Netzeitung Logo
 
Aktuelles  »  Sport  »  EM 2008  »  Historie
DruckenVersenden
 
Fußball EM 2008 Historie

EM 1964 - Europapokal der Nationen: 

Klassenkampf in Spanien

26. Mai 2008 22:09
Spielmacher der Spanier: Luis Suarez
Bild vergrößern
Nach der durchwachsenen Premiere vier Jahre zuvor, erfreute sich das 64er-Turnier mit der Endrunde in Spanien zunehmender Beliebtheit. Der sportliche Wettbewerb war jedoch immer noch politisch aufgeladen – bis hin zum Duell der Systeme im Finale.

Der zweite Europapokal der Nationen stand unter einem günstigeren Stern als die Erstauflage in Frankreich. Die britischen Verbände, außer Schottland, gaben ihre Zurückhaltung auf und meldeten sich wie insgesamt 29 der 33 Uefa-Mitgliedsländer für den Wettbewerb an. Auch der zweimalige Weltmeister Italien sagte zu. Höhepunkt der neuen Begeisterung war das Finale: Die Live-Übertragung ging in fast alle europäischen Staaten. Das Turnier, nach der bereits 1927 von dem Franzosen Henri Delaunay vorgestellten Idee, hatte seinen Platz im Fußballkalender gefunden.

Zum Gelingen der Endrunden-Veranstaltung trug natürlich auch Spanien als Ausrichter bei. Die spanische Mannschaft konnte sich qualifizieren und brillierte auch in den beiden Finalspielen. Das hob die Zuschauerzahlen und brachte Stimmung in die Stadien. Im Endspiel fieberten an die 130.000 Fans mit der «Seleccion» mit. Dass mit dem Estadio Santiago Bernabeu in Madrid und dem Camp Nou in Barcelona auch wirkliche Fußballtempel zur Verfügung standen, war ein weiterer Pluspunkt auf Seiten des Gastgebers.

DFB steht im Abseits

Eine der vier abwesenden Nationen war die Bundesrepublik Deutschland. Beim DFB sah man den Europapokal der Nationen immer noch als ungeliebten Wettbewerb zwischen zwei Weltmeisterschaften. Im eigenen Land erntete man dafür heftige Kritik, international stand man im Abseits. So kam es, dass die DDR wieder als alleiniger deutscher Vertreter das Kräftemessen mit den europäischen Nachbarn suchte. Und das mit größerem Erfolg als vier Jahre zuvor. In der Vorrunde, die aufgrund der vielen Teilnehmer erstmals ausgetragen wurde, konnte sogar die Tschechoslowakei ausgeschaltet werden. Weitere Neuerungen im Austragungsmodus gab es nicht. Die Achtel- und Viertelfinalpartien wurden wiederum in Hin- und Rückspielen mit wechselndem Heimrecht ausgetragen. Doch schon in der Vorrunde gab es den ersten Eklat. Politische Spannungen zwischen Griechenland und Albanien führten zur Absage der Hellenen.

Brutaler Torjubel und die Rotterdamer Sensation

Auch das Achtelfinale verlief nicht ohne Zwischenfälle. In Dublin trafen am 13.10.1963 Gastgeber Irland und Österreich zum Rückspiel aufeinander. Das torlose Hinspiel ließ beide Mannschaften noch auf die nächste Runde hoffen. Die Partie endete 3:2 für die Kleeblatt-Kicker von der Insel und nach jedem irischen Tor stürmten die heimischen Fans den Platz. Dabei schlugen sie mit ihren Gehstöcken auf die Beine der österreichischen Spieler. Eine Sensation ereignete sich in Rotterdam. Schon das Hinspiel zwischen Luxemburg und den Niederlanden war mit dem 1:1-Endstand eine Überraschung. Das Rückspiel gewannen die Luxemburger vor 42.000 Zuschauern mit 2:1.

Im Achtelfinale stand auch wieder die DDR. Gegen ideenlose Ungarn schied man zwar denkbar knapp aus, doch wertete man das Abschneiden als großen Erfolg. Nach einer 1:2-Niederlage im Hinspiel in Ost-Berlin, zeigten die DDR-Spieler gerade im Rückspiel Klasse und Kampfgeist. Dreimal lag das Team von Karoly Soos gegen die Ungarn zurück, und dreimal konnte man ausgleichen. Letztendlich schied man nach einem 3:3 aus - obwohl in Budapest mehr zu holen war.

Flaschenwürfe und ein Entscheidungsspiel

Das nächste Skandalspiel lieferte das Viertelfinale. Nachdem sich die Überraschungsmannschaft aus Luxemburg und Dänemark im Hinspiel 3:3 trennten, fand auch das Rückspiel in Kopenhagen nach einem 2:2 keinen Sieger. Für ihre gute Leistung mussten sich die Luxemburger Spieler von dänischen Fans mit Flaschen bewerfen lassen. Das Entscheidungsspiel in Amsterdam gewann Dänemark schließlich mit 1:0.

Für die Endrunde vom 17. Juni bis 21. Juni 1964 hatten sich neben Dänemark auch Gastgeber Spanien, die Ungarn und abermals die Sowjetunion qualifiziert. Der Titelverteidiger machte dann auch im Halbfinale mit den überforderten Dänen kurzen Prozess. Vor 50.000 Zuschauern im Camp Nou feierten die Sowjet-Kicker einen klaren 3:0-Erfolg. Spannender ging es in Madrid zu. Dort empfing die spanische Auswahl vor 75.000 Fans die Ungarn. Erst in der Verlängerung konnten sich die Iberer mit 2:1 durchsetzen und feierten dennoch einen verdienten Finaleinzug.

Beeindruckte Sowjets

Dort traf man auf die leicht favorisierten Spieler aus der Sowjetunion. Im «Franco-Spanien» wurde die Partie zum Klassenkampf erhoben. 130.000 Fans feuerten ihr Team an und die sowjetischen Spieler ließen sich, wie man später hörte, beeindrucken. Zur Pause stand es nach einem schnellen und hochklassigen Spiel 1:1. Ein Flugkopfball sorgte für die Entscheidung. Marcelino, Stürmer von Real Saragossa, verwertete ein Flanke von Barca-Mittelfeldstar Jesus Maria Pereda. Torwart Lev Yashin war geschlagen und Spanien gewann umjubelt die Trophäe. Politisch wurde der finale Triumph über die Sowjetunion sogleich als Sieg über den Kommunismus gefeiert

Wie vor vier Jahren interessierte sich kaum jemand für das Spiel um Platz drei. Dabei war auch die Partie zwischen Ungarn und Dänemark recht gut anzuschauen. Besonders ein junger Ungar überzeugte mit seinem Können. Der 19-jährige Stürmer Ferenc Bene traf zum 1:0 für sein Team und war mit fünf Treffern hinter dem Dänen Ole Madsen (7) zweitbester Torjäger des Turniers. Im selben Jahr traf Bene zwölfmal beim olympischen Fußballturnier und schoss sein Team zur Goldmedaille. Das kleine Finale in Barcelona gewannen die Ungarn mit 3:1 in der Verlängerung – vor 4000 Zuschauern im Camp Nou.


Die Achtelfinalteilnehmer

Spanien, Nordirland, Jugoslawien, Schweden, Dänemark, Albanien, Österreich, Irland, Luxemburg, Niederlande, Bulgarien, Frankreich, Sowjetunion, Italien, DDR, Ungarn

Die Endrunden-Teilnehmer der EM 1964

Spanien, Ungarn, Sowjetunion, Dänemark

Die Mannschaft des Turniers

Lev Yashin (Sowjetunion) - Feliciano Rivilla, Fernando Olivella (beide Spanien), Dezsö Novak (Ungarn) - Ignacio Zoco, Jesus Maria Pereda, Luis Suarez – Amancio Amaro (alle Spanien), Ferenc Bene (Ungarn), Valentin Ivanov (Sowjetunion), Florian Albert (Ungarn)




 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Fakten, Fakten, Fakten
Schweiz Tschechien Portugal Türkei Österreich Kroatien Deutschland Polen Niederlande Italien Rumänien Frankreich Griechenland Schweden Spanien Russland
Zu weiteren EM Bilderschauen
Zu weiteren EM Bilderschauen
EM-QUIZ
EURO 2008 Live-Ticker
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Aus anderen Ressorts
Zur Autogazette

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.