EM-Portrait Schweiz:
«Hopp Schwiiz!»
25. Mrz 2008 15:05, ergänzt 26. Mrz 2008 14:41
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16 Länder nehmen an der Europameisterschaft im Juni in der Schweiz und in Österreich teil. Wir stellen jedes Land vor: seine fußballerischen Fähigkeiten, seine Fans, seine Helden und seine Stadien.
Im Juni findet es statt, das Schaulaufen der europäischen Nationen in kurzen Hosen und auf grünem Rasen. Die Netzeitung stellt die Teilnehmer der Fußball-Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz vor. Dieses Mal: Gastgeber Schweiz (Gruppe A zusammen mit Tschechien, Portugal und der Türkei). Lesen sie am Montag, 31. März unser Porträt über Mitfavorit Tschechien: «Cesi, do toho!»
Die Schweiz in der Fußballwelt
In Zahlen ausgedrückt steht die Schweiz nicht gut da: Platz 41 der Fifa-Weltrangliste belegt sie im Februar 2008, drei Monate vor der Europameisterschaft im eigenen Land. Platz 41 heißt: Hinter Nordirland, hinter Israel, hinter Dänemark. Allesamt Länder, die die Qualifikation zur Euro, die am 7. Juni beginnt, verpasst haben. Doch die Statistik lügt: In der Rangliste steht die Schweiz nur deswegen so weit unten, weil die «Nati», wie die Nationalelf gerufen wird, zurzeit nur Freundschaftsspiele absolviert: als Euro-Gastgeber ist sie ja ohnehin qualifiziert.
In der «ewigen Tabelle» der Fußballweltmeisterschaften belegt die Schweiz mit acht Teilnahmen, 26 Spielen, von denen acht gewonnen wurden, Platz 21. In der Rangfolge der besten Teilnehmer an Europameisterschaften findet sich das Land mit zwei Endrundenteilnahmen auf Platz 20 wieder. Für einen eventuellen Titelgewinn 2008 erhält jeder Spieler umgerechnet 340.000 Euro Prämie.
Klubs
Schweizer Vereine in der Champions League sucht man vergebens, im Uefa-Pokal sind mit dem FC Zürich (gegen den HSV) und dem aktuellen Tabellenführer der Schweizer Liga, dem FC Basel, auch die letzten Schweizer Klubs ausgeschieden.Doch auch diese Tatsache lässt den Schweizer Fußball in einem zu schlechten Licht erscheinen. Die wichtigsten Spieler kicken im Ausland, allein in der deutschen Bundesliga finden sich acht aktuelle Schweizer Nationalspieler: Alexander Frei und Philipp Degen bei Borussia Dortmund zum Beispiel, oder Ludovic Tranquillo Barnetta von Bayer Leverkusen.
Auch Schweizer Trainer haben in der Bundesliga einen guten Ruf: Lucien Favre betreut Hertha BSC Berlin, Marcel Koller den VfL Bochum, und der Noch-Bayern-Coach und künftige Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld erlernte seinen Trainerberuf in der Schweiz.
Die Schweizer Super League wird aber zurzeit von einem handfesten unsportlichen Skandal eingeholt. Sechs Profis des Tabellenletzten FC Thun sollen sexuellen Kontakt zu einem 15-jährigen Mädchen gehabt haben. Sie müssen sich vor Gericht verantworten.
Helden
Kubilay Türkyılmaz ist mit 34 Treffern der Rekordtorschütze der «Nati», Platz drei belegt der noch aktive Alexander Frei (Borussia Dortmund) mit 32 Treffern.Köbi Kuhn ist der noch bis zur Euro amtierende Nationaltrainer, danach wird der frühere Mittelfeldspieler und «Schweizer des Jahres 2006» von Ottmar Hitzfeld abgelöst.
Karl Rappan war zwar gebürtiger Österreicher, aber der viermalige Schweizer Nationaltrainer nahm später auch die eidgenössische Staatsbürgerschaft an. Er hat den «Rappanriegel» erfunden – ein Fußballsystem, das man sich als eine Art Viererkette mit Libero vorstellen kann.
Kurt Röthlisberger war in den neunziger Jahren einer der bekanntesten Fifa-Schiedsrichter. Wegen versuchten Wettspielbetrugs bei einem Champions-League-Spiel wurde Röthlisberger aber 1997 lebenslang gesperrt. Nun steht der Exschiedsrichter wieder in den Schlagzeilen: Er soll unter falschen Namensangaben Euro-Tickets bestellt haben.
Sepp Blatter ist der seit gefühlten 123 Jahren amtierende Fifa-Präsident, in den hundert Jahren zuvor war der gebürtige Walliser Generalsekretär des Weltverbandes.
Fans
Der Schweizer Fußball hat ein Gewaltproblem. Vor fast zwei Jahren, am 13. Mai 2006, wurde das offensichtlich. Beim Saisonfinale spielten der FC Basel und der FC Zürich gegeneinander, der Ausgang der Partie entschied die Meisterschaft – und in den letzten Sekunden des Spiels fiel der entscheidende Treffer für Zürich.«Basler Fans stürmten den Rasen und prügelten wild drauflos», berichtet das Fanmagazin «Zwölf», und die «Neue Zürcher Zeitung» fasst zusammen: «Die Gewalt an Sportanlässen nimmt zu. Im Verlauf der Eishockey- und Fußballsaison 2004/2005 wurden rund 570 Personen festgenommen, die sich an Gewalt im Zusammenhang mit Sportanlässen beteiligten.»
Im Mai 2005 wurde der Verein «Fanarbeit Schweiz» (FaCH) gegründet, der die Fanarbeit, die in Basel, Luzern, Bern und Zürich geleistet wird, unterstützt.
Stadien
Das für Deutsche berühmteste Stadion der Schweiz existiert nicht mehr: Das Wankdorfstadion in Bern, in dem Fritz Walter und seine Kameraden 1954 Weltmeister wurden, wurde 2001 abgerissen. An seiner Stelle steht das moderne Stade de Suisse Wankdorf.Auch ein anderes berühmtes Schweizer Stadion wurde neu errichtet: Der Zürcher Letzigrund, neben den Fußballspielen auch berühmt durch das jährliche Leichtathletikmeeting wurde erst im September 2007 neu eingeweiht. (nz)