Löw warnt vor der «Schlange» Mintal
11. Okt 2006 09:22, ergänzt 17:04
 |  Joachim Löw (r.) mit Lukas Podolski | Foto: dpa |
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Keine Wohnsitz-Diskussion mehr, keine Debatte um die Nummer eins im Tor, kein eklatantes Abwehrmanko: Die deutsche Fußball-Nationalelf hat vor dem Spiel gegen die Slowakei nur noch ein Problem.
Von Dorothea Jantschke, Bratislava Es war 12.30 als die deutsche Fußball- Nationalmannschaft am gestrigen Dienstag auf dem Flughafen von Bratislava landete. Vor 13 Monaten hatte die DFB-Elf zuletzt hier gespielt und im Stadion Tehelné Pole eine herbe 0:2-Niederlage einstecken müssen. Der Auftakt einer negativen Auswärtsserie, die, lässt man den Ferienkick in San Marino Anfang September dieses Jahres einmal außen vor, seit 16 Monaten andauert.
«Das ist die gefährlichste Situation»
Erinnern können sich an die Pleite gegen die damals als nicht ebenbürtig gehandelten Slowaken aus der jetzigen Mannschaft nur Torwart Jens Lehmann, Kapitän Michael Ballack, Bernd Schneider und Miroslav Klose. Sie standen damals in der Anfangsformation. Ballack warnte denn auch kurz vor dem EM-Qualifikationsspiel am Mittwoch (20.45 Uhr/live ARD) vor Nachlässigkeit: «Wir sind zurzeit erfolgreich, alles läuft. Aber genau das ist die gefährlichste Situation, in die man geraten kann.» Abgesehen vom 13:0 in San Marino datiert der letzte Sieg einer DFB-Elf in fremdem Stadion aus dem Juni 2005, als die Mannschaft um den damaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann Nordirland mit 4:1 bezwang. In der vergangenen Saison gewann die Nationalelf keines ihrer fünf Spiele, der Tiefpunkt war die 1:4-Niederlage beim späteren Weltmeister Italien im März. Seitdem wurde nur in heimischen Stadien gesiegt: vor, während und nach der Weltmeisterschaft.
Umstellung nach der WM
Die Euphorie, die die deutsche Mannschaft im Sommer entfachte, steht vor einer Probe. Sie wird in ihrer Mächtigkeit nur andauern, wenn die Spieler, die der jetzige Bundestrainer Joachim Löw um sich gescharrt hat, auch auswärts bestehen. «Die Mannschaft ist während der WM reifer geworden. Das muss sie jetzt auch auswärts mal beweisen», sagte Manager Oliver Bierhoff. Einfach wird das nicht nach 14 Länderspielen in bis zum Bersten gefüllten deutschen Arenen, vor Tausenden von Zuschauern, die die Mannschaft nach vorne peitschen. Diesmal stehen die Vorzeichen anders: Ein Stadion, das den Gegner unterstützt. Beim letzten Spiel in Bratislava verloren sich nur etwas mehr als 9000 Zuschauer im Tehelné Pole, am heutigen Mittwochabend dürften es weit mehr werden, denn es geht um die EM-Qualifikation in der Gruppe D. «Schiedsrichter-Entscheidungen, Provokationen der Zuschauer oder der gegnerischen Spieler, das müsst ihr alles ausknipsen», hat Löw vor allem den jungen Spielern mit auf den Weg gegeben. Die Mannschaft soll sich auf die eigene Stärke, die eigene Spielweise konzentrieren und nicht einfach nur reagieren.
Spiel mit vorentscheidendem Charakter
Löw hat sich gemeinsam mit der Mannschaft alle drei slowakischen EM-Qualifikationsspiele auf Video angesehen. Bisher musste sich die Elf von Trainer Dusan Galis nur den Tschechen mit 0:3 geschlagen geben. Ein Achtungszeichen war das 5:1 gegen Wales in Cardiff. «Das war eine eindrucksvolle Vorstellung. Dass eine Mannschaft in Wales so viele Tore schießt, war für uns unvorstellbar», sagte Ballack. Der Kapitän weiß, dass das Spiel gegen die Slowakei vorentscheidenden Charakter haben kann. Nur die beiden besten Mannschaften aus der Gruppe D qualifizieren sich.Löw warnte vor allem vor der Bundesliga-Offensive der Slowaken, bestehend aus den Nürnbergern Robert Vittek und Marek Mintal. Besonders Mintal, 2004/05 Torschützenkönig, sei «brandgefährlich». Der Bundestrainer verglich den Torjäger mit einer Schlange, die sich «aus dem Nichts in den Strafraum schleicht und zuschlägt». Ballack muss das niemand sagen – die Niederlage vor einem Jahr ist dem 30-Jährigen Warnung genug. Er machte aber auch auf eine eklatante Schwäche der Slowaken aufmerksam. «Sie verlieren die entscheidenden Spiele», sagte Ballack. Im wichtigen WM-Qualifikationsspiel waren die Slowaken an Spanien gescheitert. Im laufenden Wettbewerb ließen sie sich vom «großen» Fußball-Bruder Tschechien vorführen.