EM-Spezial Teil 3 - Portugal:
«Vamos la Portugal»
03. Apr 2008 11:10, ergänzt 08. Apr 2008 15:05
 |  Portugals Fußball in den Klauen seiner Fans | Foto: dpa |
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.
Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor.Dieses Mal: Portugal, Gastgeber der letzten EM 2004 und auch dieses Mal wieder Favorit (Gruppe A zusammen mit Gastgeber Schweiz, Tschechien der Türkei). Lesen Sie am Montag, 7. April, unser Porträt der Türkei: «Türkiye, Türkiye».
Portugal in der Fußballwelt
Wenn es eine europäische Mannschaft gibt, die als brasilianisch gilt, dann Portugal. Seit Jahrzehnten zur europäischen Spitze gehörend, aber noch nie von einem großen Turnier mit Titel zurückgekehrt. Dass die Seleccao (mit zwei «C», anders als die brasilianische Auswahl) nun als Vizeeuropameister zur EM fährt, verweist auf ihren größten internationalen Erfolg. Am bemerkenswertesten daran ist vermutlich, dass dort von der Goldenen Generation des portugiesischen Fußballs nur noch Luis Figo dabei war und der auch nicht überzeugte. In den Jahren 1989 und 1991 hatte Portugals U-20 überlegen die Weltmeisterschaften erspielt, doch auch diese Spielergeneration, zu der außer Figo auch noch Rui Costa und Joao Pinto gehörten, hatte es nicht geschafft, einen Titel zu holen.
Wie gut Portugal trotz fehlender Titel dasteht, zeigt sich in der Fifa-Weltrangliste. Auf Platz acht wird das Team des brasilianischen Trainers Luiz Felipe Scolari gelistet, besser als die Niederlande oder Titelverteidiger (und Albtraumgegner) Griechenland. Gegen das Team von Otto Rehhagel verlor die Seleccao nicht nur das EM-Finale 2004, sondern auch Ende März in Düsseldorf ein Freundschaftsspiel.
Klubs
Die portugiesische erste Liga, nach einem Sponsor Bwin-Liga genannt, wird von drei Vereinen geprägt: Benfica Lissabon, Sporting Lissabon und dem FC Porto. Lediglich der Boavista FC konnte einmal, als Meister des Jahres 2001, in diese Phalanx vorstoßen. Sonst hat es seit 1946 kein anderer Verein geschafft, portugiesischer Meister zu werden.In den letzten Jahren war vor allem der FC Porto der wichtigste internationale Repräsentant Portugals. 2004 gewann der Klub die Champions League. 1987 deren Vorgängerwettbewerb, den Europapokal der Landesmeister. Seit dem Weggang des Erfolgstrainers José Mourinho konnte sich der Klub aber nicht mehr ganz oben in der Fußballwelt halten.
Benfica Lissabon ist über die letzten Jahrzehnte hinweg betrachtet, die erfolgreichste portugiesische Mannschaft. 1961 und 1962 gewann man den Europapokal der Landesmeister und war insgesamt sieben Mal dort im Finale, zuletzt 1990. Ganze 31 Mal gewann Benfica die nationale Meisterschaft.
Sporting Lissabon gewann nur einmal den Europapokal, 1964 den der Pokalsieger, und steht mit nur 18 nationalen Titeln im Vergleich zu Porto (22) und Benfica (31) eher schlecht da.Was die portugiesische Liga, die ihre Stars kaum halten kann, immer wieder stark hält, ist, dass sie ein sehr attraktiver Arbeitsmarkt für talentierte afrikanische Fußballer geworden ist.
Helden
Portugal hat und hatte viele exzellente Fußballer, doch nur einen Helden: Eusebio. Der Mann, der im heutigen Mosambik geboren wurde – das Land wurde erst 1975 von Portugal unabhängig -, begleitete mit seinen Toren und Vorlagen den Aufstieg des portugiesischen Fußballs in den sechziger Jahren vor. Als 20-jähriger wurde er 1962 gleich Europapokalsieger der Landesmeister, drei Jahre später war er Europas Fußballer des Jahres. Doch richtig legendär wurde Eusebio bei der WM 1966 in England. Im Viertelfinale gegen Nordkorea lag Portgual 0:3 zurück, als Eusebio das Spiel an sich riss: Vier Tore schoss der Stürmer von Benfica Lissabon, ein fünftes bereitete er vor, und Portugal gewann noch 5:3.Die anderen Stars des portugiesischen Fußballs haben den großen Nachteil, so etwas noch nicht geleistet zu haben. Die Goldene Generation um Luis Figo und Rui Costa schaffte weder einen großen Titel noch eine annähernd so große Sensation. Auch jüngere Spitzenspieler wie Deco vom FC Barcelona oder Cristiano Ronaldo von Manchester United haben den Eusebio-Bonus nicht.
Fans
Die meisten Fans des portugiesischen Fußballs ranken sich um die drei großen Vereine. Diese Klubs haben auch ein durch Hooligans verursachtes Gewaltproblem, das manchmal auf die Nationalmannschaft abfärbt: Zur WM 2006 hatten portugiesische Hools angekündigt, anlässlich des Spiels gegen Portugals frühere Kolonie Angola auf den Putz zu hauen, doch dazu kam es nicht.
Die drei großen Klubs haben auch treue Ultra-Anhänger, und auch nur bei den Spielen dieser Teams untereinander kommt es zu Problemen. Die Diabos Vermelhos von Benfica Lissabon sind auch international bekannt, und auch die Super Dragoes vom FC Porto haben sich einen Ruf erabeitet.
Stadien
Wie bei den Fans und in der Meisterschaft, so sind auch bezüglich der Stadionlandschaft vor allem die Arenen von Sporting, Benfica und dem FC Porto interessant. Ein wenig hat sich das dank der Euro 2004 geändert, als auch in anderen Teilen Portugals in Stadionbau oder –modernisierung investiert wurde. Das Estadio da Luz, in dem Benfica spielt, war auch Austragungsort des EM-Finals 2004. In den vor der Euro gründlich modernisierten Bau passen 65.000 Zuschauer.
Sporting Lissabon kickt in einer etwas kleineren Arena, dem José-Alvalade-Stadion, das eigens für die EM 2004 errichtet wurde. 52.000 Fans passen hier rein.
Die Eröffnungszeremonie der Euro fand im Estádio do Dragao des FC Porto statt. Auch diese 50-000-Plätze-Arena wurde eigens für die EM errichtet. In das Stadion integriert ist ein Einkaufszentrum. Alle drei Großstadien sind auch die Austragungsstätten der Heimspiele der Seleccao. (nz)
Für das Web ediert von Martin Krauss