04.11.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Vergangenheit: Ein Toyota in der Formel 1
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach Honda und Bridgestone steigt mit Toyota das letzte japanische Unternehmen aus der Königsklasse des Motorsports aus. Die Zukunft der rund 650 Mitarbeiter des in Köln ansässigen Rennstalls ist ungewiss.
Schluss, Ende, Aus: Toyota zieht sich wie befürchtet aus der Formel 1 zurück. «Wir haben realisiert, dass wir keine andere Wahl haben», sagte Präsident Akio Toyoda am Montag in der Toyota- Zentrale in Tokio. «Es war eine sehr schmerzvolle Entscheidung für den Konzern.» Er verwies auf die derzeitige wirtschaftliche Gesamtsituation. Toyota war 2002 in die «Königsklasse» des Motorsports eingestiegen, mit dem Ziel irgendwann um den WM-Titel kämpfen zu können. Doch über Platz 4 in der Konstrukteurswertung (2005) kam das Team, für das zuletzt Timo Glock fuhr und vor ihm Ralf Schumacher, nicht hinaus.
Stadt Köln: Toyota will Motorsportstandort nicht aufgebenBetroffen sind von der Entscheidung der Konzernführung geschätzte 650 Mitarbeiter in der Formel-1-Fabrik Toyotas in Köln-Marsdorf. «Wir sind von der Nachricht total überrascht worden», sagte ein Beschäftigter vor Ort in Köln-Marsdorf: «Die Stimmung ist sehr gedrückt. Keiner weiß, wie es weitergeht.» Toyota bemühe sich um eine Lösung für alle Betroffenen, sagte ein Sprecher in Tokio. Laut der Stadt Köln will Toyota den Motorsport-Standort nicht aufgeben. Der Wersauer Glock hatte bereits vor der schlechten, allerdings auch zu erwartenden Nachricht aus Tokio klargemacht, dass er sich nach anderen Teams umschaut. Einen neuen Arbeitgeber suchen muss sich nun definitiv auch der zweite Pilot, der Italiener Jarno Trulli.
Im Land des Lächelns macht man in Sachen Formel 1 ernst, trotz aller Sparmaßnahmen, die in diesem Sommer beschlossen wurden. Vor einem Jahr stieg bereits Honda aus. Am Montag hatte der Reifenhersteller Bridgestone seinen Ausstieg nach 2010 verkündet. Im Juli hatte die zu Toyota gehörende Fuji International Speedway Co. bereits das Formel-1-Rennen auf ihrer Hausstrecke im japanischen Fuji für 2010 abgesagt. Das Rennen wird wieder in Suzuka gefahren; ein Nachfolger für Bridgestone wird noch gesucht.
Einstiegschance für BMW-NachfolgerNeben Honda und Toyota ist auch BMW ausgestiegen. Für den Nachfolge-Rennstall könnte das Toyota-Aus indes die Möglichkeit sein, den begehrten Startplatz zu bekommen. Bis dato steht Sauber auf der Warteliste. Und die Übernahme des Teams durch die Investorengruppe Qadbak hängt von einem der 13 Startplätze für 2010 ab. Das sich Toyota eigentlich bis 2012 durch die Unterzeichnung des Concorde Agreements zur Formel-1-Teilnahme bekannt hatte, ist nun auch hinfällig.
Toyotas Teampräsident John Howett hatte zuletzt sogar noch verkündet, man habe Ex-Weltmeister Kimi Räikkönen einen Vertrag angeboten. Der Finne wollte davon allerdings rein gar nichts wissen.
Magere Bilanz nach acht JahrenDenn die Zeichen standen im Fahrerlager auf Abschied. Als die Crew am Sonntagabend in der Wüste die Koffer packte, standen ihnen Ungewissheit und Sorge ins Gesicht geschrieben. Sie waren abhängig von der Entscheidung aus Tokio. Und das für sie Schlimmste trat ein.
Fraglich ist, ob die Konzernleitung bei insgesamt besseren Resultaten auch so reagiert hätte. Dem Anspruch konnte Toyota jedenfalls nicht gerecht werden. Vom Kampf um den WM-Titel war das Team immer weit entfernt. Zu Buche schlagen gerade mal drei Pole Positionen durch Trulli (2) und Schumacher. Ein Sieg gelang bei 139 Renn-Teilnahmen nicht. In dieser Saison schaffte Glock Rang 2 in Singapur, dieselbe Platzierung fuhr Trulli in Japan ein. Alles zu wenig. «Nichts ist unmöglich» - der Slogan dürfte Toyota doppelt schwer treffen. (Lars Nicolaysen und Jens Marx, dpa)