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Fußball EM 2008 Historie

EM 2000: 

Frankreich feiert, Deutschland rumpelt

02. Mai 2008 17:24
Zinedine Zidane: Superstar
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Zwei Länder, ein Turnier: Belgien und die Niederlande richten gemeinsam die Milleniums-Endrunde aus. Die Holländer sind vom Elfmeterpunkt noch unfähiger als die Engländer und am Ende entscheidet wieder ein Golden Goal.

Wieder ein Novum in der Geschichte der Europameisterschaften: Erstmals vergab die Uefa die Endrunde an zwei Länder. Da sowohl Belgien als auch die Niederlande ein Turnier mit 16 Teilnehmern nicht allein hätten bewältigen können, schlossen sie sich in ihrer Bewerbung zusammen und bekamen prompt den Zuschlag – eine Vorgehensweise, die seither Schule gemacht hat. In beiden Gastgeberländern fanden die Partien jeweils in vier Stadien statt, das Eröffnungsspiel im modernisierten Brüsseler Heysel-Stadion, das 1985 durch die Katastrophe beim Europapokal-Endspiel FC Liverpool – Juventus Turin zu trauriger Berühmtheit gelangt war.

Holland versagen die Nerven

Während die Belgier ohne große Ambitionen in das Turnier gingen und erwartungsgemäß in der Vorrunde ausschieden, war das Ziel des Co-Gastgebers klar: «Oranje» wollte vor eigenem Publikum den Titelgewinn von 1988 wiederholen. Und es schien, als sollte dies gelingen, denn die «Elftal» hatte sowohl das nötige Glück, wie beim schmeichelhaften 1:0 gegen Tschechien in der Vorrunde, als auch das Geschick, welches sie beim berauschenden 6:1 im Viertelfinale gegen Jugoslawien eindrucksvoll unter Beweis stellte. Doch dann kam das Halbfinale gegen Italien und das kollektive Versagen vom Elfmeterpunkt, das selbst die Engländer in den Schatten stellte. In der regulären Spielzeit vergaben Ronald de Boer und Patrick Kluivert, der gemeinsam mit dem Jugoslawen Savo Milosevic mit fünf Treffern Torschützenkönig des Turniers wurde, zwei Foulelfmeter. Im Elfmeterschießen versagten dann Frank de Boer, Jaap Stam und Paul Bosvelt die Nerven vom Punkt. Die Italiener, die sich mit ihrem berüchtigten «Catenaccio» mal wieder wenig Freunde gemacht hatten, bedankten sich recht herzlich und zogen ins Finale ein.

«Zizou» führt Frankreich zum Sieg

Dort trafen sie in Rotterdam auf Weltmeister Frankreich. Die «Equipe Tricolore» hatte sich mehr schlecht als recht in das Endspiel vorgearbeitet und lebte abgesehen vom Selbstbewusstsein eines Champions vor allem von der Genialität des großen Zinedine Zidane. Das Finale wurde wie schon vier Jahre zuvor per «Golden Goal» entschieden. Nachdem Italien lange geführt und Alessandro del Piero die Chance zum 2:0 vergeben hatte, erzwang zunächst der eingewechselte Sylvain Wiltord in letzter Sekunde die Verlängerung. Dann schlug die Stunde des zweiten Jokers David Trezeguet: Der damals 22-jährige Stürmer hämmerte den Ball aus der Drehung mit links in den Dreiangel und stürzte die «Grande Nation» in einen Freudentaumel. Zum ersten Mal hatte ein amtierender Weltmeister die darauf folgende EM gewonnen. In umgekehrter Reihenfolge war dies zuvor nur Deutschland 1972 (EM) und 1974 (WM) gelungen.

Wer erinnert sich an Paulo Rink?

Apropos Deutschland: Der Titelverteidiger spielte auch mit, obwohl von «spielen» im eigentlichen Sinne keine Rede sein konnte. Es war die unrühmliche Zeit des deutschen «Rumpelfußballs». Selbst im eigenen Land hatte man dem Team von Bundestrainer Erich Ribbeck vor dem Turnier nicht viel zugetraut und die Spieler (Paulo Rink! Jens Jeremies! Marko Rehmer!) hielten sich daran. Nur ein Punkt (1:1 gegen Rumänien) gelang dem dreifachen Europameister, danach gab es ausgerechnet gegen England ein 0:1. Ein Sieg gegen Portugal im letzten Gruppenspiel hätte das Viertelfinale bedeutet. Stattdessen fügte der dreifache Torschütze Sergio Conceicao Deutschland eine Demütigung ersten Grades zu. Als die Deutschen die Koffer packten und den kurzen Heimweg antraten, weinte ihnen niemand eine Träne nach. Erich Ribbeck, der danach seinen Posten räumen musste, übrigens auch nicht…

Die Endrunden-Teilnehmer der EM 2000:

Gruppe A: Portugal, Rumänien, England, Deutschland
Gruppe B: Italien, Türkei, Belgien, Schweden
Gruppe C: Spanien, Jugoslawien, Norwegen, Spanien
Gruppe D: Niederlande, Frankreich, Tschechien, Dänemark

Die Mannschaft des Turniers:

Francesco Toldo (Italien) – Laurent Blanc, Lilian Thuram (beide Frankreich), Fabio Cannavaro, Paolo Maldini (beide Italien) – Patrick Vieira, Zinedine Zidane (beide Frankreich), Luis Figo (Portugal), Edgar Davids – Patrick Kluivert (beide Niederlande), Francesco Totti (Italien)




 
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