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EM-Spezial Teil 5 - Österreich: 

«Felix Austria»

10. Apr 2008 15:04
Gastgeber Österreich: Die Maskottchen sind auf Augenhöhe mit der Fußballwelt
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.

Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor.

Dieses Mal: Österreich (Gruppe B zusammen mit Deutschland, Kroatien und Polen). Lesen Sie am Montag, 14. April, unser Porträt von Kroatien.

Österreich in der Fußballwelt

Der historische Tiefstand ist erreicht. In der Fifa-Weltrangliste vom April 2008 rangiert Österreich auf Platz 102. Das liegt nur zum Teil daran, dass das Land als Gastgeber der EM keine Qualifikationsspiele bestreiten musste und folglich nicht gewertet wird. Es liegt auch am schwachen Auftreten in den letzten Spielen. Der letzte Sieg gelang der ÖFB-Elf im Oktober 2007 über die Elfenbeinküste, ansonsten im gesamten laufenden und vorhergehenden Jahr: kein einziger Sieg.

Da möchte man kaum glauben, dass der österreichische Fußball in den zwanziger und dreißiger Jahren zu den besten der Welt zählte. 1924 wurde hier die erste Profiliga auf dem europäischen Kontinent eingeführt. Zur WM 1934 fuhr das österreichische Wunderteam als klarer Favorit, und wurde erst durch den Gastgeber Italien auf bis zum heutigen Tag skandalöse Weise gestoppt: Im Halbfinale benachteiligte der von Italiens Diktator Benito Mussolini gehätschelte Schiedsrichter, Ivan Eklind aus Schweden, die Österreicher konsequent: Einmal köpfte der Schiedsrichter sogar eine österreichische Flanke persönlich weg.

Zu den immerhin kulturell wichtigen Erfolgen der österreichischen Nationalmannschaft gehört in jedem Fall Cordoba 1978: Im letzten Spiel der Finalrunde schlug Österreich Deutschland mit 3:2 aus dem Turnier – „I wer narrisch“, rief Fernsehkommentator Edi Finger ins Mikrofon. „Jetz hammas gschlagn!“

Spätere Triumphe blieben selten; man erinnert sich eher an Schlappen. 1990 verlor das Team, das damals von Josef Hickersberger trainiert wurde, gegen die Färöer Inseln. Heute ist Hickersberger wieder der Trainer, nachdem Hans Krankl die Qualifikation für die WM 2006 verpasst hatte.

Klubs

Die großen Klubs Österreichs sind die Wiener Klubs. Vor allem Rapid Wien mit 31 und Austria Wien mit 23 Meistertiteln haben in den letzten Jahrzehnten den Fußball geprägt. Amtierender Meister ist allerdings Red Bull Salzburg, der früher Austria Salzburg hieß. Rapid und Red Bull liefern sich auch in der laufenden Saison ein Duell um die Meisterschaft.

Ganz große internationale Erfolge konnten die österreichischen Klubs in den letzten Jahrzehnten nicht mehr feiern, was sich auch in der relativen Finanzknappheit der Liga widerspiegelt: Etwa 70 Prozent der Spieler sind Österreicher, aus Deutschland beispielsweise gehören nur Steffen Hofmann (Rapid Wien) und Alexander Zickler (Red Bull Salzburg) zu den Leistungsträgern. Einzig Red Bull Salzburg, hinter dem der gleichnamige Getränkekonzern steht, versucht mit großem Mitteleinsatz, wozu auch der noch bis Saisonende amtierende Cheftrainer Giovanni Trapattoni zählt, sich von der Konkurrenz abzusetzen.
Welche Helden der österreichische Fußball hervorgebracht hat, lässt sich am Jahrhundertsturm, den das Boulevardblatt „Kronenzeitung“ 1999 ermittelte, erkennen: Krankl – Sindelaar – Polster. Matthias Sindelaar, „der Papierne“, der mit seiner körperlosen Eleganz in den dreißiger Jahren auch den Schriftsteller Friedrich Torberg faszinierte; Hans Krankl, der mit seiner bulligen Art in den siebziger und achtziger Jahren als Stürmer große Erfolge feierte, die ihn auch beim FC Barcelona spielen ließen; und Toni Polster, der in den Neunzigern auch in der Bundesliga durch seine Engagements beim 1. FC Köln und bei Borussia Mönchengladbach bekannt wurde.

Sindelaar, Krankl und Polster stehen für je große Phasen des österreichischen Fußballs und für ein je groß zur Schau getragenes Selbstbewusstsein. Von den heutigen Spielern im Kader fällt bislang keiner als Held auf, wenngleich Trainer Hickersberger auf etliche Talente setzt. Beispielsweise den 21-jährigen Sebastian Prödl, der nach der EM von Sturm Graz zu Werder Bremen wechseln wird.

Fans

Österreich hat eine große Fußballkultur, und das heißt immer auch: Fankultur. Zu den österreichischen Beiträgen mit bleibendem Wert gehört die Rapidviertelstunde: 15 Minuten vor Schluss peitschen die Fans durch Klatschen ihr Team noch mal noch vorne. Die Tradition geht in das Jahr 1921 zurück, als Rapid Wien einmal 15 Minuten vor Schluss 3:5 zurücklag und dennoch mit 7:5 gewann – dank der Fans, die nicht aufhörten, an den Erfolg zu glauben.

Wie kritisch die Fanszene in Österreich zurzeit noch ist, offenbarte sich, als eine Unterschriftenaktion „Österreich zeigt Rückgrat“ gestartet wurde, um Österreichs Nationalelf von der EM zurückzuziehen. Die Fans hatten Angst, dass sich die Auswahl blamiert.

Zu den nachlesbaren und lesenswerten Erscheinungsformen der österreichischen Fanszene gehört der „Ballesterer“, ein unabhängiges „Magazin zur Erweiterung des Fußballhorizonts“, wie es im Untertitel heißt. Der „Ballesterer“ hat eine Auflage von 15.000 Exemplaren und behandelt auch Themen wie die EM aus Fansicht kritisch.

Stadien

Für die EM wurden die österreichischen Stadien gründlich modernisiert. Das Finale wird, ebenso wie das Spiel Deutschland-Österreich am 16. Juni, im Ernst-Happel-Stadion ausgetragen. Mit über 50.0000 Plätzen ist es das größte Stadion Österreichs. Es ist auch Austragungsort der Derbys der Wiener Fußballvereine. Das Ernst-Happel-Stadion hieß früher Praterstadion.

In Innsbruck findet sich das Tivoli-Neu. In dem erst im Jahr 2000 eröffneten Stadion trägt Wacker Innsbruck seine Heimspiele aus. Für die EM wird auch die Hypo Group Arena genutzt, die früher Wörtherseestadion hieß. Es ist das Heimstadion von Austria Kärnten.

Als letztes großes EM-Stadion ist Wals-Siezenheim zu nennen, am Stadtrand von Salzburg. Die Arena wurde erst 2003 fertiggestellt und fasst im Normalfall 32.000 Zuschauer. Ob es nach der EM auf eine kleinere Größe zurückgebaut werden muss, ist Gegenstand eines heftigen Streits. Der amtierende Meister Red Bull Salzburg spielt hier.


 
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