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Des Trainers schlaflose Nächte: 

Nach EM-Aus: «Lernen, neu zu leben»

16. Jun 2008 21:18
Schwere Zeiten: Karel Brückner
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Ein solch dramatisches Scheitern, wie es den Tschechen gegen die Türkei widerfahren ist, hinterlässt Spuren. Die Mannschaft verliert altgediente Führungskräfte - auch der Trainer geht und macht sich Gedanken.

Am Tag nach dem dramatischen EM-Aus ging der scheidende tschechische Nationalcoach Karel Brückner auf Sinnsuche. «Das ist schwer, ich muss lernen, neu zu leben», sagte der 68-Jährige nach 35 Jahren Trainertätigkeit und blickte noch einmal auf die 2:3 (1:0)-Niederlage gegen die Türkei im «Endspiel» der Gruppe A zurück: «Ein Spiel musste einfach das letzte sein, ob nach der Gruppenphase oder erst später vielleicht im Finale ist egal.» Mit Sturmtank Jan Koller und Tomas Galasek vom Bundesliga-Absteiger 1. FC Nürnberg erklärten auch zwei verdiente Spieler am Montag ihren Rücktritt aus dem Nationalteam.

Der 2,02 Meter große und 35 Jahre alte Koller hatte zwar sein 55. Tor im 90. Länderspiel erzielt, die Niederlage aber nicht abwenden können. Für Nationaltrainer Brückner ist es möglicherweise nicht der endgültige Abschied vom Spitzenfußball. Der weißhaarige Coach will sich zwar neuen Aufgaben abseits vom Fußball zuwenden, doch Verbands-Vizepräsident Vlastimil Kostal machte Brückner noch auf der Pressekonferenz am Montag das Angebot, für den Verband als Berater tätig zu werden. «Davon höre ich das erste Mal», konterte der scheidende Trainer. Als seine Nachfolger sind unter anderem sein Assistent Petr Rada, Karel Jarolim (Slavia Prag) und Viteszvak Lavicka (Sparta Prag) im Gespräch.

«Kein schöner Abschied»

Ausgerechnet der große Star im Team vermasselte seinem Trainer den Abschied von der Fußball-Bühne. Als Torhüter Petr Cech drei Minuten vor Ende der Partie gegen die Türkei einen Flankenball durch die Hände rutschen ließ und kurz darauf noch einen weiteren Treffer kassierte, war das Schicksal der Tschechen besiegelt. So hatte sich Brückner seinen schon vorher angekündigten Abgang als Nationalcoach nach sechseinhalbjährigerAmtszeit nicht vorgestellt. Der Schock war ihm deutlich anzumerken. «Das war kein schöner Abschied. Ich werde jetzt einige Nächte nicht schlafen können», sagte er nach dem Abpfiff.

Petr Cech gilt als einer der besten seiner Branche und ist als Schlussmann des FC Chelsea zum großen Star aufgestiegen. Doch derzeit verfolgt ihn das Pech. «Das passt alles zu dieser Saison», meinte der Keeper. «Erst die Verletzungen, dann die verpasste Meisterschaft und das verlorene Champions-League-Finale mit Chelsea und nun dieses unglückliche Ausscheiden bei der Europameisterschaft», erklärte der 26-Jährige, der unter Brückner vor sechs Jahren sein Debüt im Nationalteam gefeiert hatte. «Er hat einen Fehler gemacht, aber ich werde ihn nicht für die Niederlage verantwortlich machen», sagte Brückner.

Gnade für Cech

Auch in der Heimat reagierten die Medien geschockt auf das unerwartete Ausscheiden gegen den WM-Dritten von 2002. Die Tageszeitung «Pravo» titelte «Kollaps!». Das Boulevardblatt «Blesk» schrieb: «Cechs fataler Fehler. Wir vergeben ihm. Es ist nicht nur seine Schuld.»

Tatsächlich fanden die Mitspieler des unglücklichen Torhüters bei der EM ebenfalls nicht ihre beste Form. Die einst hohe Fußballkunst der technisch versierten Kicker des Europameisters von 1976 und EM- Zweiten von 1996 blieb bei diesem Turnier im Verborgenen. David Jarolim vom Hamburger SV sagte: «Das ist unfassbar. Wir standen schon mit einem Bein im Viertelfinale und dann das.» Auch Tomas Ujfalusi war völlig ratlos. «Das darf einer Mannschaft wie uns nicht passieren, dass wir drei Tore in 20 Minuten bekommen», befand der frühere Bundesligaprofi. (dpa)

 
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