EM-Spezial Teil 7 - Deutschland:
Schwarz-Rot-Geil
17. Apr 2008 14:37, ergänzt 18. Apr 2008 09:28
 |  Mit Staubwedel, Wischmopp und Nationalgefühl: Deutscher Fan während der WM 2006 | Foto: dpa |
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.
Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor. Dieses Mal: Titelfavorit Deutschland (Gruppe B zusammen mit Gastgeber Österreich, Kroatien und Polen). Lesen Sie am Montag, 21. April, unser Porträt Polens.
Deutschland in der Fußballwelt
Wie sich Deutschland international präsentiert? In zwei Worten: Immer gut. Dreimal war Deutschland Weltmeister, dreimal Europameister, zweimal hat es die WM schon ausgerichtet, zweimal die EM. Die deutschen Vereine spielen, über die Jahre betrachtet, immer gut im Europapokal mit, und dass in diesem Jahr lediglich Schalke das Viertelfinale der Champions League erreicht hat, lässt hier niemand erschauern. Dafür spielt doch Bayern München im Uefa-Pokal gut mit. Und das Land, in dem die, unter Champions-League-Gesichtspunkten, augenscheinlich stärkste Liga der Welt, England, nicht dabei ist, nimmt man auch gerne zur Kenntnis.
Auf der Fifa-Weltrangliste ist Deutschland auf Platz fünf gut gerankt – immerhin vor Vizeweltmeister Frankreich. Und noch weniger Sorgen macht man sich, schaut man auf die letzten Länderspiel-Ergebnisse: Mit 3:0 wurde EM-Gastgeber Österreich geschlagen, mit 4:0 Kogastgeber Schweiz. Auch in der Qualifikation gab es, bis auf einen beinah schon eingeplanten Aussetzer gegen Tschechien (0:3 in München) keine Pannen.Was Bundestrainer Joachim Löw mit Erfolg vorwärts treibt, ist das Projekt seines Vorgängers, Jürgen Klinsmann, der den DFB „auseinander nehmen“ wollte und dies auch tat.
Klubs
Der FC Bayern erscheint manchem als FC Deutschland. Bis auf wenige Ausnahmen waren in den drei Jahrzehnten die Meisterschaften von dem Duell Bayern gegen irgendeinen anderen geprägt: Bayern-Mönchengladbach, Bayern-HSV, Bayern-Dortmund, Bayern-Bremen, Bayern-Leverkusen, Bayern-Schalke. Oder, wie in dieser Saison: Der FC Bayern München enteilt einfach der Konkurrenz. Der bleibt nur noch, sich um Platz zwei zu streiten.
Der FC Bayern ist, beinah selbstverständlich, auch der letzte deutsche Klub, der die Champions League gewonnen hat – im Jahr 2001. Die Dominanz des Klubs drückt sich auch in der Zahl der Meisterschaften aus: 20 mal insgesamt, davon 19 seit Einführung der Bundesliga.Doch die Bayern-Erfolge verstellen, dass die Bundesliga homogener ist als so manch andere europäische Liga, mit der man sie vergleichen könnte. Vereine wie der amtierende Meister VfB Stuttgart, wie der Champions-League-Viertelfinalist Schalke 04, der auch der letzte deutsche Uefa-Cup-Sieger ist, wie Werder Bremen, Meister im Jahr 2004 und Europapokalsieger im Jahr 1992, oder wie Borussia Dortmund, 1997 Champions-League-Sieger, sorgten stets dafür, dass die Bundesliga nicht zur Bayern-Gala verkommt.
Helden
Mit den Helden ging’s im deutschen Fußball allerspätestens 1954 los: aus dem Hintergrund musste Rahn schießen, und Rahn schoss, und die „Helden von Bern“ feierten nach dem 3:2-Sieg über Ungarn die erste Weltmeisterschaft. Neben Helmut Rahn war es vor allem das Mittelfeldgenie Fritz Walter, das den deutschen Fußball der fünfziger Jahre prägte.In den Sechzigern war es der Hamburger Mittelstürmer Uwe Seeler, der als „uns Uwe“ identitätsstiftend wirkte und durch seine aufopferungsvolle Art zu spielen, auch am erfolgreichsten die berühmten deutschen Tugenden verkörperte: Uwe kam über den Kampf ins Spiel, Uwe gab bei Rückstand nicht auf – und Uwe lehnte, wie vor ihm schon Fritz Walter, Angebote aus dem Ausland ab.
Die Siebziger gehörten Franz Beckenbauer. Der Münchner erfand den Libero neu, eine Art Mittelfeldabwehrspieler, und gab dem deutschen Fußball eine Leichtigkeit, die er bis dahin nicht besessen hatte.
An die Überfigur Beckenbauer haben andere Spitzenspieler wie Matthias Sammer oder Lothar Matthäus nicht heranreichen können, und auch die heutige Spielergeneration um Michael Ballack bekommt via Boulevardschlagzeilen die Omnipräsenz des heutigen Bayern-Aufsichtsratsvorsitzenden, DFB-Vizepräsidenten, Ex-WM-OK-Präsidenten und Lichtfigur zu spüren.
Fans
In der von Vereinen geprägten Fanszene Deutschlands ragen eine Reihe von überregionalen Verbänden hervor. Am aktivsten ist Baff, das Bündnis Aktiver Fußballfans. Es existiert seit 15 Jahren und führt, nach Selbstauskunft, den „Kampf gegen Rassismus und Diskriminierung, gegen die übertriebene Kommerzialisierung des Fußballs mit all ihren negativen Auswirkungen (Versitzplatzung, TV-Allmacht, Terminwillkür, Preiserhöhungen, ungerechte Ticketvergabe, Showprogramme usw.) und gegen die zunehmende Repression von Seiten der Polizei und der Ordnungskräfte“.
Ähnlich wie Baff ist „Pro Fans“ ausgerichtet. Es ist aber eher ein Zusammenschluss verschiedener Vereinsfanclubs und –projekte, und es versteht sich, anders als Baff, nicht als so politisch: „Pro-Fans unterstützt die Interessen von Fußballfans, die - daheim wie auch auswärts - eine stimmungsvolle, bunte, laute, bewegte, von Spaß und Freude dominierte Stadionatmosphäre tragen, die die Mannschaft des eigenen Vereins lautstark und ideenreich unterstützen und die Schwächen des sportlichen
Gegners augenzwinkernd aufs Korn nehmen.“ So steht es in der Selbstbeschreibung.Ein nicht ganz bundesweit übergreifender Zusammenenschluss ist „Unsere Kurve“. Hier sind viele Fanclubs zusammen, die sich als größte deutsche Interessenvertretung sehen. Wie bei Pro Fans geht es um den Erhalt der Freiräume für Fans und den Erhalt der Fankultur. Das heißt vor allem, dass man über Stadionordnungen und Eintrittsprise mit den Vereinen spricht.
Stadien
Ob die Bundesliga noch, wie es in den Siebzigern und Achtzigern gerne hieß, „die stärkste Liga der Welt“ ist, darf, wenn man sich den Fußball in England, Italien oder Spanien anschaut, ruhig bezweifelt werden. Aber, nicht zuletzt dank der Fußball-WM 2006, die Stadien in Deutschland sind modern und vorzeigbar.Die jahrelang größte deutsche Arena ist das Berliner Olympiastadion, nach diversen Umbauten fasst es nur noch 74.000 Zuschauer – und ist damit im Vergleich zum Dortmunder Signal-Iduna-Park nur noch das zweitgrößte. Aber hier findet alljährlich das „deutsche Wembley“ statt, das Finale um den DFB-Pokal sowohl der Männer als auch der Frauen.
Das modernste Stadion ist die Allianz-Arena in München, Heimstätte von Bayern München und dem TSV 1860 München. Je nachdem, ob Bayern, ob Sechzig oder ob jemand anderes, beispielsweise die Nationalmannschaft dort spielt, leuchtet die Halle rot, blau oder weiß. 69.000 Fans können sich dort Spiele anschauen. Wie auch in der Schalker Veltins-Arena hat sie ein Dach, das man zufahren kann.
Für das Web ediert von Martin Krauss