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Fußball EM 2008 Historie

EM 1992: 

Dänische Urlauber überrumpeln Kohler & Co.

19. Mai 2008 10:38
David schlägt Goliath
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Im hohen Norden ist nichts von den heißblütigen Südeuropäern zu sehen, sie reisen nicht mal an. Stattdessen mischen dänische «Beachboys» die Szene auf und schnappen den wiedervereinigten Deutschen den Titel vor der Nase weg.

Keine EM-Endrunde wurde so direkt von den aktuell-politischen Ereignissen beeinflusst wie das Turnier von 1992. Die UdSSR, EM-Finalist von 1988, war im Begriff, sich aufzulösen. So trat die «Sbornaja» in Schweden denn auch als «Gemeinschaft unabhängiger Staaten» (GUS) an. In Jugoslawien tobte die blutige Balkankrise, die zum Ausschluss der eigentlich qualifizierten Nationalmannschaft von der Euro führte – eine bis heute einmalige Entscheidung der Uefa. Die Vakanz im Feld der acht Endrunden-Teilnehmer füllte Dänemark aus. Die Mannschaft von Richard Möller-Nielsen befand sich schon im Urlaub, wurde zwei Wochen vor Beginn zusammengetrommelt und trat den Beweis an, dass im Sport einfach alles möglich ist.

Ost und West gemeinsam für den Titel

Auch Deutschland hatte sich verändert. Eigentlich hätte es in der Qualifikation zur EM 1992 zum Duell der beiden deutschen Staaten kommen sollen. Doch die DDR verschwand und Spieler wie Matthias Sammer, Andreas Thom und Thomas Doll liefen nun für die Bundesrepublik auf. Nach dem Gewinn der Weltmeisterschaft 1990 hatte sich Teamchef Franz Beckenbauer zu der Aussage hinreißen lassen, dass Deutschland nach der Wiedervereinigung «auf Jahre hinaus» unschlagbar sein würde. Dem neuen Bundestrainer Berti Vogts hatte der «Kaiser» damit keinen Gefallen getan.

Schon in der Vorrunde setzte es nach einem Remis gegen die GUS und einem Sieg gegen Schottland eine bittere Niederlage. Dauerrivale Niederlande revanchierte sich für das Ausscheiden bei der WM in Italien, das vor allem durch die «Lama»-Attacke von Frank Rijkaard gegen Rudi Völler in die Annalen eingegangen war, und siegte mit 3:1. Dass es für die DFB-Elf dennoch zum Halbfinale langte, war dem Sieg der Schotten gegen die GUS zu verdanken.

Schmeichel hält den Titel fest

Im Halbfinale hatte sich die Mannschaft jedoch wieder gefangen. Angeführt vom groß auftrumpfenden Spielmacher Thomas «Icke» Hässler bezwang Deutschland Gastgeber Schweden verdient mit 3:2. Doch der Endspielgegner hieß nicht wie erwartet erneut Niederlande, sondern Dänemark. Nach einem 2:2 in packenden 120 Minuten entschärfte Peter Schmeichel im Elfmeterschießen den Versuch von Marco van Basten und der Titelverteidiger war ausgeschieden.

Schmeichel, der zum Spieler der Turniers gewählt wurde, war es auch, der den deutschen Angreifern im Finale von Göteborg mit zahlreichen Paraden den Zahn zog. Den Rest erledigten die beiden Torschützen John Jensen und Kim Vilfort. Eine der größten Sensationen der Fußballgeschichte war perfekt: Das kleine Nachbarland hatte den scheinbar übermächtigen Weltmeister entzaubert. Auf den verstaubten Motorhauben der Autos hunderter deutscher Besucher beim berühmten Roskilde-Musik-Festival verewigten sich die freudetrunkenen Dänen im Sommer 1992 mit einer einfachen Botschaft: 2:0.

Die Endrunden-Teilnehmer der EM 1992:

Gruppe 1: Schweden, Dänemark, England, Frankreich
Gruppe 2: Niederlande, Deutschland, Schottland, GUS

Die Mannschaft des Turniers:

Peter Schmeichel (Dänemark) – Jocelyn Angloma, Laurent Blanc (beide Frankreich), Jürgen Kohler, Andreas Brehme – Ruud Gullit (Niederlande), Stefan Effenberg, Thomas Hässler, Brian Laudrup (Dänemark) – Dennis Bergkamp, Marco van Basten (beide Niederlande)




 
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