Der DFB lädt zur mittäglichen Pressekonferenz: 

netzeitung.deTV-Kritik: Was Hansi Flick tagsüber so macht

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Das Fernsehgesicht des DFB: Pressesprecher Harald Stenger (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Das Fernsehgesicht des DFB: Pressesprecher Harald Stenger
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Bei den DFB-Pressekonferenzen während der EM passiert eigentlich nichts. Trotzdem wird das tägliche Non-Ereignis auf gleich mehreren Fernsehsendern live gesendet. Und Elke Wittich schaut gnadenlos zu.

Normalerweise gehen Pressekonferenzen so: Irgendjemand hat etwas zu sagen, von dem er denkt, dass es die Welt brennend interessiert und teilt entsprechend in der Einladung an die Journalisten mehr oder weniger verklausuliert mit, dass Sensationelles zu erwarten sei. Und fügt sicherheitshalber hinzu, dass im Anschluss leckere Häppchen gereicht werden.

Die EM-Pressekonferenzen des DFB-Teams vor allem an den spielfreien Tagen zeichnen sich dagegen dadurch aus, dass eben nichts Sensationelles verkündet wird, kein «Och, wir haben gedacht, gegen Kroatien spielen wir mal ganz ohne Stürmer», kein «Übrigens, wir haben Lothar Matthäus nachnominiert» und auch kein «Das rosa-apfelgrün Gestreifte da sind die neuen Nationaltrikots.»

Motto: Möglichst wenig Fußball!
Über die Aufstellung fürs nächste Spiel und alles, was dem Gegner vielleicht schon Rückschlüsse über Startelf und Taktik erlauben könnte, wird nämlich nicht geredet. Punkt. Damit wäre eigentlich die Absage wegen totaler Ereignislosigkeit gerechtfertigt, trotzdem findet die mittägliche Pressekonferenz natürlich, und gleich von mehreren Fernsehsendern live übertragen, statt.

Weil es nun aber langweilig wäre, die immergleichen Personen eigentlich nichts Wichtiges sagen zu hören, müssen jeden Tag andere DFB-Angestellte und Spieler auf dem Podium sitzen.

Was macht Hansi Flick?
An diesem Mittwoch hat es den Löw-Assistenten Hansi Flick erwischt, der auf die Eröffnungsfrage nach dem Erwartungsdruck der deutschen Öffentlichkeit nach dem Auftaktsieg gegen Polen zunächst brav Gemeinplätze von sich gibt - «Wir lassen uns nicht blenden, es sind noch zwei wichtige Spiele, die ausstehen um unser Ziel zu erreichen, also praktisch ins Viertelfinale einzuziehen» -, um erst bei der nächsten Frage zur Höchstform aufzulaufen.

Wer zur Hölle er denn eigentlich sei, hatte ein ARD-Journalist wissen wollen, natürlich hübscher verpackt: «Sie arbeiten so im Hintergrund, dass Sie die Öffentlichkeit außer bei Pressekonferenzen und bei Länderspielen kaum wahrnimmt, Können Sie uns anhand von zwei, drei konkreten Beispiele schildern, wie Ihre tägliche Arbeit neben Spielerdatenbank und Gegnerbeobachtung aussieht?»

«Diese Frage wird immer wieder gestellt», beginnt Hansi Flick engagiert und ahnt wohl nicht einmal, dass er vermutlich nur deswegen so häufig nach dem Aufgabengebiet gefragt wird, weil seine Antwort darauf so langweilig ist, dass sie hier wahrscheinlich zum ersten Mal in voller Länge veröffentlicht wird: «Letzendlich ist es so, wir vom Trainerteam, es hat jeder seine Aufgaben und Freiheiten und kann sich da einbringen (---) Letztendlich ist es für mich auch eine Sache, in einem Team zu arbeiten, wo man einfach auch die Freiheiten hat, wo man auch sich einbringen kann und so. Das macht wahnsinnig viel Spaß, deswegen ist für mich die Frage, wer welche Kompetenzen hat und wie das nach außen rüberkommt, zweirangig.»

Und was macht Hansi Flick wirklich?
Gutgut, aber was macht der Mann denn nun eigentlich? Gegnerbeobachtung und Datenbank seien die Spezialgebiete von Flick, ergänzt der DFB-Pressesprecher Harald Stenger ungefragt, und nachdem diese wichtige Frage mit dieser überraschenden Antwort hochoffiziell geklärt ist, kann die ungemein informative Veranstaltung weiter ihren Lauf nehmen.

Mit Fangfragen zu genau dem Thema – Aufstellung und Taktik fürs Kroatien-Spiel –, auf die man keinesfalls Antworten bekommen wird. Welche Bedeutung die Fußballer-Weisheit «Never change a winning team» heutzutage noch habe, will ein Journalist wissen, andere regen an, die Defensive hinter Podolski zu verstärken oder geben zu bedenken, dass Kroatien mit Libero spielt, aber Flick fällt einfach ums Verrecken nicht auf solche Versuche herein.

Arne Friedrich sorgt für gute Stimmung
Das ist langweilig, deswegen ist nun zum Schluss Arne Friedrich dran. Der hat eigentlich viel Glück, dass er kein Stammspieler mehr ist, denn einen Tag zuvor hatte sich Michael Ballack den doofen Fragen eines kleinen Mädchens stellen müssen, dass den Pressekonferenzbesuch bei irgendeinem Preisausschreiben gewonnen hatte. Kein Hauptgewinn zu sein, macht Friedrich sichtlich nicht unglücklich. Es sei natürlich nicht befriedigend, auf der Bank zu sitzen, sagt er, aber er sei kein Stinkstiefel und sorge einfach mit für gute Stimmung im Team.

Schön fürs Team, schlecht für die Journalisten, die allerdings vermutlich auch nicht wirklich damit gerechnet haben, dass ausgerechnet Arne Friedrich diese Pressekonferenz zu einer Generalabrechnung à la «All die Jahre habe ich geschwiegen, nun muss es raus» nutzen könnte.

Aber vielleicht gab’s ja lecker Häppchen. Vermutlich werden wir das nie erfahren, denn am Samstag geht’s an dieser Stelle um ein ganz anderes Thema.