EM 1996:
Fußball kommt nach Hause
19. Mai 2008 09:57
 |  Oliver Bierhoff: Schütze des "Goldenen Tores" | Foto: ap |
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Mehr Teilnehmer, mehr Spiele und ein «Goldenes Tor»: In der Wiege des Fußballs wird eine neue Form der Europameisterschaft geboren. Deutschland besiegt den Erzrivalen und Oliver Bierhoff geht in die Geschichte ein.
Im Mutterland des Fußballs erfindet sich die Europameisterschaft neu. Durch den Zusammenbruch des Ostblocks wächst die Zahl der Uefa-Mitgliedsverbände in der ersten Hälfte der 90er Jahre auf 48 Verbände. Die Uefa reagiert auf diese Entwicklungen mit der Verdopplung der Endrundenteilnehmer, von denen sich einer in einem Playoff qualifizieren muss (Niederlande). Zum ersten Mal in der EM-Geschichte gibt es neben vier Vorrundengruppen auch Viertelfinal-Spiele.
Gascoigne zaubert für England
Vor dem Turnier bestimmen die Sorge vor der Gewalt von Hooligans die öffentliche Diskussion. Doch die Stimmung in den Stadien ist friedlich und trotz der nicht mehr vorhandenen Stehtribünen fantastisch. England sehnt sich nach dem ersten Titel seit der WM 1966. Die Voraussetzungen sind gar nicht schlecht: Der ebenso geniale wie exzentrische Paul Gascoigne befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Sein Tor im «Battle of Britain» gegen Schottland in der Vorrunde ist eines der Highlights der EM. Nachdem die «Three Lions» auch noch die Niederlande mit 4:1 vom Platz fegen (zwei Treffer vom EM-Torschützenkönig Alan Shearer) und im Viertelfinale gegen Spanien sogar ein Elfmeterschießen gewinnen, scheint die Mannschaft von Terry Venables nicht mehr aufzuhalten zu sein.Doch dann ist da noch der Erzfeind Deutschland. Angeführt vom überragenden Matthias Sammer, der am Ende zum Spieler des Turniers gewählt wird, hatte sich das Team von Berti Vogts in der Vorrunde gegen Tschechien, Russland (mit dem legendären Flugkopfball von Jürgen Klinsmann) und Italien durchgesetzt. Im Viertelfinale zwang man die starken Kroaten in die Knie.
Deutschland nimmtt Wembley ein
Das Halbfinale im Wembley-Stadion gehört seit diesem 26. Juni 1996 zu den absoluten Klassikern der Fußball-Geschichte. Nach einem 1:1 nach 90 Minuten war bereits die Verlängerung mit einem nicht gegebenen Treffer von Stefan Kuntz und drei tausendprozentigen Chancen für England eine unglaubliche Nervenschlacht. Dann musste wie bei der WM 1990 das Elfmeterschießen entscheiden. Der Rest ist Geschichte...Das Endspiel hielt bei diesem Turnier der Erstmaligkeiten natürlich auch eine Premiere bereit. Nachdem der Favoritenschreck Tschechien per Straßstoß in Führung gegangen war, schlug die Stunde des Oliver Bierhoff. Der «Spätzünder» - erst im Februar 1996 hatte der heutige DFB-Manager sein Debüt in der Nationalmannschaft gegeben – kam, sah und traf. Zunächst erzwang er per Kopf die Verlängerung und dann ging er als erster Schütze eines «Golden Goals» in die Fußball-Annalen ein. Dass sein Drehschuss in der 95. Minute abgefälscht war und Torhüter Petr Kouba dabei alles andere als glücklich aussah, konnte den Jubel über den dritten EM-Titel von Deutschland nicht schmälern. Der Fußball war nach Hause gekommen, der Pokal aber auch...
Die Endrunden-Teilnehmer der EM 1996:
Gruppe 1: England, Niederlande, Schottland, Schweiz
Gruppe 2: Frankreich, Spanien, Bulgarien, Rumänien
Gruppe 3: Deutschland, Tschechien, Italien, Russland
Gruppe 4: Portugal, Kroatien, Dänemark, Türkei
Die Mannschaft des Turniers:
Andreas Köpke – Laurent Blanc, Marcel Desailly (beide Frankreich), Matthias Sammer, Paolo Maldini (Italien) – Paul Gascoigne (England), Karel Poborsky (Tschechien), Dieter Eilts - Alan Shearer, Davor Suker, Hristo Stoitchkov
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