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Das Finale und die Fans: 

Fußball-Fete ohne Happy End

29. Jun 2008 23:10, ergänzt 30. Jun 2008 08:09
Zwei Fans in Stuttgart
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Der Fußball übernahm in ganz Deutschland am Sonntag die Hauptrolle. Während in Wien die Nationalmannschaft um den EM-Titel kämpfte, unterstützten in den deutschen Innenstädten die Fans ihre Helden aus der Ferne. Zum Sieg aber hat auch das nicht gereicht. Mit Video

Ganz Deutschland im Fußball-Rausch - und am Schluss trauern Millionen Fans unter dem nächtlichen Sommerhimmel: Nach der Devise «Noch größer, noch bunter, noch lauter» hatten die deutschen Fans den ganzen EM-Final-Sonntag ein schwarz-rot-goldenes Fußball-Volksfest der Superlative gefeiert.

Riesen-Enttäuschung dann am späten Abend, als das Happy End nach dramatischen 90 Minuten ausbleibt. Spanien - und nicht Deutschland - ist Europameister.

Viele Public-Viewing-Zonen in der Bundesrepublik mit ihren Millionen Fans waren bereits am Sonntagnachmittag aus allen Nähten geplatzt - einige hatten wegen des enormen Ansturms schon Stunden vorher geschlossen werden müssen. Vor den TV-Geräten zu Hause sowie in den Kneipen und Vereinsheimen fieberten schätzungsweise 30 Millionen Menschen mit der deutschen Mannschaft.

Stille nach dem Schlusspfiff

Wie bei der Fußball-WM vor zwei Jahren im eigenen Land kannte die Begeisterung kaum Grenzen - vielfach war die Feierlaune noch größer. Schließlich stand Deutschland - anders als bei der WM 2006 - im Endspiel. Erst als die Spanier in der 33. Minute mit 1:0 in Führung gingen, machte sich überall Ernüchterung breit. Grabesstille dann beim Schlusspfiff. Es blieb beim 1:0 für Spanien.

Die Fußball-Volksfeststimmung war am Sonntag bei sommerlichen Temperaturen bereits Stunden vor dem Spiel und damit unerwartet früh ausgebrochen. Wegen des enormen Ansturms der Berliner schlossen die Sicherheitsbehörden die bundesweit größte Fanmeile in der Hauptstadt - über drei Stunden vor Anpfiff um 20.45 Uhr. Mehr als 500 000 Menschen stimmten sich dort vor vier Riesenleinwänden singend und tanzend auf das Finale ein - und waren zu Beginn des Spiel kaum noch zu halten.

Fanmeilen überlaufen

«Alles dicht» hieß es auch in Hamburg und Hannover sowie im Ruhrgebiet. Hamburg schloss die Eingänge. Mit 42.000 Menschen war das Gelände auf dem Heiligengeistfeld «rappelvoll». In Stuttgart feierten ebenfalls über 40.000 Fans, in Frankfurt am Main 50.000, in München gar 80.000.

Für Tausende deutsche Touristen hatten die Feierlichkeiten bereits tagsüber bei bis zu 32 Grad an der Playa de Palma auf Mallorca begonnen. Am Abend zogen sie in die Bars und Kneipen mit Großbildleinwänden. Auch in Wien hatten sich Tausende Fans aus Deutschland und Spanien bereits am Sonntagmorgen in der Innenstadt versammelt. Zum Spielbeginn waren schätzungsweise 40 000 deutsche Fans und etwa 15 000 aus Spanien in der Stadt.

Mit Polizei und Rotem Kreuz

Die Sicherheitskräfte sahen den EM-Partys im Allgemeinen mit Ruhe und Zuversicht entgegen. Dennoch wurden in einigen Städten mehr Polizisten zur Sicherheitskontrolle eingesetzt als bei den EM-Spielen der deutschen Mannschaft in den vergangenen Wochen. Die Polizei in Sachsen lenkte ihr Augenmerk verstärkt auf Rechtsextremisten. Beim EM-Halbfinale Deutschland gegen die Türkei waren einige deutsche Extremisten auf Türken losgegangen.

Die Kurve der kollektiven Erregung in der Bundesrepublik stieg am Sonntag von Stunde zu Stunde. Sommerliche Wärme, Aufregung und dichtes Gedränge: In Berlin hatte das Rote Kreuz eine Menge zu tun, um Menschen mit Kreislaufschwächen zu helfen. «Fans kippen um wie die Fliegen», sagte ein Sprecher. Einige landeten im Krankenhaus.

Ballack & Co. kommen nach Berlin

Doppelt erleichtert waren am Sonntag mehr als 7.500 Menschen in Osterholz-Scharmbeck in Niedersachsen: Zum einen, weil in ihrem Ort eine Fünf-Zentner-Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft wurde. Zum anderen, weil durch die erfolgreiche Aktion dem EM-Fernsehabend in der eigenen Wohnung nichts mehr im Wege stand. Am Morgen hatten sie ihre Wohnungen für die Entschärfung verlassen müssen. Gut zwei Stunden später hatte der Sprengmeister die amerikanische Fliegerbombe unschädlich gemacht. «Es lief alles reibungslos, der Fußballabend ist gerettet», sagte eine Polizeisprecherin.

Vor dem Brandenburger Tor in Berlin stellten sich die Fans auf der größten Feier-Meile bereits auf die nächste Party ein. An diesem Montag will die Nationalmannschaft mit den Berliner Fans feiern - trotz der Niederlage im EM-Finale. Diesmal ist man immerhin «Zweiter» geworden, nachdem es vor zwei Jahren bei der Heim-WM «nur» zum dritten Platz gereicht hatte. (dpa)





 
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