Nach dem Sieg über die Türkei: 

netzeitung.deFußball-Deutschland feiert den Finaleinzug

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Fans beider Lager in Berlin (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Fans beider Lager in Berlin
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Während Hunderttausende in der ganzen Republik den Sieg ihrer Mannschaft auskosteten, erwiesen sich die Fans der knapp unterlegenen Türken als faire Verlierer. Am Sonntag geht es mit dem Endspiel weiter.

Fußball-Deutschland Im Glück: Nach dem Zittersieg der DFB-Auswahl gegen die Türkei dürfen die Fans weiter vom EM-Titel träumen. Millionen Menschen wurden am Mittwochabend einem Wechselbad der Gefühle ausgesetzt, erst der Schlusspfiff in Basel erlöste die Menschen.

Eine Woge der Begeisterung breitete sich in der Republik aus. Auf Fanmeilen und Straßen, vor den Riesenleinwänden und in den Kneipen feierten die Menschen das 3:2 von Michael Ballack und Co. fast in letzter Minute und so den Einzug der deutschen Elf in das Endspiel an diesem Sonntag in Wien.

Trauer herrschte dagegen bei Millionen türkischer Fans in Deutschland und in der Heimat. Unter den 12.000 türkischen Fans auf dem Hamburger Heiligengeistfeld machte sich Enttäuschung breit. In Berlin-Kreuzberg, einer Hochburg der türkischen Gemeinde, erholten sich die türkischen Fans schnell von ihrer Trauer. Viele schlossen sich den deutschen Anhängern an.

Fanmeile überlaufen
Auf der größten Fanmeile der Republik in Berlin, wo rund eine halbe Million Menschen zusammengekommen war, löste der Abpfiff Freudentänze aus. Die Menschen lagen sich in den Armen, Schwarz-Rot-Gold beherrschte das Bild. «Finale, Finale» riefen die Fans am Brandenburger Tor.

Wegen des großen Andrangs auf der Berliner Feierstrecke waren schon eine Stunde vor Spielbeginn die Tore geschlossen worden. Die meisten Fans drückten den Spielern von Jogi Löw die Daumen. «Die Stimmung ist super, die Leute sind ausgelassen», sagte eine Sprecherin. Bei den Toren der Türkischen Elf wogten rote Halbmondfahnen wie Inseln über den Köpfen der Fans.

Zehntausende beim Public Viewing
Auch in anderen Städten hatten sich Zehntausende versammelt, um gemeinsam bei dem K.o.-Spiel im Baseler St. Jakob-Park-Stadion mitzufiebern. Das Münchner Olympiastadion war mit mehr als 30.000 Fans bereits lange vor Spielbeginn brechend voll. In Nürnberg kamen rund 25.000 Menschen zusammen, die Hälfte davon Türken. Auf dem Stuttgarter Schlossplatz versammelten sich rund 40.000 Menschen.

Auf dem Frankfurter Rossmarkt und der nahe gelegenen Konstablerwache wurden rund 10.000 Menschen geschätzt. Rund 42.000 deutsche und türkische Fans verfolgten bei der größten Feier im Norden in Hamburg das Spiel. In Basel, wo Bundeskanzlerin Angela Merkel im Stadion das Spiel verfolgte, wurden bis zu 100.000 Fans erwartet. Auch der türkische Staatspräsident Abdullah Gül saß mit auf der Ehrentribüne.

Friedliches Einsingen
Auf den Feststrecken blieb es zunächst weitgehend friedlich. Die Polizei war in den meisten Teilen der Bundesrepublik aber verstärkt im Einsatz. Es bestehe kein Anlass zur Sorge, sagte etwa Christoph Gilles von der Polizei Köln. Die Erfahrungen bei der WM 2006 in Deutschland seien eine gute Grundlage. In Berlin waren 1700 Beamte im Einsatz.

Ob «Deutschland, Deutschland!» oder «En büyük Türkiye, baska büyük yok!» («Die Türkei ist das Größte, es gibt nichts größeres») - ein Sprachgemisch tönte überall dort, wo sich Fans beider Länder für das Spiel warmsangen.

Weltweite Fernsehpanne
Vor Ort in Basel hatten Tausende ausgelassen schon viele Stunden vor dem Anstoß gemeinsam gefeiert. Deutsche Schlachtenbummler und türkische «taraftarlar» nahmen sich gegenseitig auf die «Schippe», es gab neckische Sprechchöre wie «Ihr kriegt keinen Döner mehr». In der österreichischen EM-Metrople Wien herrschte dagegen weitgehend Siesta-Stimmung. Wegen eines schweren Gewitters musste die Wiener Fanzone mit etwa 30.000 Fans vor Spielende geräumt werden.

Für Ärger sorgte eine Panne beim Fernsehen: Die ZDF-Übertragung wurde kurz nach 22.00 Uhr komplett unterbrochen. Etwa drei Minuten später war Reporter Bela Rethy wenigstens per Ton aus Basel zu hören. Nach gut fünf Minuten konnten die Zuschauer das Spiel im Baseler Stadion wieder auf dem Bildschirm und den Riesenleinwänden verfolgen. Später schaltete sich das Bild noch einmal ab. Als Grund gab das ZDF auf einer Schautafel eine Leitungsstörung in Basel an. Die Fans seien weltweit betroffen gewesen.

Sportlich faire Rivalität
Schon seit Tagen stand Deutschland im Zeichen des Spiels von Basel. Die Halbmond-Fahne und die Deutschland-Flagge hingen oft demonstrativ gemeinsam auf Privatautos und Taxis oder in nachbarlicher Harmonie an vielen Häusern.

Politiker und Funktionäre hatten zu Fairness und Friedfertigkeit aufgerufen. Die Präsidenten beider Fußballverbände appellierten, das Spiel zu einer großen multikulturellen Feier werden zu lassen. Bei aller sportlichen Rivalität dürfe es keinen Platz für Gewalt und Randale geben, sagten DFB-Präsident Theo Zwanziger und sein türkischer Amtskollege Hasan Dogan.

Bundespräsident Horst Köhler zeigte sich überzeugt, dass das Spiel dazu beitragen wird, das Verhältnis zwischen Deutschen und Türken zu verbessern. Der Vorsitzende der türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat, forderte die Fans auf: «Schaut euch das Spiel Hand in Hand an, schwingt die Fahnen beider Länder und habt einfach Spaß zusammen.» (dpa/nz)