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Des einen Freud, ...: 

Historischer Triumph nach 88 Jahren

23. Jun 2008 15:02
Gut gebrüllt Löwe: Torwart Iker Casillas
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Der spanische König besuchte Torwart Iker Casillas noch in der Kabine. Der Elfmeterheld von Wien erlöste das stolze Spanien von einem unendlich langen Fluch und schickt den Weltmeister nach Hause - zu Recht.

Spanien feierte nach dem endlich überwundenen Viertelfinal-Trauma eine rauschende Fußball- Fiesta in rot-gelb. Der mitfiebernde König Juan Carlos eilte nach dem erlösenden Elfmeter-Drama in die Kabine. Freudestrahlend gratulierte er Teufelskerl Iker Casillas, dem neuen spanischen Fußball-Helden, und bedankte sich: «Der Fluch ist gebrochen. Es wurde auch Zeit.» Der Weltmeister trat dagegen frustriert die Heimreise an. «Wir können erhobenen Hauptes gehen», beschönigte Roberto Donadoni den insgesamt enttäuschenden EM-Auftritt Italiens um Luca Toni. Dabei gilt als sicher, dass der Kopf des glücklosen Trainers rollen wird. Marcello Lippi soll die «Azzurri» zu alter Leistungsstärke aufpäppeln.

«Geister der Vergangenheit»

Casillas schrie seine Freude über den ersten Einzug in ein Viertelfinale seit 24 Jahren und den ersten Pflichtspielsieg über «Angstgegner» Italien seit sogar 88 Jahren in den lauen Wiener Nachthimmel und dankte Gott. «Endlich haben wir diesen Fluch besiegt. Elfmeterschießen ist immer auch ein bisschen Lotteriespiel», sagte Casillas, der beim 4:2 (0:0) die Elfmeter von Daniele De Rossi und Antoni Di Natale pariert hatte. Die heimischen Medien feierten ihre Lieblinge. «El País» strich speziell den Schlussmann heraus: «Iker Casillas vertreibt die Geister der Vergangenheit.»

Der spanische Trainer Luis Aragonés träumt nun schon vom Endspiel gegen Deutschland, obwohl er größten Respekt vor Halbfinal-Kontrahent Russland am Donnerstag (20.45 Uhr/ARD) hat. «Das ist eine Mannschaft, die große Kondition bewiesen hat und sehr schnell spielt», wies er darauf hin, dass das souveräne 4:1 aus dem ersten Gruppenspiel kein Maßstab für den zweiten Vergleich sei. «Aber wir sind überzeugt, dass wir ins Finale kommen.» Dies traut der Trainer-Fuchs auch Joachim Löws Team gegen die Türkei zu: «Es gibt keinen Zweifel, dass Deutschland gute Chancen auf den Finaleinzug hat». Nachdem die dunkle Vergangenheit überwunden ist, glaubt Spanien an eine glänzende Zukunft. «Wenn Gott will, erreichen wir viel mehr», sagte Aragonés, der vor Turnierbeginn für den Fall des ersten EM-Titels seit 1964 eine Wallfahrt nach Santiago de Compostella angekündigt hatte.

Seine Schützlinge freuten sich ausgelassen über ihren «Elfer-Coup», absolvierten nach der Rückkehr ins beschauliche Neustift im Stubaital das übliche lockere Regenerationstraining und erhielten dann als Lohn frei. «Wunderbar. Ich finde keine Worte, um meine Emotionen auszudrücken. Wir sind einfach nur glücklich», sprudelte es aus Cesc Fabregas, der mit seinem sicher verwandelten Elfmeter zum 4:2 das Märchen perfekt gemacht hatte, «das war das wichtigstes Tor meines Lebens.»

Weltmeister a.D.(e)

Bei den Tifosi herrschte indes Trauer: «Tutto finito - Adios Italia!», jammerte «La Gazzetta dello Sport» am Montag. Zwei Jahre nach dem rauschenden WM-Triumph von Berlin ist Italiens Traum vom Titel-Double ausgerechnet gegen den «Lieblingsgegner» geplatzt. Ersatz-Kapitän Gianluigi Buffon, dessen gehaltener Elfmeter zu wenig war, verdrückte sich klammheimlich in die Kabine und ließ seine Kollegen beim schweren Gang zu den Fans im Stich. Der als Schaltzentrale schmerzlich vermisste Andrea Pirlo (gesperrt) weinte, der humpelnde Stamm-Kapitän Fabio Cannavaro tröstete Toni, der ohne einen Treffer im Turnierverlauf zu den großen EM-Verlierern zählt. «Ich bin tief enttäuscht», klagte der Bayern-Star.

Letztendlich bleibt aber Trainer Roberto Donadoni der Dumme, auch wenn sich Italiens Verbandspräsident Giancarlo Abete am Sonntagabend vor der Presse wie ein Aal wand. «Wir werden uns in ein paar Tagen zusammensetzen und alles besprechen», erweckte er scheinheilig den Eindruck, als ob es für den Ex-Nationalspieler noch eine Zukunft als Nationalcoach gäbe. Dabei liegt der Vertrag für die zweite Ära Lippi längst bereit. Eine Kündigungs-Klausel macht Donadonis Rausschmiss zur Formsache: Der Gescheiterte erhält 600.000 Euro Schmerzensgeld. Seine Ankündigung am Montag: «Ich habe nie an Rücktritt gedacht», dürfte am Ende der Zusammenarbeit nichts ändern.

Donadoni muss wohl gehen

Die Spieler stellten sich vor ihren Coach - viele jedoch eher aus Anstand, denn aus Überzeugung. «Es wäre schade, wenn er wegen eines verlorenen Elfmeterschießens gehen müsste», sagte De Rossi. Luca Toni sprach vielsagend schon in der Vergangenheitsform über Donadoni: «Das Team hat immer zum Trainer gestanden.» Donadoni verteidigte seine Schützlinge: «Ich bin stolz auf die Jungs, es tut mir sehr Leid für sie.» Cannavaro, dessen verletzungsbedingten Ausfall die Catenaccio-Künstler letztendlich nie verkraften konnten, bilanzierte schonungslos: «Diese EM hat schlecht angefangen und ist noch schlechter zu Ende gegangen.» (dpa)

 
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