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Lustig ist anders: 

TV-Kritik: Pochers untürkischer Akzent

22. Jun 2008 12:11, ergänzt 12:16
ARD-Clown Oliver Pocher
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Oliver Pocher gehört mit Portugal, den Niederlanden und Kroatien zu denjenigen, die es nicht einmal ins Halbfinale schafften. Elke Wittich erklärt, warum.

Fragt man im Freundeskreis herum, welches Bild bis jetzt stellvertretend für diese EM steht, fällt die Antwort überraschend einhellig aus: Fröhliche Fans, die im Autokorso durch irgendeine deutsche Innenstadt fahren. Insistiert man nun darauf, dass es sich nicht um die Europameisterschaft im Fahnenschwenken, sondern im Fußball handelt und deswegen nach einer im Stadion spielenden Szene gesucht wird, ist die Replik dann allerdings genau so eindeutig: Jogi Löw mit Zigarette.

Trotz mittlerweile schon notorischen Favoritenstürzen und zwei verlängerungssichernden Last-Minute-Toren, Elfmeterschießen und vielen Tränen bleibt diese EM insgesamt seltsam steril. Womit sie gut zu dem passt, was Oliver Pocher nun schon seit zwei Wochen als Humor abliefert.

Konsequent zensiert

Die EM, bei der unerwünschte Szenen konsequent zensiert und damit nicht ausgestrahlt werden, hat wahrscheinlich sogar die Hauptakteure eingeschüchtert, denn anders ist es nicht zu erklären, warum bislang noch kein Torschütze im Jubelüberschwang sein T-Shirts auszog, um es entweder in die Fankurve zu werfen oder der Welt das extra vorher präparierte Unterhemd mit Grüßen an die Liebsten oder einem fetzigen Slogan zu zeigen.

Damals war alles besser

Eine derart reglementierte Veranstaltung müsste eigentlich den Ehrgeiz eines Humorschaffenden wecken. Natürlich sind legendäre Aktionen wie die von Hape Kerkeling, der es vor vielen Jahren schaffte, beim offiziellen Besuch der niederländischen Königin Beatrix als eben dieser Staatsgast verkleidet Publikum und sogar Sicherheitsbeamte zu narren, heute aus Sicherheitsgründen kaum noch möglich, Trotzdem sollte ein mit Akkreditierung versehener Comedian Mittel und Wege finden, die langweilige Funktionärsriege in ihrer Selbstherrlichkeit vorzuführen.

Hampelt sich halbherzig durch Österreich

Statt ein bisschen subversiv zu sein und für eine gelungene Aktion zur Not auch die EM-Zulassung aufs Spiel zu setzen – was sogar noch prima Bilder von sich peinlich echauffierenden Bonzen und extrem böser Security ergeben hätte – hampelt sich Pocher halbherzig durch Österreich.

Wie das Elend begann

Pochers Besuch im Quartier der österreichischen Nationalmannschaft war der Anfang allen Übels. Dort wollte der Komiker den nächsten Gegner des deutschen Teams ausspionieren und nahm unter anderem an der täglichen Pressekonferenz teil. Was ganz lustig hätte sein können, wäre der Besuch nicht erkennbar vorher mit den Verantwortlichen abgesprochen worden.

Das abschließende Interview mit dem österreichischen Nationalcoach Hickersberger erreichte folgerichtig den Tiefpunkt der Unkomik. Der Trainer, der natürlich wusste, wen er vor sich hatte, forderte den nach einem Rollenwechel nicht mehr als Reporter, sondern als hoffnungsvoller Nachwuchskicker posierenden Pocher einfach nur auf, fleißig zu trainieren - harhar.

Hektisch zuckenden Pocher

Und es ging noch blöder: Am Tag vor dem Spiel Türkei-Kroatien verkleidete sich Pocher notdürftig als Nationalcoach Fatih Terim und besuchte türkische Geschäfte. Aufgeregt herumhampelnd und mit vollkommenem untürkischem Akzent versuchte er, in einem Reisebüro zigtausend Flugtickets für die daheimgebliebenen Türkiye-Fans klarzumachen, was – man ahnte es – natürlich nicht klappte. Denn der durchaus gutwillig mitspielende Reisebürobesitzer hielt dem hektisch zuckenden Pocher einfach nur die Fakten, also EM und Sommerferien, entgegen, was jeglichen womöglich eingeplanten Gag einfach so verpuffen ließ.

Offenkundig verwirrt

Wobei es sogar noch eine Steigerungsform von Verpuffen gibt, denn weitere Opfer, das Personal einer türkischen Schneiderei, erkannten den Harald Schmidt-Sidekick weder als Fatih Terim noch als Oliver Pocher, sondern behandelten ihn einfach so, wie man halt offenkundig verwirrte Menschen behandelt, wenn sie mit Kamerateam im Schlepptau einen Laden betreten. Sehr nachsichtig und sehr mitfühlend. Lustig oder sogar entlarvend – jedenfalls nichts anderes als Pochers irritierendes Humorverständnis entlarvend – ist das alles nicht.

Coach im Gemüseladen

Und das ist noch nicht alles, zu befürchten sind in den nächsten Tag noch weitere Pocher-Episoden. Vielleicht als russischer Nationaltrainer Champagner ordernd in der Edeldisko, vielleicht, dann noch als italienischer Mafia-Don in der Pizzeria. Oder, je nach Ausgang des letzten Viertelfinales, als Spanier auf der Suche nach einer Stierkampfarena. Oder, wegen des großen Erfolges, als türkischer Coach im Gemüseladen.

Egal als was der unkomische Komiker als nächstes sein Debüt gibt, in der nächsten TV-Kritik am Mittwoch wird NICHT darüber berichtet.

 
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