28. Jun 2008 15:26
Die deutsche Nationalelf hat wenige Stunden vor dem EM-Finale die fußballfreie Zone im malerischen Tessin verlassen und gastiert nun in der EM-Metropole Wien. Eines steht bereits fest: Die Bergtour 2008 wird für die Kicker in Berlin enden.
Nach 42 gemeinsamen Tagen, vielen schweißtreibenden Trainingseinheiten und fünf aufwühlenden Turnier-Spielen kann sich das Team an diesem Sonntag (20.45 Uhr/ARD) im Finale gegen Spanien selbst krönen. «Wir wollen am Montag mit dem Pokal nach Berlin fliegen», verkündete Kämpfer Torsten Frings auch im Namen seiner 22 Kollegen. Der 31 Jahre alte Bremer dürfte trotz eines Rippenanbruchs wieder von Beginn an spielen, ansonsten schickt Löw wohl die Startelf vom 3:2-Halbfinal-Sieg gegen die Türkei auf den Rasen der Arena im Wiener Prater. «Es wird ein Geduldsspiel werden. Ein frühes Tor würde sehr helfen. Aber sie werden sich gegenseitig belauern und vielleicht auch neutralisieren», sagte Beckenbauer voraus. «Das Wichtigste ist, nicht zu verkrampfen», ergänzte Teammanager Oliver Bierhoff.
Am Samstagmittag hatte die Mannschaft ihr EM-Stammquartier im schweizerischen Ascona geräumt und die Reise in den Endspielort Wien angetreten. Beim herzlichen Abschied aus dem Hotel «Giardino», in dem der rund 60 Personen umfassende DFB-Tross seit dem 3. Juni logiert hatte, standen die Hotelangestellten nochmals mit schwarz-rot- goldenen Fähnchen Spalier. Schon am Abend zuvor hatten beim letzten Geheim-Training in Tenero Kinder Luftballone in den deutschen Nationalfarben aufsteigen lassen. Am Sonntagabend wollen Millionen von deutschen Fans Glücksraketen in den Himmel schicken und einen Tag später auf der Berliner Fanmeile den Europameister 2008 feiern.
In dem Weltranglisten-Fünften Deutschland und dem -Vierten Spanien treffen vor 51.428 Zuschauern im Happel-Stadion zwei große Fußball- Nationen aufeinander - doch ein so bedeutendes Duell der beiden Mannschaften hat es noch nicht gegeben. Während das DFB-Team in Wien schon den siebten großen Titel gewinnen kann, liegt der bisher einzige Turniersieg der Iberer bei der EM 1964 schon 44 Jahre zurück. «Die Mannschaft hat durch sehr viel Disziplin, harte Arbeit und Glauben an sich selbst einiges erreicht, deshalb ist sie der große Gewinner», verteilte Bierhoff schon vor dem Anpfiff des italienischen Referees Roberto Rosetti Komplimente. Bierhoff war mit seinem «Golden Goal» 1996 in London maßgeblich am dritten und bisher letzten EM- Triumph Deutschlands beteiligt gewesen. Mit den Vorab-Komplimenten will sich vor allem Ballack gar nicht erst beschäftigen. Der 31-Jährige will unbedingt «einen großen Titel», auch um den Fluch des ewigen Zweiten endlich zu begraben. Neunmal in seiner Karriere musste Ballack schon mit diesem undankbaren Vize-Platz vorlieb nehmen: Mit Bayer Leverkusen (2002) und dem FC Chelsea (2008) verlor er im Champions-League-Finale, bei der WM 2002 reichte es für den damals gesperrten Ballack ebenfalls nur zu Platz zwei. Dazu kommen drei deutsche und zwei englische Vizemeisterschaften sowie ein verlorenes DFB-Pokalfinale. Deshalb zählt für den gebürtigen Görlitzer am Sonntag nur eins: «Gewinnen».