Rückstand auf Rookie Hamilton ist indes zwar auf vier Punkte geschrumpft. «Es ist aber noch genauso schwer wie vor diesem Rennen», meinte Alonso nach dem China-Grand-Prix. (dpa)

