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Wenn alles spricht und einer schweigt: 

Jens Lehmann und die T-Frage

26. Mrz 2008 13:24, ergänzt 15:41
Jens Lehmann: Nationaltorhüter im Visier
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Die Experten überschlagen sich in guten Ratschlägen - und im Hintergrund lauern die Herausforderer. Jens Lehmann droht nach dem Spiel in der Schweiz eine lange Wettkampf-Pause.

Auch nach dem Länderspiel in Basel werden die Debatten über die Torwart-Frage in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft nicht verstummen. «Es wird schwer, dass in das Thema Ruhe einkehrt», sagte Oliver Bierhoff bereits vor dem Anpfiff am Mittwoch weitere unruhige Wochen bis zur Europameisterschaft im Juni voraus. «Wir haben diese schwierige Situation, das weiß Jens auch», ergänzte der DFB- Teammanager, meinte aber auch: «Jens braucht häufig den Druck. Ich bin überzeugt, dass er diesem Druck standhalten kann.»

Derzeit deutete vieles darauf hin, dass die deutsche Nummer 1 ins EM-Vorbereitungscamp am 19. Mai auf Mallorca ohne jeden weiteren Pflichtspiel-Einsatz anreisen wird - das gab es in der jüngeren Geschichte des DFB nie. Lehmanns Hoffnung, beim FC Arsenal doch wieder erste Wahl zu sein, haben sich bisher nicht erfüllt. Joachim Löw aber sieht den 38-Jährigen weiter bereit für die EM-Aufgabe. «Jens trainiert sehr hart und sehr intensiv, macht viele Zusatzschichten. Er hat klare Vorstellungen davon, wie er sich vorbereitet», berichtete der Bundestrainer nach einem Telefonat mit Arsenal-Coach Arsène Wenger.

Rede-Boykott

Unter welcher besonderen Anspannung der Keeper steht, verdeutlichte in Basel seine Ankündigung, vor und nach dem Testspiel gegen die Schweiz nicht mit den Medien sprechen zu wollen. «Jens hat klargemacht, dass er sich auf das Sportliche konzentrieren und nicht gleich wieder vor die Mikrofone treten will», bestätigte DFB-Mediendirektor Harald Stenger entsprechende Medienberichte. Im Schweizer «Sportmagazin» hatte Lehmann seinen Rede-Boykott angekündigt: «Warum muss ich mich eigentlich stellen? Das werde ich nicht mehr tun. Keine Chance.»

Torwart-Gipfel

In Basel hatte Löw sein voraussichtliches EM-Trio Lehmann, Timo Hildebrand und Robert Enke zu einem Torwart-Gipfel zusammengebracht, «um einfach die Situation zu erläutern, wie wir sie sehen, über Stärken und Schwächen zu sprechen und darüber, was wir erwarten», berichtete Löw ohne Einzelheiten zu nennen. Bierhoff deutete an, dass die sportliche Leitung durchaus verschiedene Szenarien durchgespielt hat: «Wir haben das auch intern diskutiert.» Derzeit wird wohl eine Lösung mit den derzeitigen Platzhirschen Lehmann, Hildebrand und Enke favorisiert.

«Revolutionäre Zukunftslösung»

Der «Kaiser» hält als deutsches Fußball-Gewissen aber auch eine revolutionäre Zukunftslösung für denkbar: Löw nominiert mit dem Schalker Manuel Neuer (21 Jahre) und dem Leverkusener René Adler (23) zwei «junge Wilde» hinter Lehmann für das Turnier in der Schweiz und Österreich. «Nach der EM werden sie ohnehin in die Nationalelf drängen», bemerkte Beckenbauer und ergänzte: «Ich würde mich freuen, zumindest einen von beiden im EM-Kader zu sehen. Es wäre eine verdiente Berufung.» (nz/dpa)

Neuer, Adler, Rensing

Diese dritte Variante, neben Lehmann und Hildebrand eines der nachdrängenden Talente zu nominieren, würde Löw aber auch in einige Bedenken stürzen. Warum soll der Bundestrainer mit dieser Auszeichnung schon jetzt einen der jungen Keeper in die Poleposition für die Zeit nach der EM schieben? Zumal neben Neuer und Adler auch noch ein Michael Rensing lauert, der in der kommenden Saison beim FC Bayern den Stammplatz von Oliver Kahn übernehmen will und damit automatisch in den Kreis der Auswahl-Kandidaten rücken würde. «Die jungen Torhüter haben gute Leistungen gezeigt. Wir nehmen uns die Zeit, bis Mitte Mai alles unter die Lupe zu nehmen», sagte Löw.

Enke ist guter Dinge

«Sich sicher zu fühlen, ist schlecht. Aber im Moment bin ich ganz guter Dinge», wertete Hannovers Enke das Gerangel um die dritte Torhüterposition, die öffentlich ohnehin überbewertet wird. Bei den vergangenen WM- und EM-Turnieren spielten die Nummern 3 praktisch gar keine Rolle, ob sie nun Hildebrand (2004 und 2006), Hans-Jörg Butt (2000 und 2002) oder Oliver Reck (1996) hießen. Entsprechend gelassen geben sich derzeit die Herausforderer. «Ich halte mich da raus, dass müssen sowieso die Leute vom DFB entscheiden. Wichtig ist erstmal, dass ich alles für Schalke gebe», sagte Neuer. Und Adler meinte: «Darüber zerbreche ich mir nicht den Kopf. Die Diskussion wird etwas hochgekocht. Ich will mich nirgendwo reinreden.»

 
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