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Fußball EM 2008 Historie

EM 2004: 

«Rehakles» hebt die Welt aus den Angeln

02. Mai 2008 16:48
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In den Zeiten des spektakulären Hochgeschwindigkeits-Fußballs lässt ein deutscher Trainer mit Libero spielen und gewinnt den Titel. Deutschland selbst hat davon nichts, denn die DFB-Elf beherrscht weder das eine noch das andere.

Zum ersten Mal seit der WM 1982 fand wieder ein großes Fußball-Turnier auf der iberischen Halbinsel statt, doch nicht in Spanien, sondern in Portugal, dem Land Eusebios. Die 31 Endrundenspiele wurden in nicht weniger als elf verschiedenen Stadien ausgetragen, darunter das berühmte «Felsenstadion» von Braga.

Heimspiel für die «Goldene Generation»

Das Heimspiel sollte zum Triumphzug für die «Goldene Generation» des portugiesischen Fußballs werden. Das ganze Land erwartete von den Männern um die Superstars Luis Figo und Rui Costa, die 1991 die U20-WM gewonnen hatten, den Titel. Es wurde jedoch nicht das Turnier der Altmeister. Die Wachablösung der jungen Wilden um Cristiano Ronaldo, dessen Stern in diesen Wochen aufging, schritt unaufhaltsam voran.

Wie schwer dies für die «Oldies» zu ertragen war, zeigte sich im Viertelfinale gegen England: Als Figo 15 Minuten vor dem Ende vom brasilianischen Weltmeistertrainer Luiz Felipe Scolari ausgewechselt wurde, ging der Real-Profi nicht wie üblich zur Mittellinie. Statt mit seinem Ersatzmann – in diesem Falle Helder Postiga – abzuklatschen, verließ Figo das Feld auf der Gegenseite schritt mit versteinerte Miene und aufreizend langsam ums halbe Spielfeld herum direkt in die Kabine, wo er sich die letzten Minuten auf einem Fernseher ansah.

1:0 für Griechenland

Trotzdem schaffte es Portugal ins Finale im Estadio da Luz von Lissabon. Da warteten wie schon im Eröffnungsspiel die Griechen, die bereits zu diesem Zeitpunkt die Sensation der EM waren. Noch nie zuvor hatte sich Griechenland für eine Endrunde qualifizieren können. Gleich beim ersten Anlauf schockten die Spieler um Kapitän Theodoros Zagorakis die etablierten Fußball-Mächte Europas.

In der Vorrunde ließen sie Spanien hinter sich, im Viertel- und Halbfinale besiegten sie Titelverteidiger Frankreich und Mitfavorit Tschechien jeweils mit 1:0. Vater des Erfolges war Trainer Otto Rehagel, der sein Team mit einem antiken Spielsystem mit Libero (!) und zwei Innenverteidigern zum Titel führte und dabei so manchem neutralen Fußball-Fan die Tränen in die Augen trieb. Nach dem Endspielsieg gegen die Gastgeber – natürlich mit einem 1:0, erzielt durch den jetzigen Nürnberger Angelos Charisteas – wurde aus «Otto I.», wie er in seiner Zeit bei Werder Bremen genannt wurde, «Rehakles», der in Griechenland seitdem gottgleich verehrt wird.

Das spielerische Glanzlicht des Turniers setzten die Niederlande und die Tschechische Republik bereits in der Vorrunde. Ein Fußballfest der Extraklasse, bei dem die Holländer schnell mit zwei Toren in Führung lagen und am Ende von den entfesselt aufspielenden Tschechen mit 2:3 in die Knie gezwungen wurden. Tschechiens Milan Baros erzielte dabei einen seiner fünf Turniertreffer, womit er am Ende in der Torjägerliste ganz oben stand.

Deutschland raus, Völler weg

Über den Auftritt der deutschen Nationalmannschaft muss man erneut den Mantel des Schweigens hüllen. Zum zweiten Mal in Folge schied der Vize-Weltmeister von 2002 sang- und klanglos in der Vorrunde aus. Auf ein ein hoffnungsvolles 1:1 gegen die Niederlande folgte gegen den «Fußball-Zwerg» Lettland ein schauderhaftes 0:0. Im letzten Gruppenspiel gegen die B-Elf der bereits qualifizierten Tschechen offenbarte sich das ganze Elend: Ohne Ideen und mit schlechter Moral unterlag die Mannschaft von Bundestrainer Rudi Völler mit 1:2 und musste enttäuscht die Heimreise antreten. Völler, der sich in der vorangegangenen EM-Qualifikation mit dem berühmten Wutausbruch im Interview mit ARD-Reporter Waldemar Hartmann einen Platz im Kuriositätenkabinett deutschen Fernsehgeschichte gesichert hatte («Ich kann den ganzen Scheiß nicht mehr hören...»), trat anschließend als Teamchef zurück.

So überraschend der Ausgang des Turniers auch war, auf eines konnte man sich bei dieser Endrunde wieder verlassen: England schied wie gewohnt im Elfmeterschießen aus.

Die Endrunden-Teilnehmer der EM 2004:

Gruppe A: Portugal, Griechenland, Spanien, Russland
Gruppe B: Frankreich, England, Kroatien, Schweiz
Gruppe C: Schweden, Dänemark, Italien, Bulgarien
Gruppe D: Tschechien, Niederlande, Deutschland, Lettland

Die Mannschaft des Turniers:

Petr Cech (Tschechien) – Traianos Dellas, Giourkas Seitaridis (beide Griechenland), Ricardo Carvalho (Portugal), Gianluca Zambrotta (Italien) – Maniche (Portugal), Pavel Nedved (Tschechien), Theodoros Zagorakis (Griechenland) – Milan Baros (Tschechien), Cristiano Ronaldo (Portugal), Wayne Rooney (England)




 
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