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EM-Spezial Teil 6 - Kroatien: 

„Oj hrvatska mati“

14. Apr 2008 11:26
Kroatiens Nationalelf, genannt
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerische Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.

Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor.

Dieses Mal: Geheimfavorit Kroatien (Gruppe B zusammen mit Gastgeber Österreich, Deutschland und Polen).

Kroatien in der Fußballwelt

Kroatien belegt zurzeit Platz 13 der Fifa-Weltrangliste. Es tritt nicht mehr mit den ganz großen Stars wie Davor Suker oder Robert Prosinecki an, aber das Team, das von Exbundesligaprofi Slaven Bilic betreut wird, gilt nicht gerade als Außenseiter. Vielmehr ist Kroatien das, was Deutschland für sich gerne in Anspruch nimmt: eine Turniermannschaft. Mit Ausnahme 2000 hat sich Kroatien seit seiner politischen Unabhängigkeit für jedes großes Turnier qualifizieren können. An der WM 1994 nahm es nur nicht teil, weil die Qualifikation schon vor der Unabhängigkeit 1992 begonnen hatte. Als größter Erfolg gilt der dritte Platz bei der WM 1998 in Frankreich, nachdem man im Viertelfinale Deutschland geschlagen hatte.

Auf ältere historische Erfolge kann Kroatien kaum zurückblicken, war es doch bis Anfang der neunziger Jahre Bestandteil Jugoslawiens, und dessen Erfolge werden – trotz vieler kroatischer Spieler in dessen Reihen – in der Regel Serbien zugeschlagen.

1912 wurde der kroatische Verband gegründet, erst 1940 wurde das erste Länderspiel ausgetragen, und nach dem Zweiten Weltkrieg entstand Jugoslawien.

Klubs

Die erste kroatische Liga wird seit einigen Jahren von zwei Klubs dominiert: Hajduk Split und Dinamo Zagreb. Anders als der Staat und der Fußballverband existieren die Vereine schon länger. Dinamo wurde 1945 gegründet, als offizielles Gründungsdatum wird allerdings 1903 angegeben. Zwar trug der Verein den Namen Dinamo, der überall in den sozialistischen Gesellschaften auf eine Nähe zu den Sicherheitsdiensten des Staates verwies, aber in den neunziger Jahren wollten die Fans von diesem Namen nicht lassen: Aus HASK-Gradanksi und Croatia wurde bald wieder Dinamo. Es ist der größte und identitätsstiftendste Verein Kroatiens, in seinem Maksimir-Stadion werden die meisten Heimspiele der Nationalelf ausgetragen. Der deutsche Torwart Georg Koch ist seit 2007 dort unter Vertrag.

Der große Konkurrent Hajduk Split kann auf eine größere Tradition zurückblicken: Er wurde – wirklich – 1911 gegründet, und 1944 schloss sich der Verein den jugoslawischen Partisanen an. Sportlich stellten sich immer wieder Erfolge ein: 1972 war Hajduk im Halbfinale des europäischen Pokalsiegerwettbewerbs, 1976 im Viertelfinale des Landesmeisterpokals, des Vorläufers der Champions League. Noch 1995 schied man da erst im Viertelfinale gegen Ajax Amsterdam aus.

Außer Hajduk und Dinamo konnte sich in den letzten Jahren kein anderer kroatischer Klub durchsetzen, und die Schwäche der kroatischen Liga erklärt sich auch genau aus dem Umstand, dass es nur zwei Spitzenklubs gibt, die im Ligaalltag kaum gefordert werden.

Helden

Aus dem aktuellen Kader Kroatiens ragen vor allem Spieler hervor, die man aus der Bundesliga kennt: Ivan Klasnic (Bremen), Ivan Rakitic (Schalke), Mladen Petric (Dortmund) oder Josip Simunic (Berlin). Der aus Brasilien stammende und für den FC Arsenal spielende Eduardo wurde jüngst durch ein brutales Foul schwer verletzt und scheidet auch für die Europameisterschaft aus.

Der bekannteste der alten Helden dürfte Davor Suker sein. Bei Real Madrid feierte er große Erfolge, und bei der EM 1996, noch mehr bei der WM 1998 konnte er glänzen. Bei 1860 München ließ er seine Karriere ausklingen. Heute betreibt er eine Fußballschule.

Fans

Wenn man so will, steht die Fangewalt am Anfang des Staates Kroatiens: Als im Frühling 1990 das sozialistische System Kroatiens vor dem Zusammenbruch stand, machte sich dies am schnellsten im Fußball bemerkbar. Bei einem Spiel von Dinamo Zagreb gegen den serbischen Klub Roter Stern Belgrad kam es zu Ausschreitungen, der Platz wurde gestürmt, ein Polizist schlug einen Dinamo-Anhänger, und der damalige Dinamo-Kapitän Zvonimir Boban griff den Polizisten an.

Seither nehmen Fußballfans im politischen System Kroatiens eine wichtige Stellung ein, die ihnen auch bewusst ist und die es vergleichbar in keinem anderen europäischen Land gibt. Als es jüngst in Vukovar zu Ausschreitungen von mutmaßlich serbischen Jugendlichen kam, trafen sich 2.500 Fans der ansonsten verfeindeten Bad Blue Boys von Dinamo Zagreb und Torcida von Hajduk Split. Sie veröffentlichten eine Erklärung, wonach „einige Serben in Vukovar keine loyalen Bürger Kroatiens“ seien.

Torcida, die Fanvereinigung von Hajduk, ist der älteste Fanclub Europas – gegründet 1950 und sofort von der Kommunistischen Partei verboten. In den achtziger Jahren traten sowohl Dinamo-Fans auch Anhänger der Torcida offen gewalttätig und nationalistisch in Erscheiung.

Stadien

Das Maksimir-Stadion ist sowohl Heimstadion von Dinamo Zagreb als auch faktisches Nationalstadion. 38.000 Zuschauer passen hier ein. Zurzeit wird es umgebaut und soll bald neu eröffnet werden.

Hajduk Split spielt im Poljudska Ljepotica, das erst 1979 fertig gestellt wurde. Auch hier spielt die Nationalelf manchmal, es bietet Platz für 35.000 Zuschauer.

 
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