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EM-Spezial Teil 8: Polen: 

«Bialo-czerwoni!»

21. Apr 2008 10:49, ergänzt 24. Apr 2008 12:53
Polens Nationalteam beim letzten großen Auftritt: WM 2006 in Deutschland
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.

Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor.

Dieses Mal: EM-Neuling Polen (Gruppe B zusammen mit Gastgeber Österreich, Kroatien und Deutschland). Lesen Sie am Donnerstag, 24. April, unser Porträt der Niederlande: „Hup Holland“

Polen in der Fußballwelt

1972 war Polen Olympiasieger, 1974 wurde es WM-Dritter, 1976 holte es bei den Olympischen Spielen die Silbermedaille, 1978 erreichte es bei der WM immerhin die Zwischenrunde und 1982 wieder den dritten Platz. Polen gehörte in den siebziger Jahren zu den stärksten Fußballnationen der Welt. Da überrascht es, dass sich die „Bialo-czerwoni“, die Weiß-Roten, erst dieses Jahr zum ersten Mal zu einer Europameisterschaft qualifizieren konnten.

Zurzeit belegt Polen nur Platz 28 der Fifa-Weltrangliste, und das frühe Ausscheiden bei der WM 2006 – durch die 0:1-Niederlage in der Vorrunde gegen Deutschland in Dortmund – hat auch nicht gerade dafür gesorgt, dass man mehr Angst vor der polnischen Auswahl hat.

Dass Polen allerdings gute Fußballspieler hat, weiß man in Deutschland nicht nur durch die polnischstämmigen Lukas Podolski und Miroslav Klose. Auch Spieler wie Artur Wichniarek (Arminia Bielefeld), Lukasz Piszczek (Hertha BSC Berlin), Jacek Krzynowek (VfL Wolfburg) oder Jakub Blaszczykowski (Borussia Dortmund) sind hierzulande bekannt.

Nach der WM fing der Niederländer Leon Beenhakker als Nationaltrainer an, ein Mann, der immerhin schon die Niederlande bei der WM 1990 betreut hatte.

Klubs

Die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs in Polen hat enorm abgenommen. In der Ekstraklasa, wie die erste Liga heißt, spielen 16 Vereine, aber die Zuschauerzahlen selbst bei Traditionsklubs wie Legia Warschau, Widzew Lodz oder Lech Posen sind deutlich nach unten gegangen – der Zuschauerschnitt liegt bei etwa 8.000 pro Spiel.

Amtierender Meister ist Zaglebie Lubin, und an diesem Klub lässt sich die Misere des polnischen Fußballs gut verdeutlichen: Als es um die Qualifikation zur Champions League gegen Steaua Bukarest ging, durfte man nur 7.000 Zuschauer ins eigentlich 40.000 Leute fassende Stadion lassen. Und im Januar 2008 kam heraus, dass Zaglebie in einen Bestechungsskandal verwickelt war – nun muss der Klub in der nächsten Saison in der zweiten Liga antreten.

Der Niedergang hat ab 1990 eingesetzt, als der polnische Fußball mit nur zum Teil marktwirtschaftlichen, zum großen Teil vor allem korrupten Strukturen zu kämpfen hatte. Die großen Erfolge der polnischen ersten Liga fanden in früheren Zeiten statt: Legia Warschau war 1970 und 1991 jeweils im Halbfinale des Europapokals, Widzew Lodz schaffte das einmal, nämlich 1983. Und Gornik Zabrze stand 1970 sogar im Finale um den Europapokal der Pokalsieger.

Helden

An Spieler wie Grzegorz Lato und Zbigniew Boniek erinnert man sich sowohl in Deutschland als auch in Polen gut. Lato lief sich in der Regenschlacht im Halbfinale der WM 1974 gegen Deutschland legendär. Boniek spielte von 1982 bis 85 bei Juventus Turin und wurde dort zum internationalen Star.

Aber auch bei den aktuellen polnischen Spielern findet man Kicker mit Starqualität: Jerzy Dudek als Torwart von Real Madrid zum Beispiel (der freilich weder bei Real noch in der Nationalelf erste Wahl ist). Oder der auch aus der Bundesliga bekannte Stürmer Euzebiusz „Ebi“ Smolarek, der jetzt für Racing Santander in Spanien spielt.

Ein Problem des polnischen Fußballs ist, dass die heimische Liga sportlich so schlecht und finanziell so schlecht ausgestattet ist, dass sie nicht mal mehr die Funktion übernimmt, als Talentebecken interessant zu sein. So fehlen dem polnischen Fußball zurzeit seine Helden und man weiß nicht, wo sie herkommen sollen.

Nationaltrainer Beenhakker hat nun unter anderem den gebürtigen Brasilianer Roger Guerreiro von Legia Warschau ins Aufgebot berufen – er wartet noch auf seine Einbürgerung.


Fans

Die Fans in Polen sind der Grund für den Niedergang des polnischen Fußballs. Es gibt ein Gewaltproblem in einem Umfang, der in anderen europäischen Ländern kaum vorstellbar ist. Hooligans üben die Herrschaft über Stadien aus, so dass keine anderen Zuschauer sich mehr zu Spielen trauen.

Es gibt aber Gegenbewegungen, die auch Erfolge vorweisen können. Ob die Hooligans wirklich noch so erschreckend in Stadien präsent sind, wird von einigen Fans bestritten.

Zu den Lichtblicken des polnischen Fußballs gehört der Verein «Nigdy wiecej», zu deutsch: Nie wieder!. Es ist eine Antirassismus-Initiative, die 1996 gegründet wurde und sich vor allem im Fußballbereich zeigt. Unter anderem entwickelte Nigdy wiecej die Kampagne „Wir kicken den Rassismus aus den Stadien«, die sich vor allem an Fans wandte.

Stadien

Auf die Fußball-EM 2012, die von Polen gemeinsam mit der Ukraine ausgerichtet wird, werden viele Hoffnungen gesetzt: Sowohl was die Fanarbeit (und ihre finanzielle Ausstattung) angeht, als auch bezüglich der sportlichen Attraktivität der Ekstraklasa als auch bezüglich der Stadien.

In Warschau soll ein Nationalstadion errichtet werden, das auf modernstem Stand 55.000 Zuschauer beherbergen soll. Auch in Wroclaw und in Gdansk entstehen komplett neue Stadien.

Den schon vorhandenen Spielstätten misstraut man in Polen. Das Wisla-Stadion in Krakau etwa wird nur peu à peu renoviert, das Stadion Slaski in Chorzow, das zurzeit als Nationalstadion genutzt wird und 47.000 Fans beherbergt, gilt als Notlösung. Vor allem wird es in Polen für Speedwayrennen genutzt.

 
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