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Fußball EM 2008 TV-Kritik

Anziehen meint Ausziehen: 

TV-Kritik: Veronica Ferres bei «Waldi»

18. Jun 2008 11:09, ergänzt 17:47
Veronica Ferres hat den Durchblick
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Veronica Ferres war zu Gast bei «Waldi». Sie musste sich der Anzüglichkeiten des professionellen Stammtischredners erwehren – blieb locker und offenbarte viel Sachverstand, meint Elke Wittich.

„Dieser Sieg ist nicht historisch, weil für Deutschland dieser Sieg nicht wichtig genug ist, erklärte ARD-Kommentator Tom Bartels kurz vor dem Schlusspfiff des Spiels gegen Österreich. Das ist an sich schon eine höchst erstaunliche Feststellung, wenn man den medialen Wirbel in den Tagen vor der Begegnung bedenkt, noch erstaunlicher wurde sie allerdings eingedenk des Grottenkicks, den beide Teams boten.

England und Dänemark

Für den eine in der Halbzeitpause einberufene Uefa-Dringlichkeitssitzung die gerechte Strafe gewesen wäre, wenn der folgende Beschluss gelautet hätte, dass sowohl die österreichischen wie die deutschen Kicker umgehend nach Hause geschickt und in der zweiten Hälfte die eilends eingeflogenen Nationalmannschaften von England und, sagen wir, Dänemark um einen Platz im Viertelfinale weiterkicken werden.

So aber kam es beim unwichtigen, unhistorischen Sieg, dem Bartels und die Nation so verzagt entgegengebangt hatten, dass am Ende alle ein wenig kirre von der Daueranspannung waren.

Ferres: beeindruckend cool

Alle? Fast alle. Die zu Waldi´s Stammtisch eingeladene Schauspielerin Veronica Ferres zeigte sich, obwohl sie den Löw-Jungs heftig die Daumen gedrückt hatte, beeindruckend cool und lieferte eine vollkommen unaufgeregte, präzise Spielanalyse. Die Erkenntnis, dass Ferres ziemlich viel Ahnung von Fußball hat, wurde jedoch in des Moderators Hirn irgendwie davon überlagert, dass es sich bei diesem blonden Kickerei-Expertenteil da in der Runde unzweifelhaft um eine Frau handelte.

Frauen und Fußball

Und weil die Kombination Frau und Fußballsachverstand für manche Männer immer noch eine Sensation zu sein scheint, begann Waldemar Hartmann den Star mit Witzchen zu traktieren, wie sie wohl selbst einer Horde 14-Jähriger auf Klassenfahrt zu peinlich-abeschmackt wären.

Angefangen hatte alles ganz harmlos: Ferres hatte auf Nachfrage gesagt, dass sie Ballack-Fan sei und dessen muskulösen Körper gelobt. Waldemar Hartmann überreichte ihr daraufhin als Überraschung ein vom Nationalmannschafts-Kapitän mit einer persönlichen Widmung versehenes Trikot, was die Schauspielerin sichtlich freute.

Trikottausch

Nun müsse sie es aber auch anziehen, forderte der Moderator grinsend, was Ferres, vielleicht schon ahnend, worauf das alles hinauslaufen würde, zunächst locker lächelnd überging. Nicht mit Hartmann, der im Hinblick auf das von Ferres’ getragene Nationalmannschaftshemdchen einen «Trikottausch» forderte und immer weiter auf «Anziehen!» beharrte, im Grunde aber Ausziehen! meinte, denn «schließlich ist es ja schon nach Mitternacht».

Schubs ins Sexuelle

Unter dem Gejohle des Publikums gab Ferres schließlich nach und streifte das Ballack-Trikot über ihr T-Shirt, während Waldi unverdrossen versuchte, diesem völlig normalen Vorgang einen Schubs ins Sexuelle zu geben. Immerhin: Bei einer raschen Überprüfung der einschlägigen nachtaktiven Telefon-Show- und Shoppingsender fanden sich keine zwischen weiblichen Brüsten baumelnden Deutschlandkettchen.

Vielleicht, weil die Nation nach dem Weiterkommen ins Viertelfinale wieder entspannter geworden war. Und am folgenden Tag nur anderer Nationalmannschaften Elend anzusehen auf dem Programm stand.

Multi-Tasking

Auf einem regulären stationären und einem portablen Mini-Fernseher gleichzeitig zu versuchen, das von Bela Rethy übertragene Spiel zwischen Italien und Frankreich und das von Wolf-Dieter Poschmann kommentierte Match Niederlande: Rumänien zu verfolgen, ist außerdem gar nicht so stressig, wie man annehmen könnte.

Sensibler Bela Rethy

Die beiden Reporter lassen es nämlich ausgesprochen entspannt angehen: Rethy kommentiert gleich zu Beginn die Bilder des bereits fertig zum Abtransport auf der Trage liegenden und selbst von den gegnerischen Spielern mitleidig-entsetzt betrachteten Frank Ribery mit einem gelassenen: «Ich habe den Eindruck, dass Ribery jetzt ausgewechselt werden muss».

Viel Sachverstand

Und einige Minuten später erklärt Poschmann ausgerechnet nach einer Riesenchance des Rumänen Mutu enthusiastisch, dass «dies ein kleiner Hinweis auf die Gefährlichkeit des Stürmers Robben» gewesen sei. Man ist eben auch weiterhin mit ausgesprochen viel Sachverstand und Enthusiasmus bei der Sache.

Mal probeweise Veronica Ferres als Kommentatorin einzusetzen, wäre ganz sicher keine schlechte Idee. Vielleicht kann ja bereits am Donnerstag in der nächsten TV-Kritik über ihr Debüt berichtet werden...



 
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