EM-Spezial Teil 12 - Frankreich:
«Allez Les Bleus!»
05.05.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Dieses Mal: Vizeweltmeister Frankreich (Gruppe C zusammen mit Weltmeister Italien, Geheimtipp Rumänien und den Niederlanden). Lesen Sie am Donnerstag, 8. Mai, unser Porträt des Europameisters Griechenland.
Der Fußball muss sich in Frankreich immer gegen den Rugby durchsetzen, seinen historischen Bruder. Denn eine Rugby-Großmacht ist Frankreich auch, und bislang schien es noch nie so zu sein, dass die jeweiligen Nationalmannschaften zur gleichen Zeit gut waren.
Als amtierender Fußballvizeweltmeister steht Frankreich auf Platz sieben der Fifa-Weltrangliste. Die große Spielergeneration um Zinedine Zidane ist abgetreten.
Vergleicht man die Bilanz der Nationalmannschaft mit der der Klubs, schneiden die Vereine erstaunlich schlecht ab: Ein Europapokal der Landesmeister (1993 durch Olympique Marseille), ein Europapokal der Pokalsieger (1996 durch PSG) und noch nie ein Uefa-Cup.
Entsprechend bedeutungslos sind die großen Vereinsnamen für die guten Kicker und für die Nationalelf. Viele der Leistungsträger von Nationaltrainer Raymond Domench kicken in den finanzstarken ausländischen Ligen: Thierry Henry beim FC Barcelona, Claude Makélélé beim Chelsea FC oder Franck Ribery bei Bayern München.
Das Gesicht der frühen Achtziger war Michel Platini, das Mittelfeldgenie, das beim AS Saint-Etienne groß rauskam, und bei Juventus Turin zum Weltstar reifte. Jetzt ist der gebürtige Lothringer Uefa-Präsident.
Das Gesicht der späten Neunziger war vielleicht noch prägender, vielleicht, wahrscheinlich sogar, noch genialer: Zinédine Zidane. Der Sohn algerischer Einwanderer prägte nicht nur das Spiel seiner Vereine AS Cannes, Girondins Bordeaux, Juventus Turin, Real Madrid und auch der Nationalelf. Zidane war zugleich das Symbol für eine erfolgreiche Modernisierung der französischen Gesellschaft. Equipe multiculturelle wurde die Elf genannt, die 1998 Weltmeister wurde.
An die Bedeutung von Zidane und Platini kommen die Topstars des aktuellen Kaders, auch wenn sie Thierry Henry heißen und für Arsenal und Barcelona großartiges geleistet haben, nicht heran.
Gerade PSG hat viele rechtsextreme Anhänger, aus ihrem Umfeld kommt etwa die Hälfte der verurteilten Fußballgewalttäter und etwa ein Drittel der Straftaten. Nach einer inoffiziellen Statistik nahm die Zahl der Fußballgewalttaten in der Saison 2005/2006 um fast 30 Prozent zu.
Allein, sinnvolle und nachhaltige Fanarbeit wurde nur selten unternommen und staatlicherseits kaum finanziert. Der damalige Innenminister Nicolas Sarkozy, der heutige Staatspräsident, sprach lediglich davon, dass die Gewalt «ausradiert» werden müsse.
Das größte Stadion Frankreichs ist das Stade de France mit 80.000 Sitzplätzen. Das ist beinah noch multifunktionaler: Außer Fußball, u.a. zwei Champions-League-Finales, und Rugby, u.a. das WM-Finale, fand hier auch schon die Leichtathletik-WM und die die Motorsportveranstaltung Race of Champions statt.
Das Stade de France ist, wie der Name andeutet, das offizielle Nationalstadion Frankreichs. Diesen Ehrentitel trug vorher der Parc de Princes, in dem PSG spielt.
Für das Web ediert von Martin Krauss

