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EM-Spezial Teil 4 – Türkei:: 

«Türkye, Türkiye»

07. Apr 2008 12:50, ergänzt 16:34
Fankultur in der Türkei
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.

Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor.

Dieses Mal: die Türkei (Gruppe A zusammen mit Gastgeber Schweiz, den Mitfavoriten Tschechien und Portugal). Lesen Sie am Donnerstag, 10. April, unser Porträt des Gastgebers Österreich.

Die Türkei in der Fußballwelt

Die Stärke des türkischen Fußballs liegt in der Türkei, nicht in den finanzstarken europäischen Ligen. Nur drei aktuelle türkische Nationalspieler beispielsweise kicken in der deutschen Bundesliga: Yildiray Bastürk (VfB Stuttgart) und die Altintop-Brüder (Schalke und Bayern). Dazu kommt noch das große Talent Ceyhun Gülselam vom Regionalligisten Unterhaching. Von den 31 Kickern im erweiterten Kader von Nationaltrainer Fatih Terim finden sich 21 aus der türkischen Süper Lig.

Diese Politik, eher auf die Talente einer starken eigenen Liga zu setzen, hat die Türkei in den letzten Jahren zu einigen Erfolgen geführt, auch wenn die WM-Teilnahme 2006 nicht gelang. Aber der dritte Platz bei der WM 2002 und das Erreichen des Viertelfinals bei der EM 2000 gelten nicht zu unrecht als Erfolge.

Zurzeit belegt die Türkei Platz 18 der Fifa-Weltrangliste, hinter Kamerun, aber vor Russland und Polen. Wie wenig die jedoch über den wirklichen sportlichen Wert aussagt, ist schon des Öfteren bewiesen worden.

Klubs

Die Basis des türkischen Vereinsfußballs sind die Istanbuler Klubs: Fenerbahce, Besiktas und vor allem Galatasaray. Diese Klubs stellen auch so etwas wie die Wiege des türkischen Fußballs dar. 1905 entstand Galatasaray, 1907 Fenerbahce und 1910 wurde die Fußballabteilung des Besiktas Gymnastik Klub gegründet. Und es sind auch diese Klubs, die die großen Erfolge des türkischen Fußballs erreichten. Zuvörderst der Uefa-Cup-Sieg von Galatasaray im Jahr 2000, zuletzt der 2:1-Sieg von Fenerbahce in der Champions League über Chelsea FC.

Die Nicht-Istanbuler Klubs haben es schwer. Dass sie dennoch Potenzial haben, bewies unter anderem Genclerbirligi Ankara in der Uefa-Cup-Saison 2003/2004 kam der Klub völlig überraschend ins Achtelfinale.

Auch wenn deutsche Vereine, anders als man es in Deutschland gerne glaubt, nicht das Gros der türkischen Nationalspieler stellen, so hat es in den letzten Jahren stets eine enge Kooperation zwischen der Türkei und Deutschland gegeben. Das sind zum einen viele deutsche Trainer, wie der 73-jährige Kalli Feldkamp, der bei Galatasaray Istanbul allerdings jüngst seinen Dienst quittiert hat. Zuvor waren bereits Werner Lorant (Kasimpasa), Reinhard Stumpf (Genclerbirligi) und Hans-Peter Briegel (MKE Ankaragücüha) in dieser Saison als Übungsleiter bei türkischen Vereinen angestellt.

Darüber hinaus haben auch etliche Süper-Lig-Klubs Kooperationen mit türkischen Vereinen in Deutschland. Am bekanntesten wurde die Kooperation von Ankaraspor mit dem Traditionsverein Berliner AK. Gegründet als Berliner Atletik-Klub wurde der Verein 2006 in Berlin Ankaraspor Kulübü umbenannt und sollte vor allem als Ausbildungszentrum fungieren. Zu Beginn der Saison 2007/08 zog sich aber die türkische Seite aus dem Geschäft zurück.

Helden

An türkischen Fußballhelden mangelt es nicht, auch wenn in Deutschland vielleicht viele nur an Jupp Derwall, Christoph Daum oder Kalli Feldkamp denken.

Hakan Sükur ist nicht nur Rekordtorschütze der türkischen Auswahl, er wurde im Jahr 2000 auch als erster türkischer Spieler Torschützenkönig im Uefa-Cup. Im Jahr 1997 ernannte der (leicht obskure) Fußballstatistikerverband IFFHS Sükür sogar zum weltbesten Erstligatorschützen.

Zu den großen Talenten gehört auch der im Ruhrgebiet geborene Yildiray Bastürk, der im Mittelfeld des deutschen Meisters VfB Stuttgart agiert.

Fans

Dass Fanprobleme mitunter auch Gesellschaftsprobleme sind, also auch etwas mit dem Fußball selbst zu tun haben können, offenbarte sich im November 2005. Nach dem WM-Qualifikationsspiel gegen die Schweiz – die Schweiz hatte mit 4:2 gewonnen – kam es zu Ausschreitungen, zunächst auf dem Platz, dann auf den Rängen.

Auch in der türkischen Süper Lig kommt es immer wieder zu Ausschreitungen und Exzessen. Im September 2007 wurde beispielsweise bei einem Streit zweier Fangruppen von Besiktas Istanbul ein Fan erschossen.

Im Jahr 2006 hatten Fans von Bursaspor mit Hilfe von Morddrohungen verhindert, dass es in dieser Stadt zu einer Schwulen- und Lesben-Demonstration kommt.

Ein völliges Fehlen von Fanarbeit beklagte der inzwischen bei Galatasaray aus dem Amt geschiedene Trainer Kalli Feldkamp, als er im Sommer 2007 in die Türkei zurückkehrte: «Da gibt es keine Fanbetreuer, da fehlen Leute, die Fanprojekte planen und anbieten, die von Vereinen und dem türkischen Fußballverband mitgetragen werden. Dass zum Beispiel Fans von Fenerbahce bei Besiktas nicht rein durften und umgekehrt, ist eine unannehmbare Ausgrenzung, die nur noch mehr Gewalt provoziert.»

Stadien

Die türkischen Stadien sind wie der türkische Fußball: Groß, unterschätzt, modernisierungsbedürftig. Die Funktion des Nationalstadions übernimmt das Atatürk Olimpiyat Stadyumu in Istanbul. Gebaut2001 anlässlich der Olympiabewerbung Istanbuls, sollte es auch Heimspielstätte von Galatasaray werden. Aber die Fans setzten sich erfolgreich für das Ali-Sami-Yen-Stadion ein. Hier passen nur 24.000 Fans hinein, während im Atatürk-Olympiastadion über 80.000 Zuschauer Platz haben. Lediglich zu Europapokalauftritten geht Galatasaray ins neue Stadion.

Parallel dazu wird ein neues Ali-Sami-Yen-Stadion gebaut: Das fasst 55.000 Zuschauer und soll sowohl die Fanbedürfnisse befriedigen als auch den gewachsenen Anforderungen eines Spitzenklubs entsprechen.

Berühmt sind auch das Sükrü Sarcoglu von Fenerbahce Istanbul und das Inönu-Stadion von Besiktas. (nz)

 
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