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Ballack lobt «nahezu perfektes Spiel»

12. Okt 2006 09:25
Lukas Podolski (l.) gegen Stanislav Varga
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Die deutsche Nationalelf beeindruckt im EM-Qualifikationsspiel gegen die Slowakei auf fremdem Platz. Ein zuletzt viel Gescholtener schießt sich den Frust von der Seele.

Von Dorothea Jantschke, Bratislava

Im Stadion Tehelné Pole von Bratislava gab es zwei mit deutschen Fußball-Anhängern gefüllte Zuschauerblöcke. Doch die Nationalspieler liefen nach dem Schlusspfiff nur vor einen der beiden, um sich bei den Schlachtenbummlern für ihre Unterstützung zu bedanken. «Auf der einen Seite standen die richtigen Fans, auf der anderen die falschen», sagte Lukas Podolski nach dem 4:1 (3:0)-Sieg über die Slowakei in der EM-Qualifikation. Das Spiel am Mittwochabend wurde von Randale überschattet. Während der Halbzeitpause und der zweiten Hälfte lieferten sich in einem Gästeblock in der Ostkurve des Stadions etwa 500 deutsche Hooligans Schlägereien mit der Polizei.

Fünf Spiele, fünf Siege

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  • Die deutsche Mannschaft ließ sich von den Gewalttätern nicht beeindrucken – jedenfalls nicht in den 90 Minuten auf dem Rasen. Vom Anpfiff an gingen die Spieler um Bundestrainer Joachim Löw hochkonzentriert zu Werke und verschafften ihm einen Eintrag in die Geschichtsbücher. Seit seinem Amtsantritt nach der Fußball-Weltmeisterschaft hat Löw in fünf Spielen fünf Siege eingefahren, seine Torbilanz liegt bei beeindruckenden 23:1 Treffern.

    Für die EM-Qualifikation ist der Sieg über die Slowakei eine wichtige Zäsur. Mit neun Punkten liegt die deutsche Mannschaft in der Gruppe D auf Platz zwei hinter den Tschechen (zehn Punkte), die allerdings bereits ein Spiel mehr absolviert haben – zuletzt ein 1:1 gegen Irland. Noch wichtiger als die Statistik ist aber der psychologische Aspekt des Sieges. Denn, sieht man von dem 13:0 über das harmlose San Marino Anfang September einmal ab, wartete die deutsche Mannschaft seit 16 Monaten auf einen Auswärtssieg. Da ließ selbst der so vorsichtige Joachim Löw alle Schüchternheit fahren: «Wir haben den Beweis angetreten, dass wir auch auswärts eine klasse Leistung abliefern können».

    3:0 nach einer halben Stunde

    In der ersten Hälfte dauerte es nur 36 Minuten, da stand es bereits 3:0 für Deutschland. Podolski hatte in der 13. Minute nach einem Zuspiel von Miroslav Klose getroffen. Das 2:0 besorgte Ballack per Kopf nach Vorarbeit von Philipp Lahm, und das dritte Tor erzielte Bastian Schweinsteiger nach einem Abklatscher des mäßigen slowakischen Torwartes Kamil Contofalsky. Die slowakischen Bundesliga-Torjäger Robert Vittek und Marek Mintal vom 1. FC Nürnberg spielten so gut wie keine Rolle. «Die erste Halbzeit war für ein Auswärtsspiel nahezu perfekt. Es war imponierend, was das spielerische betrifft», schwärmte Löw. Auch Kapitän Ballack lobte: «Das war sehr abgeklärt und von allen fast perfekt gespielt.»

    Die Mannschaft zog ihr Kombinationsspiel von Beginn an durch und ließ die Slowaken, die am vergangenen Samstag Wales in Cardiff mit 5:1 besiegt hatten, nie zur Entfaltung kommen. Torwart Jens Lehmann machte die gute Leistung vor allem an der Qualität der Viererkette fest, die diesmal aus Philipp Lahm, Manuel Friedrich, Arne Friedrich und Clemens Fritz bestand. «Wir spielen ein klares System», sagte der Keeper des FC Arsenal. «Wichtig ist dabei, dass die Abwehrspieler mutig sind. Das ist die Basis von allem. Dadurch können die Mittelfeldspieler besser stehen und die Stürmer besser eingesetzt werden.»

    Herbe Kritik

    Dass Stanislav Varga kurz nach der Pause das 1:3 köpfen durfte, gefiel Lehmann nicht sonderlich. Doch spätestens seit Podolski eine Viertelstunde vor dem Schlusspfiff nach einer Flanke von Klose das 4:1 erzielt hatte, sprach niemand mehr über den Gegentreffer. «Ich schätze das Spiel sehr hoch ein», freute sich Bastian Schweinsteiger, Podolskis Kumpel vom FC Bayern. «Vor der WM haben wir nur Freundschaftsspiele bestritten. Das hier ist etwas anderes, hier geht es um was», sagte der Mittelfeldspieler.

    Auch für Podolski war es in Bratislava «um etwas» gegangen. Nach der Roten Karte im Freundschaftsspiel gegen Georgien (2:0) hatte der Stürmer herbe Kritik einstecken müssen. Selbst Ballack hatte ihn zu mehr Konzentration aufgefordert. Vor allem an der Rüge des Kapitäns hatte Podolski schwer zu schlucken. «Wenn einer ein Problem mit mir hat, soll er auf mich zukommen. Was andere reininterpretieren, ist mir scheißegal», schimpfte er nach dem Spiel.

    Podolskis Antwort

    Ballack hatte mit seiner Kritik jedenfalls genau den Effekt erzielt, den er haben wollte. Podolski traf. «Ein guter Spieler gibt die Antwort immer auf dem Platz, das hat er heute getan», lobte der Chelsea-Profi den 21-Jährigen.Und schloss auch gleich einen nächsten Hinweis an: «Man sieht, was Lukas für ein Potenzial hat – das ist unbestritten. Er muss dran bleiben und weiter arbeiten. Er ist nicht nur ein Goalgetter, sondern zeigt auch großes Spielverständnis.»

    Sieben Tore hat Podolski in den bislang drei EM-Qualifikationsspielen schon erzielt. Nicht nur bei den Zyprioten, die die DFB-Elf am 15. November empfangen, dürfte das Eindruck schinden. Doch danach geht die Qualifikation bis zum März in eine lange Winterpause. Löw weiß, dass die Pause lang ist und weitere schwere Auswärtsspiele gegen Irland und Wales folgen. Den Sieg gegen die Slowakei wollte er deshalb auch noch nicht als Vorentscheidung werten. «Die Qualifikation ist noch ein ganzes Stück weit weg. Wir haben nur einen Schritt gemacht – gegen eine Mannschaft die mitreden kann», sagte er. Dusan Galis, sein Trainer-Pendant auf slowakischer Seite, sieht das ganz anders. Er ist der Meinung: «Diese Gruppe sind die Tschechen und die Deutschen».

     
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