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Fußball EM 2008 TV-Kritik

Die Analyse der Analyse: 

TV-Kritik: Schlechter als jedes EM-Spiel

10. Jun 2008 11:51, ergänzt 11. Jun 2008 18:28
ARD-Moderator Waldemar Hartmann
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Nach dem Abpfiff des zweiten der beiden täglichen EM-Spiele ist bei der ARD rustikaler Sandmännchen-Stammtisch angesagt: Waldemar Hartmann und seine Gäste bringen die Zuschauer mit dumpf-platten Sprüchen ins Bett, ärgert sich Elke Wittich.

Mit dem Erfolg der rumänischen Mauertaktik gegen Frankreich und das durch die intuitiv richtige Auslegung von Regel XI durch den norwegischen Schiedsrichter Peter Fröjfeldt gegebene erste Tor der Niederländer gegen Italien standen die Themen für «Waldis EM-Stammtisch» eigentlich schon fest. Sollte man meinen.

Der Erfolg der Cruyff-Erben – von Waldemar Hartmann die gesamte Sendung über in hartnäckiger Ignoranz Kruii-fff genannt – machte den Moderator und seine Gäste Hansi Müller, Toni Polster und Urban Priol ganz offensichtlich nicht glücklich. Und weil keiner der Anwesenden Regel XI kennt, geht man lieber zu nationalen Klischees über.

Deswegen kommt es nun zum ersten Wohnwagenwitz des Abends, vom im Studio anwesenden, deutlich promillehaltigen Klatschmob-Publikum frenetisch bejubelt.

Verbale Fehlpässe

Viel mehr fällt Hartmann und seinen Gästen aber dann auch schon nicht mehr zum Thema Oranje-Erfolg ein, daher wechselt man kurz entschlossen zur österreichischen Auftaktniederlage. «Jetzt müssen wir den Polen erst einmal drei Punkte klauen», umreißt Toni Polster das Ziel der Austria-Elf fürs nächste Spiel, und bietet Hansi Müller mit dieser an sich gelungenen Analyse des Tabellenstandes in Gruppe A eine Steilvorlage: «Den Polen was zu klauen ist schwer».

So sieht sie also aus, die Welt aus der Sicht von Stammtisch-Waldi und Co. Holländer haben Wohnwagen, Polen klauen, und Italiener sind Schlitzohren. Denn, haha, natürlich wurde Regel Numero XII nur erfunden, um italienische Tricks zu unterbinden, wie dem Stammtisch plötzlich einfällt.

Mitten im allgemeinen Schenkelgeklopfe geht’s dann plötzlich um Österreich und Cordoba – Toni Polster trägt einen «Cordoba 1978»-Aufnäher am Ärmel – während Moderator Hartmann erfolglos versucht, die lahmen Witzchen seiner Gäste mit Fußballmeldungen zu verhindern. Klappt aber nicht, denn auf die Nachricht hin, dass Steaua Bukarest eventuell wegen Korruptionsvorwürfen der Ausschluss aus der Champions League droht, folgt keineswegs eine Diskussion über den rumänischen Fußball, sondern eine nicht nur wegen Polsters Akzent vollkommen unverständliche Anekdote des österreichischen Ex-Stars.

... und Podolski

Kaum ist der Gag vollständig versandet, versucht Waldi es nun mit Podolskis Treffer zum 1:0. Dessen verhaltene Reaktion nach dem Tor und dem Spiel sei ja nun auch irgendwie verständlich, sagt der Moderator, aber, falls er mit dieser Einleitung auf ein intelligentes Gespräch unter erwachsenen Männern gehofft haben sollte, wurde er tief enttäuscht. Ja, antwortet Toni Polster, «ist verständlich, wenn in seiner Familie niemand deutsch spricht».

Und steckt mit dieser Bemerkung den Kabarettisten Urban Priol an, der ein zutiefst populistisches Lamento über eingebürgerte Spieler anstimmt, das im Satz «Und der wichtigste Spieler in Schweden hört auf den klassischen Wikingernamen Ibrimovic (sic!)» gipfelt.

Doch noch ein Lacher

Immerhin gelingt Priol einige Minuten später die einzige nicht-dumpfe, witzige Replik des Stammtisch-Abends. Mittlerweile beim Thema Torhüter angekommen, hatte Hansi Müller auf Hartmanns Bemerkung, die Torhüter-Diskussion im deutschen Team habe sich nach dem Erfolg gegen Polen ja wohl erledigt, trocken erwidert: «Wir haben die Torwartdiskussion nun in Stuttgart.» Lehmann, so kontert Priol daraufhin, komme aber immerhin jetzt wohl «mit Spielpraxis».

Unmittelbar nach dem letzten Abpfiff des Tages ins Bett zu gehen ist eindeutig die bessere Alternative.



 
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