Großer Preis von Japan:
Fernando Alonso auch am Fuji vorn
12. Okt 2008 08:19
 |  Führung mit Vorsprung: Fernando Alonso (v.) in Japan | Foto: dpa |
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Vor BMW-Sauber-Fahrer Robert Kubica holte sich der Spanier in seinem Renault den zweiten Grand-Prix-Sieg in Folge. In der Gesamtwertung bleibt es nach dem umstrittenen Rennen auf dem Fuji Speedway spannend.
Der zweimalige Weltmeister Fernando Alonso hat beim Großen Preis von Japan die Gunst der Stunde eiskalt genutzt und nach seinem Sieg in Singapur das zweite Rennen der Königsklasse des Motorsports in Folge gewonnen. Während der Spanier in seinem Renault am Fuße des Fuji feierte, wurde der Renntag für die Führenden im Gesamtklassement, Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) und Felipe Masse (Ferrari), zur Enttäuschung.
Eine Strafe für ein waghalsiges Start-Manöver und ein Rempler ausgerechnet von Verfolger Massa, der am Ende als Siebter zumindest zwei Punkte aufholte, raubten Hamilton beim Rennen in Japan früh jegliche Siegchancen. Am Ende blieben für den Briten als Zwölfter keine Punkte.
Kubica noch im Rennen um den Titel
Zweiter wurde der Pole Robert Kubica (BMW-Sauber), der mit nun 72 Punkten zwei Rennen vor Saisonende nur noch zwölf Zähler Rückstand auf den WM-Spitzenreiter hat und seine Mini-Chance auf die Weltmeisterschaft wahrte. Dagegen kann der drittplatzierte Champion Kimi Räikkönen (Ferrari) mit nun 21 Zählern Rückstand seinen Titel nicht mehr verteidigen. Ferraris Hoffnungen ruhen nun allein auf Massa, der mit einem spektakulären Manöver gegen Red-Bull-Mann Mark Webber drei Runden vor Schluss Platz acht rettete. Bester Deutscher war der Heppenheimer Sebastian Vettel, der seinen Toro Rosso auf Rang sieben steuerte.«Ein Rennen zum Vergessen», klagte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der auch den Motorschaden beim zweiten Silberpfeil von Heikki Kovalainen registrieren musste. Allerdings schränkte Haug erleichtert ein: «Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.» Hamilton reagierte verärgert auf seine Bestrafung für die harte Attacke gegen Räikkönen in der ersten Kurve. «Ich weiß nicht, wofür ich die Strafe bekommen habe», sagte der 23-Jährige und versprach seinem Team: «Ich werde es wieder gutmachen.» Groß war hingegen der Jubel bei Renault. «Fantastisch, bravo», rief Teamchef Flavio Briatore via Boxenfunk Alonso zu. «Ich kann es nicht begreifen», meinte Alonso, der nach 67 Runden auf dem 4,563 Kilometer langen Kurs in 1:30:21,892 Stunden über die Ziellinie gefahren war.
Start mit Hindernissen
Das Rennen begann dramatisch. Ferrari-Pilot Räikkönen kam bei ungewöhnlich kühlen 16 Grad besser weg als der von Pole Position gestartete Hamilton und setzte sich sofort vor den Briten. Doch der wegen seines aggressiven Fahrstils zuvor kritisierte Hamilton konterte noch vor der ersten Kurve: Mit rauchenden Reifen bremste er den finnischen Champion aus, rutschte dabei aber neben die Strecke. «Ich werde vernünftig sein und keine dummen Risiken eingehen», hatte Hamilton zuvor noch versprochen. Räikkönen steckte zurück und blockierte dabei unfreiwillig auch seinen Teamkollegen Massa. «Ich bin ein bisschen enttäuscht, was in der ersten Kurve passiert ist», sagte der Finne.Kurz darauf gerieten die WM-Rivalen Hamilton und Massa direkt aneinander, als der Silberpfeil-Star den Brasilianer attackierte und vorbeizog. Massa verbremste sich, kürzte eine Schikane ab und fuhr Hamilton ins Auto. Der WM-Spitzenreiter drehte sich und musste das gesamte Feld passieren lassen. «Damit war das Rennen für Lewis gelaufen», urteilte Haug. Nutznießer des chaotischen Auftakts waren Kubica und Alonso, die nach der ersten Kurve das Rennen anführten.
Massa holt auf
Schon wenige Runden später griffen die Rennkommissare einmal mehr in den Titelkampf ein. Hamilton wurde für sein hartes Startmanöver gegen Räikkönen bestraft, Massa erhielt für seine Kollision mit dem WM-Führenden ebenfalls eine Durchfahrtsstrafe. Für McLaren-Mercedes war es bereits die achte schwerwiegende Strafe dieser Saison - und der nächste Nackenschlag kam prompt: Kovalainen musste den zweiten Silberpfeil mit einem Motorschaden in der 17. Runde abstellen. An der Spitze gab es ein munteres Wechselspiel, das am Ende Alonso für sich entschied. Kubica hielt Räikkönen erfolgreich hinter sich und befand: «Dies ist um einiges besser als der Sieg in Kanada.» Weiter hinten behinderte eine Kollision mit Toro-Rosso-Pilot Sébastien Bourdais, der dafür nachträglich mit einer Zeitstrafe belegt wurde, Massas Aufholjagd. Dennoch sind die Titelchancen des Scuderia-Piloten mit nun 79 Punkten hinter Hamilton (84) vor den abschließenden Rennen in China und Brasilien weiter intakt.
Frühes Aus für Timo Glock
Die schwarz-rot-goldene Flotte, die zuletzt in Singapur mit vier Punkteplätzen geglänzt hatte, blieb diesmal eher unauffällig. Einzig Vettel nahm zwei Zähler mit. Nick Heidfeld enttäuschte sechs Tage nach seiner Vertragsverlängerung mit BMW-Sauber als Zehnter. Der Singapur-Zweite Nico Rosberg wurde im Williams Elfter. Schon in der sechsten Runde rollte der mit großen Hoffnungen ins Toyota-Heimspiel gestartete Timo Glock mit einem technischen Defekt zurück in die Box. «Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl. Schade», meinte der Wersauer. Nur zwei Runden später war das Rennen auch für Adrian Sutil beendet. «Mir ist der rechte Hinterreifen in die Luft gegangen, dann war es aus», erklärte der Force-India-Mann aus Gräfelfing. (dpa/nz)
Grand Prix von Japan in Fuji (67 Runden à 4,563 km/305,416 km):
1. Fernando Alonso (Spanien) Renault 1:30:21,842 Std. (Schnitt:
202,788 km/h)
2. Robert Kubica (Polen) BMW-Sauber + 5,283 Sek.
3. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 6,400
4. Nelson Piquet Jr. (Brasilien) Renault + 20,570
5. Jarno Trulli (Italien) Toyota + 23,767
6. Sebastian Vettel (Heppenheim) Toro Rosso + 39,207
7. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari + 46,158
8. Mark Webber (Australien) Red Bull + 50,811
9. Nick Heidfeld (Mönchengladbach) BMW-Sauber + 54,120
10. Sébastien Bourdais (Frankreich) Toro Rosso + 59,085
11. Nico Rosberg (Wiesbaden) Williams + 1:02,096 Min.
12. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren-Mercedes + 1:18,900
13. Rubens Barrichello (Brasilien) Honda + 1 Runde
14. Jenson Button (Großbritannien) Honda + 1 Runde
15. Kazuki Nakajima (Japan) Williams + 1 RundeAusfälle:
David Coulthard (Großbritannien) Red Bull (1. Runde/Unfall)
Timo Glock (Wersau) Toyota (7. Runde/Defekt)
Adrian Sutil (Gräfelfing) Force India (9. Runde/Reifenschaden)
Heikki Kovalainen (Finnland) McLaren-Mercedes (17. Runde/Motorschaden); Giancarlo Fisichella (Italien) Force India (22. Runde/Defekt)
Schnellste Rennrunde: Felipe Massa (Ferrari) 1:18,426 Min.
Pole Position: Lewis Hamilton (McLaren-Mercedes) 1:18,404 Min.(dpa/nz)