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EM-Spezial Teil 12 - Frankreich: 

«Allez Les Bleus!»

05. Mai 2008 10:37, ergänzt 08. Mai 2008 13:20
Der Vizeweltmeister: Frankreich bei der WM 2006
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.

Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor.

Dieses Mal: Vizeweltmeister Frankreich (Gruppe C zusammen mit Weltmeister Italien, Geheimtipp Rumänien und den Niederlanden). Lesen Sie am Donnerstag, 8. Mai, unser Porträt des Europameisters Griechenland.

Frankreich in der Fußballwelt

Wenn sich die Grande Nation auf Fußball konzentriert, also auf richtigen Fußball und nicht Rugbyfootball, dann war sie stets eine der besten Fußballnationen. Als der AS Saint Etienne 1976 ins Finale des Europapokals der Landesmeister vordrang, löste das in Frankreich eine Fußballbegeisterung aus, die zur erfolgreichen Bewerbung um die Ausrichtung der EM 1984 führte – und, wenn man schon zu Hause spielt, zum Gewinn des Titels.

Eine ähnliche Begeisterung, sogar eher noch größer, trug «les bleus», die Blauen, zur Weltmeisterschaft 1998, wiederum im eigenen Land, und zur Europameisterschaft 2000, gewonnen in den Nachbarländern Belgien/Niederlanden.

Der Fußball muss sich in Frankreich immer gegen den Rugby durchsetzen, seinen historischen Bruder. Denn eine Rugby-Großmacht ist Frankreich auch, und bislang schien es noch nie so zu sein, dass die jeweiligen Nationalmannschaften zur gleichen Zeit gut waren.

Als amtierender Fußballvizeweltmeister steht Frankreich auf Platz sieben der Fifa-Weltrangliste. Die große Spielergeneration um Zinedine Zidane ist abgetreten.

Klubs

Auch wenn die Stärke der Ligue 1 nachgelassen hat, so haben die großen französischen Vereine immer noch einen guten Klang im internationalen Fußball: Der amtierende Meister Olympique Lyon führt auch in dieser Saison die Tabelle an, gefolgt von Girondins Bordeaux und Olympique Marseille.

Ein Zeichen für die Schwäche ist PSG, ausgeschrieben Paris Saint-Germain Football-Club. Der Verein, der einmal zu Euorpas Spitze zählte und der seine Heimspiele im traditionsreichen Parc des Princes austrägt, kämpft in diesem Jahr gegen den Abstieg.

Vergleicht man die Bilanz der Nationalmannschaft mit der der Klubs, schneiden die Vereine erstaunlich schlecht ab: Ein Europapokal der Landesmeister (1993 durch Olympique Marseille), ein Europapokal der Pokalsieger (1996 durch PSG) und noch nie ein Uefa-Cup.

Entsprechend bedeutungslos sind die großen Vereinsnamen für die guten Kicker und für die Nationalelf. Viele der Leistungsträger von Nationaltrainer Raymond Domench kicken in den finanzstarken ausländischen Ligen: Thierry Henry beim FC Barcelona, Claude Makélélé beim Chelsea FC oder Franck Ribery bei Bayern München.

Helden

Frankreichs große Fußballphasen – die frühen Achtziger mit dem EM-Erfolg und die späten Neunziger mit WM- und EM-Erfolg – gehen auch mit der Geburt der ganz großen Helden einher.

Das Gesicht der frühen Achtziger war Michel Platini, das Mittelfeldgenie, das beim AS Saint-Etienne groß rauskam, und bei Juventus Turin zum Weltstar reifte. Jetzt ist der gebürtige Lothringer Uefa-Präsident.

Das Gesicht der späten Neunziger war vielleicht noch prägender, vielleicht, wahrscheinlich sogar, noch genialer: Zinédine Zidane. Der Sohn algerischer Einwanderer prägte nicht nur das Spiel seiner Vereine AS Cannes, Girondins Bordeaux, Juventus Turin, Real Madrid und auch der Nationalelf. Zidane war zugleich das Symbol für eine erfolgreiche Modernisierung der französischen Gesellschaft. Equipe multiculturelle wurde die Elf genannt, die 1998 Weltmeister wurde.

An die Bedeutung von Zidane und Platini kommen die Topstars des aktuellen Kaders, auch wenn sie Thierry Henry heißen und für Arsenal und Barcelona großartiges geleistet haben, nicht heran.

Fans

Der letzte schlimme Höhepunkt an Fangewalt im französischen Fußball hatte einen klar rechtsradikalen und antisemitischen Hintergrund: Im November 2006 rannten 150 Fans von PSG mit «Frankreich den Franzosen» auf den Lippen durch die Stadt und jagten Anhänger ihres Uefa-Pokal-Gegners Hapoel Tel Aviv. Ein israelischer Fan wurde ausfindig gemacht, ein schwarzer Zivilpolizist beschützte ihn, musste aber bald in ein Restaurant flüchten, wo die PSG-Hools ihm nachsetzten: Der Polizist schoss, ein 24-jähriger wurde getötet.

Gerade PSG hat viele rechtsextreme Anhänger, aus ihrem Umfeld kommt etwa die Hälfte der verurteilten Fußballgewalttäter und etwa ein Drittel der Straftaten. Nach einer inoffiziellen Statistik nahm die Zahl der Fußballgewalttaten in der Saison 2005/2006 um fast 30 Prozent zu.

Allein, sinnvolle und nachhaltige Fanarbeit wurde nur selten unternommen und staatlicherseits kaum finanziert. Der damalige Innenminister Nicolas Sarkozy, der heutige Staatspräsident, sprach lediglich davon, dass die Gewalt «ausradiert» werden müsse.

Stadien

Eine Besonderheit französischer Fußballstadien lässt sich an einem seiner größten, dem Stade Vélodrom in Marseille, am schönsten zeigen: Weil Fußball nicht unbedingt und zu jeder Zeit der Volkssport Nummer eins war, ist es auch Austragungsstätte für große Rugby-Spiele, zuletzt der Rugby-WM 2007. Und seinen Namen, der für eine Radrennbahn steht, hat es beibehalten, auch wenn mittlerweile dort keine Rennen mehr gefahren werden können: die Planken sind abgebaut worden. Jetzt passen 60.000 Fans hinein.

Das größte Stadion Frankreichs ist das Stade de France mit 80.000 Sitzplätzen. Das ist beinah noch multifunktionaler: Außer Fußball, u.a. zwei Champions-League-Finales, und Rugby, u.a. das WM-Finale, fand hier auch schon die Leichtathletik-WM und die die Motorsportveranstaltung Race of Champions statt.

Das Stade de France ist, wie der Name andeutet, das offizielle Nationalstadion Frankreichs. Diesen Ehrentitel trug vorher der Parc de Princes, in dem PSG spielt.

 
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