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EM-Spezial Teil 10 - Italien: 

«Forza Italia!»

29. Apr 2008 11:54, ergänzt 30. Apr 2008 12:15
Gli Azzurri, die Azurblauen: Stolzer Weltmeister 2006
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.

Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor.

Dieses Mal: Weltmeister Italien (Gruppe C zusammen mit den Niederlanden, Vizeweltmeister Frankreich und Geheimtipp Rumänien). Lesen Sie am Donnerstag, 1. Mai, unser Porträt Rumäniens.

Italien in der Fußballwelt

Der Fußball stammt aus Italien. Zumindest der Fußball, von dem man in Italien spricht. Italienisch ist nämlich die einzige Sprache der Welt, die ein nicht vom englischen Football abgeleitetes Wort für Fußball hat, sondern es nach der eigenen Tradition benennt: Calcio. Das war das fußballähnliche Turnier im Florenz der Renaissance.

Was heute gespielt wird, orientiert sich aber an der, auch wenn es in Italien nicht so genannt wird, aus England stammenden Fußballentwicklung. Und zwar sehr erfolgreich: Viermaliger Weltmeister! Amtierender Weltmeister! Zweimaliger Vizeweltmeister! Außerdem dritter und damit bester europäischer Verband der aktuellen Fifa-Weltrangliste! Wenn es nicht die im europäischen Vergleich erstaunlich schlechten Saisonleistungen der italienischen Klubs in diesem Jahr gäbe – einzig Florenz ist noch im Uefa-Cup vertreten -, müsste man vor der Squadra Azzurra in Ehrfurcht erstarren.

Die letzten Freundschaftsspiele fielen allerdings mal so, mal so aus: Portugal wurde 3:1 geschlagen, gegen Spanien unterlag das Team von Roberto Donadoni im März allerdings mit 0:1. In der EM-Qualifikation drohte sogar beim Spiel auf und gegen die Färöer Inseln eine Blamage: das Spiel wurde gerade mit 2:1 gewonnen.

Klubs

Die Namen der großen italienischen Klubs gehören zum Basiswissen schon der jüngsten Fußballfans in aller Welt: Juve, AC Milan, Inter. Die Namen versprühen die Eleganz des ganz großen Fußballs, und die Vereine sind auch das große Rückgrat des italienischen Calcio. Doch ihre Stärke bedeutet auch, dass sie die große Schwäche des italienischen Fußballs darstellen.

Das zeigte sich am deutlichsten 2006, als ein bis dahin undenkbarer Manipulationsskandal aufgedeckt wurde: Juve-Manager Luciano Moggi hatte jahrelang Schiedsrichter bestochen, Spiele verschoben und die Liga wie ein Mafiapate gelenkt. Ein Skandal, dem auch die Struktur der Großvereine entspricht: Juventus Turin ist der Fiat-Verein, und der AC Mailand gehört dem Immer-mal-wieder-Ministerpräsidenten und Medienunternehmer Silvio Berlusconi.

Der Umstand, dass die reichen Großvereine für den italienischen Fußball ein Problem darstellen, zeigt sich auch an anderer Stelle: Italien ist, neben Deutschland, dass modernisierungsfeindlichste Fußballland Europas. Hat man in Deutschland immerhin in den letzten Jahren angefangen, junge Migranten, die einen deutschen Pass haben, in die Verbandsauswahlen zu integrieren, so hält man das in Italien bis heute für überflüssig. Schließlich, denkt man sich, gelang der Weltmeistertitel 2006 auch so. Und die großen Klubs setzen wenig auf eine breite Nachwuchsförderung, denn sie können sich ja auf dem ganzen Spielerweltmarkt bedienen. Was einen Wandel bewirken könnte, wären Misserfolge. Und eventuell das weitere Sinken des Zuschauerzuspruchs. In der Serie A, der ersten Liga Italiens, geht der Ticketverkauf seit Jahren zurück. Im Dezember 2007 wollten gar nur 786 Zuschauer das Serie-A-Spiel zwischen Empoli und Cagliari sehen.

Helden

An die Helden der ersten zwei WM-Titel, errungen in den Jahren 1934 und 1938 und zwar auf eine nicht ganz saubere Art, an der Diktator Benito Mussoloni nicht unbeteiligt war, erinnert man sich in Italien nicht allzu intensiv. Giuseppe Meazza dürfte die Ausnahme sein. Er spielte bei AC und bei Inter Mailand, war schon als 20-Jähriger Nationalspieler – heute ist das Mailander Stadion nach ihm benannt.

Präsenter sind Namen wie Giuseppe Bergomi, Paolo Rossi, Dino Zoff oder Bruno Conti, die für den WM-Erfolg 1982 stehen.

Und noch präsenter ist die aktuelle Spielergeneration, die vor zwei Jahren gegen Frankreich den WM-Titel holte: Fabio Cannavaro, Francesco Totti, Luca Toni. Mit ihnen formte der damalige Trainer Marcello Lippi eine Mannschaft, die Lukas Podolski nach der Halbfinalniederlage Deutschlands gegen Italien ausstoßen ließ: „So ist Fußball, manchmal gewinnt der Bessere.“

Fans

Liest man deutsche Texte über italienische Fans, finden sich oft die Stereotypen von den Heißspornen, von überkochenden Temperamenten und den typischen Südländern. Damit werden aber die Ursachen für das Gewaltproblem in italienischen Stadien kaum bis gar nicht benannt.

Immer wieder sind Tote bei Auseinandersetzungen entweder zwischen Fangruppen untereinander oder mit der Polizei zu beklagen. Wie stark die Fußballgewalt entwickelt ist, war im vergangenen November zu besichtigen. Fans von Lazio Rom, die ohnehin als weitgehend rechtsradikal gelten, griffen in Rom mehrere Polizeistationen an!

Dennoch geschieht seitens der Vereine – die Seria A ist unabhängig vom Fußballverband – wenig, was man als Fanarbeit bezeichnen könnte. Die einzige überregionale Einrichtung ist Progetto Ultrà. Seit einigen Jahren wird hier klassische Sozialarbeit mit Fans geleistet. Progretto Ultrà wurde im Rahmen der Unione Italiana Sport per Tutti gegründet, ein eher linker Verband, der sich für Breitensport einsetzt, aber auch die Interessen von Fußballfans im Blick hat.

Stadien

Die Fußball-WM 1990, die in Italien stattfand, sorgte für umfangreiche Stadionmodernisierungen, von denen die Serie A bis heute profitiert.

Das Giuseppe-Meazza-Stadion beispielsweise dient mit seinen 80.000 Plätzen sowohl dem AC als auch Inter Mailand als Heimstadion und genügt höchsten Ansprüchen.

Juventus Turin spielt im Stadio Comunale, das seit den Olympischen Winterspielen 2006 Olympiastadion heißt. Dieser Umbenennung ging auch eine erneute gründliche Modernisierung des noch aus den Zeiten des italienischen Faschismus stammenden Stadionbaus voraus.

Im Olympiastadion von Rom, nicht erst für die Spiele 1960, sondern bereits 1927 erbaut, spielen AS und Lazio Rom. In diesem Stadion fand auch das WM-Finale 1990 und das EM-Finale 1980 statt – beide Male gewann Deutschland.

 
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