Was Sponsoren vom Fußball lernen sollten:
Glosse: Sport und anderer Wettbewerb
21. Jun 2008 10:42
 |  Fest in der Hand: die Fanzone in Bern | Foto: AP |
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Die Sponsoren wollen vom Fußball profitieren. Das ist völlig legitim, findet
Martin Krauß. Aber sie sollten doch zunächst mal etwas vom Sport lernen. Und zwar etwas sehr Wesentliches.
Wer versucht, mit einem Pepsi-Cola-Pappbecher, einem Nike-T-Shirt oder einer Flasche Beck’s in der Hand eine der Uefa-Fanzonen in Österreich und der Schweiz zu betreten, wird bald merken, wie sehr der europäische Fußballverband Uefa seine Sponsoren zu schützen gedenkt. Nicht mal mit einer Visa- oder American-Express-Card darf man seine Tickets bezahlen – denn Mastercard ist der Hauptsponsor.
Sponsoren sind dumm!
Ob dieses Vorgehen wirklich, wie die Uefa suggeriert, von den Großsponsoren ausgeht, oder ob nicht eher die Uefa glaubt, so für ihre ja wirklich sehr viel Geld investierenden Sponsoren ein für die attraktives Umfeld zu schaffen, lässt sich nicht genau ermitteln. Dumm ist es in jedem Fall. Oder zumindest naiv, wenn die Marktmacht einer Fußballeuropameisterschaft derart hoch eingeschätzt würde, dass, wer in diesem Umfeld nicht auftaucht, quasi vom Markt verschwunden wäre. Wenn also Coca-Cola glaubte, durch bloßes Verbieten von Pepsi in der Fanzone verschwände der Konkurrent vom Weltmarkt.
Weltkonzerne wollen bekannt sein
Eine Umfrage ergab nun, dass etwa vierzig Prozent der Deutschen kein Unternehmen nennen können, das sie in einen Zusammenhang mit der EM stellen können. Die deutsche Firma adidas hatte nach dem Sieg der DFB-Elf über Polen einen, wie es heißt: «ungestützten Erkennungswert» von 28 Prozent. Dafür hat der Weltkonzern aus Herzogenaurach seit über fünfzig Jahren eine dreistellige Millionensumme in den deutschen Fußball gepumpt! McDonald’s weist als Hauptsponsor einen Bekanntheitsgrad von weniger als sechzig Prozent auf. Wenn vor den Finalspielen die Spieler mit Kindern an der Hand ins Stadion laufen, dann wissen kaum Menschen, dass es sich um Kinder handelt, die ihren Platz an der Spielerhand bei einem McDonald’s-Casting gewonnen haben. Dass die Kinder in Rot und Gelb, den Farben des Fastfoodkonzerns, auflaufen, hilft vermutlich nur wenig weiter. Es sind schließlich auch die Farben Spaniens und des Dalai Lama.
Wie man im Fußball Marktführer wird
Wenn sich die Großsponsoren wirklich für den Fußball interessierten, in den sie so viel Geld investieren, dann könnten sie allerlei lernen: Zu Beginn einer Partie steht es bekanntlich 0:0 und auf dem Platz stehen 22 Spieler, auf jeder Seite elf. Die Chancen auf den Sieg (in der Wirtschaft nennt man das Marktführerschaft) sind gleich verteilt.Sympathien und Zuspruch würde ein Team, das von Beginn an seine Gegner behindert, kaum ernten können: Nicht wenn die 22 Akteure in 17 auf der einen und fünf auf der anderen Seite verteilt würden; nicht wenn es für das vermutlich stärkere Team schon mal vorab vier Tore extra gebe; und schon rein gar nicht, wenn man dem gegnerischen Team präventiv Platzverbot erteilte.
Für Wettbewerb in der Fanzone!
Der Sport ist ein Abbild der Gesellschaft. Will man diesen Allgemeinplatz etwas konkretisieren, merkt man bald, dass der Sport eine urliberale Veranstaltung ist: Gleiche Rechte für alle und ein Wettbewerb, wo sich der beste durchsetzt.Wollte man also den Sportgedanken in die Uefa-Fanzone übertragen, gäbe es keine Einlasskontrollen mehr, es stünden Carlsberg- neben anderen Bierausschänken und die Menschen trügen selbst aus dem Kleiderschrank ausgewählte T-Shirts.
Wenn dann noch nicht klar ist, wer Marktführer wird, dann können ja die Strategen des Marktes über ein Elfmeterschießen nachdenken.