netzeitung.deFIA fordert Ausschluss für BAR-Honda

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BAR-Honda-Pilot Jenson Button. (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe BAR-Honda-Pilot Jenson Button.
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Der Automobil-Weltverband plädiert für einen Ausschluss des Teams BAR-Honda aus der Formel 1. Dem Rennstall wird Betrug vorgeworfen.

Der Internationale Automobilverband (FIA) hat den Ausschluss des Teams BAR-Honda von der Formel-1-Weltmeisterschaft gefordert. «Die FIA beantragt den Ausschluss von BAR-Honda für die Saison 2005 und eine Strafe für das Team in Höhe von einer Million Euro«, erklärte die FIA zu Beginn der Anhörung am Mittwoch in einem Dossier.
Betrugsverdacht gegen Team
Der drittplatzierte Jenson Button vom britisch-japanischen Team soll beim Großen Preis von San Marino am 24. April mit einem zu leichten Wagen gefahren sein, BAR-Honda die Existenz eines Zusatztanks verneint haben. Der Technische Direktor der FIA, Jo Bauer, räumte allerdings ein, seit einer Tankinspektion beim Großen Preis von Malaysia am 20. März Kenntnis von dem zusätzlichen Tank gehabt zu haben. Der Rennstall wies alle Vorwürfe zurück und wertete die Beweislage als sehr dünn.
Entscheidung am Donnerstag
Eine Entscheidung will die FIA an diesem Donnerstag bekannt geben. Möglich ist, dass BAR-Honda drei Tage vor dem Großen Preis von Spanien in Barcelona von der WM ausgeschlossen wird. «Wenn jemand beim eindeutigen und absichtlichen Betrug erwischt wird, wird er von der WM ausgeschlossen. Egal, wer es ist», hatte FIA-Chef Max Mosley bereits vor der Verhandlung betont. Sollte der Betrugsvorwurf nicht als bewiesen angesehen werden, drohen Punktabzug und/oder eine Geldstrafe.
Zusätzlicher Ballast
FIA-Chefkommissar Charlie Whiting warf bei der Befragung im FIA-Hauptsitz an der Place de la Concorde in Paris den Beschuldigten vor, Benzin in beiden Wagen reglementswidrig als Ballast eingesetzt zu haben. Auf die Fragen der vier unabhängigen Richter unter Vorsitz des Spaniers Xavier Conesa erklärte Whiting, das Team habe 8,9 Kilogramm Treibstoff in einem zusätzlichen Tank bei der obligatorischen technischen Abnahme in Imola verschwiegen.

BAR-Honda-Anwalt David Pannick behauptete dagegen, dass der vom FIA-Offiziellen gefragte Mechaniker lediglich mit dem Abpumpvorgang nach dem ersten Wiegen betraut gewesen sei. Daher habe dieser auf die Frage, ob der Tank nun leer sei, auch mit ja geantwortet. Der ganze Betrugsvorwurf fuße also auf einem Missverständnis, behauptete der britische Star-Advokat in seinem Plädoyer.

Juristisches Geplänkel
Der Verteidiger versuchte auch die Prozedur des Wiegens nach dem Rennen in Frage zu stellen. Er verwies auf verschiedene Protokolle mit sich angeblich widersprechenden Aussagen. Geoff Willis, der Technische Direktor des Teams, versicherte: «Ich würde dem Team nie erlauben, etwas zu tun, was illegal ist.» BAR-Honda könne nachweisen, dass das Auto während des Rennens immer mindestens die 600 vorgeschriebenen Kilogramm gewogen habe. «BAR-Honda wollte uns mit den eigenen Daten überzeugen», meinte Pierre de Coninck von der FIA. «Wir können uns aber nur auf die physische Untersuchung verlassen.»

Buttons Wagen hatte beim ersten Wiegen 606,1 kg auf die Waage gebracht. Komplett leer gepumpt unterschritt der Bolide aber das Mindestgewicht von 600 kg samt Fahrer um 5,4 kg. Erst sechs Stunden nach dem Rennen bestätigten die Rennkommissare den dritten Platz von Button hinter WM-Spitzenreiter Fernando Alonso und Titelverteidiger Michael Schumacher. Buttons Teamkollege Takuma Sato hatte den fünften Rang belegt.

Reine Auslegungssache
Der angeklagte Rennstall behauptete auch, dass kein Paragraf eindeutig festlege, ob das Mindestgewicht mit oder ohne Benzin gelte. «BAR-Honda hat sich ein Schlupfloch im Reglement gesucht und absichtlich verhindert, dass wir mit dem normalen Absaugvorgang das Benzin herausholen können», meinte Coninck weiter.

BAR-Hondas Technischer Direktor Willis erklärte unterdessen auf Nachfragen der Richter, dass jedes Formel-1-Fahrzeug einen Zusatztank, den so genannten Catch-Tank habe. Dadurch werde gewährleistet, dass die Benzinpumpe auch unter extremen Bedingungen wie hoher Kurvengeschwindigkeit immer Sprit saugen kann. «Wir brauchen diesen Tank, sonst läuft unser Motor fest», sagte der Techniker. Die FIA bestreitet allerdings, dass es sich bei besagtem Zusatzbehälter um jenen «Catch-Tank» handle, über den jeder Rennwagen verfügt. (nz)