EM 1968:
Kopf oder Zahl
27. Mai 2008 18:05
 |  Luigi Riva: Torschütze im EM-Finale | Foto: imago |
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Erstmals zeichnete die Uefa für das Kontinentalturnier verantwortlich und damit wurde aus dem Europapokal der Nationen die Europameisterschaft. Die DFB-Elf nimmt nun auch teil, hat aber trotz zweier Endspiele nichts mit dem Ausgang zu tun.
Die Europameisterschaft 1968 hatte nun auch die letzten Verbände erreicht. Als letztes britisches Team kam Schottland hinzu. Selbst beim DFB gab man die jahrelang gehegten Zweifel auf und meldete sich wie 30 weitere Nationen bei der Uefa zum Turnier an. Die erhöhte Teilnehmerzahl machte in der Qualifikation die Einführung von Gruppenspielen notwendig. Aus sieben Vierergruppen und einer Dreiergruppe qualifizierte sich jeweils der Sieger für die Runde der letzten Acht. Auf das Achtelfinale wurde verzichtet.
Britische Meisterschaft mit Rekord
Die vier Endrundenteilnehmer wurden unverändert im Viertelfinale in Hin- und Rückspielen ermittelt. Die Sieger trafen sich vom 5. Juni bis 10. Juni 1968 in Italien. Wie auch vier Jahre zuvor konnte der Gastgeber den Heimvorteil nutzen, obwohl die Squadra Azzurra auf dem Weg zum Titel ein doppeltes Finale und einen Münzwurf benötigte. Die Ungerechtigkeit des letzteren setzte erste Diskussionen über das Elfmeterschießen als Entscheidungsmöglichkeit in Gang.
Bei der Einteilung der Qualifikationsgruppen musste die Uefa Kompromisse eingehen. Die britischen Verbände wollten nicht auf ihr traditionsreiches Kräftemessen, die British Home Championship, verzichten. So wurde die Gruppe 8 in der EM-Qualifikation eine rein britische Angelegenheit, wo gleichzeitig der Sieger der seit 1883 ausgetragenen Britischen Meisterschaft ermittelt wurde. Diese Konstellation bescherte der ersten offiziellen Europameisterschaft auch gleich einen Rekord für Ewigkeit: 130.711 Zuschauer verfolgten am 24. Februar 1968 das 1:1-Unentschieden zwischen Schottland und England im Glasgower Hampden Park.
Deutsche verpassen Endrunde
Auf der Suche nach den deutschen Vertretern braucht man nicht über die Qualifikation hinaus zu suchen. Die Bundesrepublik bildete mit Albanien und Jugoslawien die einzige Dreiergruppe. Im letzten Spiel der Gruppe 4 hätte der DFB-Elf ein Sieg in Tirana gereicht. Doch der Fußballzwerg Albanien erkämpfte sich mit 27.000 Fans im Rücken ein 0:0. Somit endete die Stippvisite mit einer Blamage im Qemal-Stafa-Stadion und Jugoslawien schaffte den Sprung in die nächste Runde
Auch die DDR hatte ein denkwürdiges Spiel zu bieten, allerdings in positiver Hinsicht. Vor 40.000 Zuschauern bezwang man nach zweimaligem Rückstand die Niederlande mit 4:3. Lokalmatador Henning Frenzel vom 1. FC Lokomotiove Leipzig erzielte drei Tore. Dennoch scheiterte auch die DFV-Auswahl. Trotz eines Sieges gegen Ungarn qualifizierten sich die Magyaren für das Viertelfinale.
Die Runde der letzten Acht führte unter anderen Titelverteidiger Spanien und den Weltmeister aus England zusammen. Mit zwei Siegen ließen die Schützlinge von Trainer Alf Ramsey den Iberern keine Chance. Ein Spektakel gab es vor 91.000 Zuschauern im Moskauer Lenin-Stadion. Die Sowjetunion hatte das Hinspiel in Ungarn mit 2:0 verloren und revanchierte sich mit einem verdienten 3:0-Sieg. Jugoslawien fegte im Rückspiel auf heimischen Boden die Equipe Tricolore mit 5:1 vom Platz und durfte ebenfalls den Weg zur Endrunde nach Italien antreten.
Glücksspiel um Finaleinzug
Hier trafen die Balkan-Kicker im Halbfinale auf England. Das goldene Tor zum 1:0 Sieg über den 66er Weltmeister in Florenz erzielte der zum jugoslawischen Jahrhundertspieler gewählte Dragan Dzajic. Als schlechter Verlierer erwies sich hierbei Alan Mullery, der Vahidin Musemic mit einem Tritt in den Allerwertesten bedachte. Diese Unflätigkeit zog natürlich einen Platzverweis nach sich – den ersten für einen Engländer im Nationaldress überhaupt. Obwohl beide deutsche Teams nicht in Italien vertreten waren, hatte das andere Semifinale in Neapel dennoch einen Hauptdarsteller aus deutschen Landen. Die Partie zwischen Italien und der Sowjetunion fand nach 120 torlosen Minuten keinen Sieger. Schiedsrichter Kurt Tschenscher aus Mannheim bat zum die Kapitäne zum Münzwurf. Giacinto Facchetti wählte Kopf und Italien stand im Finale.
Gastgeber Italien hatte aus den Fehlern der früheren Endrunden gelernt und machte das Spiel um Platz drei zum Final-Vorspiel. So verfolgten 70.000 auf den Rängen des Stadio Olimpico in Rom den 2:0-Sieg der Engländer über die Sowjet-Kicker. Dass die vielen Fans nach dem Endspiel keinen Sieger feiern konnten, lag am Modus. Denn nach der Verlängerung stand es zwischen Italien und Jugoslawien 1:1 und es wurde ein Wiederholungsspiel nötig. Zwei Tage später gewannen die Italiener durch Tore von Luigi Riva und Pietro Anastasi mit 2:0. Auch Inter-Legende Sandro Mazzola drückte dem zweiten Finale seinen Stempel auf.
Die Viertelfinalteilnehmer
Frankreich, Jugoslawien, Bulgarien, Italien, Ungarn, Sowjetunion, England, Spanien
Die Endrunden-Teilnehmer der EM 1968
Italien, Sowjetunion, Jugoslawien, England
Die Mannschaft des Turniers
Dino Zoff – Giacinto Facchetti (beide Italien), Albert Shesternev (Sowjetunion), Bobby Moore (England), Mirsad Fazlagic – Ivica Osim (beide Jugoslawien) – Sandro Mazzola, Angelo Domenghini, Luigi Riva (alle Italien), Geoff Hurst (England), Dragan Dzajic (Jugoslawien)
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