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Tagesthema Fußball-EM: 

Schweiz hofft auf touristisches Nachbeben

30. Jun 2008 12:31
Zürich
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Die EM ist zuende. Aber die Schweizer Tourismusbranche sähe es gerne, wenn auch danach Holländer, Deutsche und Russen wiederkommen. Die Geschäftsleute hatten sich von dem Event allerdings etwas mehr erwartet.

Die Schweiz setzt nach fast drei Wochen Fußball-Europameisterschaft auf die langfristigen Auswirkungen der Spiele auf Wirtschaft und Touristik. Die Tourismusindustrie hofft vor allem darauf, dass die Fans der 15 Spiele auf Schweizer Boden besonders aus den Niederlanden, aber auch aus Russland und Deutschland, in den kommenden Monaten verstärkt zu den Eidgenossen zurückkommen und Geld ausgeben werden.

Nach ersten Einschätzungen sind zunächst vor allem die Hotelbesitzer in den vier Austragungsstädten Basel, Bern, Zürich und Genf zufrieden. In Genf, wo die Euro 2008 fast 80 Prozent der Übernachtungen nach sich zog, sieht Paul Müller vom Hotelierverband Hotelleriesuisse Grund für Optimismus: «Die Stadt Genf hat ein weiteres Mal bewiesen, dass sie fähig ist, ein Großereignis zu organisieren.» Das könne weitere nach sich ziehen.

In Zürich, wo insgesamt mehr als 1,5 Millionen Besucher gezählt wurden, haben die Zwei- und Drei-Sterne-Hotels am meisten profitiert, hieß es weiter. Bern, Spielort der niederländischen Nationalelf, und das Tessin, mit der Beherbergung der deutschen Nationalmannschaft, konnten vor allem von den aus diesen Ländern als treu bekannten Fans profitieren. «Wir wollen die Niederlande zu einen Zielmarkt machen», sagte Thomas Lüthi, Vizedirektor von Bern Tourismus, der Schweizer Nachrichtenagentur SDA. «Mit den Niederlande haben wir das große Los gezogen: Viele Fans haben uns gesagt, sie kämen wieder», sagte Peter Scherrer, Präsident der Berner Hoteliers.

Erst Dauerregen, dann Rekordzahlen

Dabei hatte es zunächst nicht gut ausgesehen, nachdem zu Beginn Dauerregen den Veranstaltern das Geschäft versalzte. Prognosen über den zu erwarteten Touristenstrom stellten sich als weit überhöht heraus. Die von einer großen Schweizer Bank gesponserten, aufwendig gebauten Fan-Arenen in den größeren Schweizer Städten waren häufig nicht ausgelastet. Die umgerechnet rund zehn Euro teuren Sitzplätze blieben oft leer.

Die Bilanz fiel zum Schluss aber besser aus: Den 16 Arenen der Bank hat das letztlich schöne und warme Wetter gut getan. 850.000 Personen wurden gezählt, mit Rekordzahlen je nach Spiel. Die Arena von Lausanne etwa war bei Auftritten der Italiener und der Franzosen voll. Andere profitierten von Portugal und Deutschland. Zwischenfälle gab es nur ganz vereinzelt, hieß es.

Ausscheiden drückt Umsätze

Hunderttausende holländische und später schwarz-rot-gold geschmückte Fans belagerten zeitweise förmlich die Schweizer EM-Hauptstadt Basel und brachten damit Geld in die Kassen der Geschäftsleute, die sich insgesamt deutlich mehr von dem Mammut-Event erwartet hatten. Einigermaßen zufrieden sind auch die Fanartikel-Verkäufer. Das Rennen machten Artikel der klassischen Fanausstattung wie T-Shirts, Schals, Mützen und Bälle. Gefragt waren auch Aufkleber, Alben und Video-Spiele. Pech nur für die Verkäufer der zumeist in rot-weiß gehaltenen Fanartikel der Eidgenossen. Hier drückte das frühe Ausscheiden der Schweizer Nationalmannschaft auf die Umsätze.

Äußerst zufrieden zeigten sich dagegen die «Touristiker» im Nachbarland Österreich, obwohl gerade das Fremdenverkehrsgewerbe in Wien und den anderen EM-Städten in den vergangenen Wochen immer wieder lautstark über schlechte Geschäfte klagte. Dennoch, so betonte Verbandssprecherin Stolba am Freitag: «Der Tourismus hat seine Ziele eindeutig erreicht.» Die intensive Österreich-Werbung über TV und im Internet hat nach Berechnungen der Tourismusmanager «weltweit insgesamt 560 Millionen Menschen erreicht». (dpa/nz)

 
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