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Fußball EM 2008 Historie

EM 1972: 

DFB-Elf erobert die Fußballwelt

27. Mai 2008 22:28
Galafußballer: Beckenbauer und Netzer
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Nach dem EM-Schnupperkurs bei der ersten Teilnahme 1968, dominierte die deutsche Mannschaft das 72er Turnier. Netzer und Co. spielten «Traumfussball» - seither spricht man von der besten DFB-Elf.

Erst Mitte Mai einigte man sich bei der Uefa auf den Ausrichter. Somit verblieb den Belgiern gerade mal ein Monat um das Turnier vorzubereiten. Eigentlich war Belgien nur dritte Wahl. Da man aber den Gastgeber unbedingt bei der Endrunde dabei haben wollte, fielen die weitaus prominenteren Kandidaten Italien und England durchs Raster. Mit dem Viertelfinal-Sieg über den Titelverteidiger Italien machten sich die Belgier selbst zum Veranstalter der EM 1972.

«Alt bewährter» Modus und ein Patzer

Nachdem bei der Uefa 32 Meldungen eingegangen waren, konnte man den Qualifikationsmodus mit acht Gruppen beibehalten. Auch die britischen Verbände ordneten sich diesmal ein und verlangten keine eigene Gruppe. Die acht Sieger ermittelten im Viertelfinale, bestehend aus Hin- und Rückspiel, die vier Endrundenteilnehmer. Diese trafen dann zwischen dem 14. und 18. Juni in den Austragungsorten Antwerpen (Stade Bosuil), Lüttich (Stade Sclessin) und Brüssel (Parc Astrid und Heysel-Stadion) aufeinander.

Die Belgier waren trotz der kurzen Vorbereitungszeit ein würdiger Gastgeber, auch die Stadien präsentierten sich EM-tauglich. Doch ein Makel blieb haften. Die Organisatoren hatten beide Halbfinal-Spiele zeitgleich angesetzt. Durch diesen Fauxpas kamen zur Partie der Ungarn gegen die Sowjetunion nicht einmal 2000 Zuschauer.

DDR-Fans bestaunen DFB-Elf

Die Qualifikationsspiele zur Endrunde mobilisierten hingegen wieder Massen. Fast 95.000 Fans wollten in Leipzig das 100. Länderspiel der DDR verfolgen. Doch auch diesmal konnte sich die von Georg Buschner betreute DFV-Elf nicht für das Viertelfinale, geschweige denn für die Endrunde qualifizieren. Vielleicht auch ein Grund, warum gut 30.000 DDR-Bürger am 10. Oktober 1971 nach Polen reisten. Dort traf der Gastgeber auf die Mannschaft der Bundesrepublik Deutschland - mit Beckenbauer, Breitner, Netzer, Müller und Co. Das DFB-Team gewann dann auch standesgemäß mit 3:1.

Mit England wartete im Viertelfinale ein ganz schwerer Brocken auf eben jenes Team. Doch vor 96.000 Zuschauern im Londoner Wembleystadion siegte der erfrischende Kombinationsfußball der Schön-Schützlinge über das kraftbetonte Kampfspiel der Engländer. Nach dem ersten deutschen Sieg auf dem «heiligen Rasen» wurde die Nationalmannschaft von der internationalen Presse zur «Wunderelf» ernannt.

Über England ins Finale

Das DFB-Team kam also mit reichlich Vorschusslorbeeren zur Endrunde nach Belgien. Diese galt es im ausverkauften Stade Bosuil in Antwerpen gegen den Gastgeber zu bestätigen. Unter den gut 55.000 Zuschauern drückten knapp die Hälfte den deutschen Spielern die Daumen, so dass von einem Heimvorteil der Belgier nichts zu spüren war. Zwei Tore von Gerd Müller reichten zu einem wenig glanzvollen 2:1-Sieg. Das andere Halbfinale war eine trostlose Angelegenheit. 1659 Zuschauer sahen ein müdes 1:0 der Sowjetunion über Ungarn.

Auch das Spiel um Platz drei lockte trotz belgischer Beteiligung kaum jemanden in das Stade Sclessin. 6184 Zuschauer sahen einen verdienten 2:1-Erfolg der Gastgeber über Ungarn. Kaum zu glauben – auch das Finale im Brüsseler Heysel-Stadion war nicht ausverkauft. Doch die Unterstützung für das deutsche Team war überwältigend. 40.000 der gut 43.000 Zuschauer feuerten die deutschen Akteure an. Der Gegner aus der Sowjetunion stand bei der vierten Endrundenteilnahme zum dritten Mal im Finale. Doch die vergangenen Erfolge waren nichts mehr wert. Das 3:0 der «Wunderelf» über die Sowjets ist immer noch der höchste EM-Finalsieg. Auch im Endspiel traf Gerd Müller wieder doppelt und wurde Torschützenkönig des Turniers.

Bundestrainer Helmut Schön formte eine harmonische Einheit aus Ball-Künstlern und Wasserträgern, die sich nicht zu schade waren, für die Stars zu laufen. Hans-Georg Schwarzenbeck übernahm diesen Job für seinen Bayern-Kollegen Franz Beckenbauer, der in diesem Jahr auch Europas Fußballer des Jahres wurde. Spielgestalter Günter Netzer konnte sich immer auf Herbert Wimmer verlassen, der ihm auch bei Borussia Mönchengladbach den Rücken freihielt. Wenn man dazu noch einen der treffsichersten Stürmer der Fußballgeschichte in seinen Reihen hat …

Die Viertelfinalteilnehmer

England, Deutschland, Italien, Belgien, Jugoslawien, Sowjetunion, Ungarn, Rumänien

Die Endrunden-Teilnehmer der EM 1972

Sowjetunion, Ungarn, Belgien, Deutschland

Die Mannschaft des Turniers

Evgeny Rudakov – Revaz Dzodzuashvili, Murtaz Khurtsilava (alle Sowjetunion), Franz BeckenbauerPaul Breitner, Uli Hoeneß, Günter Netzer, Herbert WimmerGerd Müller, Jupp Heynckes (alle Deutschland), Raoul Lambert (Belgien)




 
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